Es wehte ein Hauch von Bonner Republik durch die Villa Hammerschmidt, als Frank-Walter Steinmeier das ZDF zum Sommerinterview empfing. Inmitten weiß glänzender Fassaden und nahe des im Sonnenlicht funkelnden Rheins – vor dem „deutschen Weißen Haus“, wie der Hausherr es bescheiden nannte – gab sich das Staatsoberhaupt ganz der Nostalgie hin.Auch die ZDF-Journalistin Diana Zimmermann schien vom Ort inspiriert: „Tief im Westen“ befinde man sich, so die Anmoderation des Interviews. Wer jedoch ein rhetorisches Feuerwerk à la Herbert Grönemeyer erwartet hatte, wurde schnell eines Besseren belehrt. Steinmeier servierte stattdessen seine altbekannten Kamellen, garniert mit einer ordentlichen Portion Selbstgerechtigkeit.

Fußball-Metaphern und Zuversicht

Die Lage im Land ist alarmierend, die Merz-Regierung taumelt, und die lang angekündigten Reformen lassen zunehmend an ihrer Wirksamkeit zweifeln. Doch Steinmeier, der oberste Optimist der Nation, sieht das alles als halb so wild. „Die Koalition hat gerade die reine Defensive verlassen und ist ins Vorwärtsspiel gekommen“, bemühte er einen verunglückten Fußball-Vergleich, der angesichts der realen politischen Lähmung fast schon unfreiwillig komisch wirkte.