Max Eiselin führte die erste Schweizer Begehung eines Achttausenders an – nun ist der Bergsteiger und Unternehmer 94-jährig verstorben1960 leitete der Luzerner die Dhaulagiri-Erstbegehung im Himalaja. Für den Erfolg seiner Gruppe verzichtete er darauf, selbst den siebthöchsten Gipfel der Welt zu besteigen. Verbittert war er darüber nicht.Stephanie Geiger13.07.2026, 12.01 Uhr4 LeseminutenDer Kopf der ersten Schweizer Achttausender-Begehung: Max Eiselin wusste, wie wichtig die Organisation der Himalajaexpedition ist.Ullstein-Bild Dtl.«Sie waren also droben. Alle miteinander zur gleichen Zeit! Gestern war es, mittags um halb eins indische Zeit!» Max Eiselin notierte in knappen Worten seinen wahr gewordenen Traum. Am 13. Mai 1960 hatte der damals 28-jährige Luzerner die Schweizer Expedition auf den 8167 Meter hohen Dhaulagiri geführt. Unter seiner Leitung standen zum ersten Mal Menschen auf dem siebthöchsten Gipfel der Erde.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Am vergangenen Donnerstag, dem 9. Juli, ist Max Eiselin im Alter von 94 Jahren gestorben, wie seine Familie vor wenigen Tagen auf Facebook bekanntgegeben hat.Sechs Expeditionen scheitertenEiselin wird als Pionier des Bergsports in Erinnerung bleiben. 1954 war er der Erste, der in der Schweiz Bergsportartikel verkaufte; er hat das gleichnamige Bergsportgeschäft gegründet, das bis 2017 mit Filialen in der Schweiz vertreten war. Weltweit wird sein Name mit dem Dhaulagiri verbunden bleiben.Ende der 1950er Jahre war der nepalesische Berg der einzige unbestiegene Achttausender, der für eine westliche Expedition zugänglich war. China hatte die in Tibet liegende Shishapangma für eine chinesische Expedition vorgesehen. Wer in die Geschichtsbücher des Höhenbergsteigens eingehen wollte, musste sich also zum Dhaulagiri aufmachen.Doch der Berg, an dem sechs Expeditionen erfolglos blieben, war ein Wagnis. Eine französische Expedition unter Maurice Herzog zog 1950 weiter, weil ihr der Dhaulagiri als zu schwierig und zu komplex erschien. Den Franzosen gelang wenige Wochen später an der Annapurna die erste Besteigung eines Achttausenders überhaupt. Es folgten sechs weitere Versuche, den Gipfel des Dhaulagiri zu besteigen. Sämtliche scheiterten.Max Eiselin kannte den Berg und seine Schwierigkeiten aus eigener Erfahrung. 1958 war er selbst mit der Schweizer Expedition unter Werner Stäuble, die den fünften Versuch startete, am Dhaulagiri unterwegs. Die Alpinisten versuchten es wie die vorherigen Expeditionen durch die Nordflanke. Den Gipfel erreichten sie nicht.Aufgrund dieser Erfahrung schien der Nordostgrat für Eiselin die Schwachstelle des Berges zu sein. Ein Jahr später startete eine österreichische Expedition einen Versuch an diesem Grat. Doch das Wetter spielte nicht mit.Max Eiselin blieb überzeugt davon, dass die Route auf den Gipfel über den Nordostgrat führen würde. «Einem ‹Biancograt› gleich, mit objektiven Gefahren nur im untersten Bereich, zieht sich die Route als klare Linie zum Gipfel», sagte er einmal und erklärte, dass er nicht verstehen könne, warum vorherige Expeditionen immer wieder erfolglos an der Route durch die Nordflanke festgehalten hätten.Statt auf Träger setzte Eiselin auf einen «Yeti»Eiselin wusste, dass die Organisation bei einer Himalajaexpedition etwas vom Wichtigsten ist: «Kommt dann eine einwandfreie Bergsteigermannschaft dazu, so kann es höchstens noch am Wetter fehlen.» Und so trommelte er die besten Männer zusammen. Obwohl es eine schweizerische Expedition werden sollte, war Eiselin grosszügig bei den Nationalitäten. Er nahm Peter Diener mit, der wenige Jahre zuvor aus Ostdeutschland in die Schweiz gekommen war, den Österreicher Kurt Diemberger und Norman Dyhrenfurth, der schon viele Jahre in den USA lebte.Schon 1958, beim Rückweg vom Dhaulagiri, erinnerte Eiselin sich an die Worte von Bernhard Lauterburg, der 1953 eine Expedition leitete, wonach der Dhaulagiri-Nordost-Col eine riesige, spaltenfreie Schneefläche ist, auf der man ein Gletscherflugzeug einsetzen muss. Und so ging Eiselin bei der Taktik einen neuen, fast schon revolutionären Weg: Für den Lastentransport entschied er sich statt Träger ein Flugzeug einzusetzen.Im Lager II auf dem Nordost-Col: der Expeditionsleiter Max Eiselin und der Dhaulagiri-Verbindungsoffizier Min Bahadur Sherchan.Privatarchiv Max EiselinDie «ewigen Hatscher von An- und Rückmarsch im Himalaja» fand er ziemlich langweilig. Er scheute auch die Lohnforderungen durch die Träger. Ausserdem hatte er erkannt, dass bei einem Notfall mit einem Flugzeug die Zeit zum nächsten Spital von mehreren Tagesmärschen auf wenige Stunden reduziert werden könnte. Die Wahl fiel auf eine Pilatus-Porter PC-6. Eiselin taufte sie «Yeti». Und doch sollte es das Flugzeug sein, das Eiselin den Gipfel kostete.Als Erstbesteiger notiert sind in der Himalayan Database Peter Diener, Kurt Diemberger, Albin Schelbert, Ernst Forrer, Nima Dorje Sherpa, Nawang Dorje Sherpa. Die Expedition war aber doppelt erfolgreich. Wenig später, am 23. Mai 1960, erreichten zudem Hugo Weber und Michel Vaucher den Gipfel. Auch sie gehörten Eiselins Expeditionsteam an. «Herzlich wenig» sei er selbst zum Bergsteigen gekommen, schreibt Eiselin an einer Stelle in seinem Buch über die Expedition. Denn während die anderen sich dem Gipfel näherten, befand er sich noch im Anfangsstadium der Akklimatisierung.Als die Yeti-Maschine mit einem Motorschaden in der Stadt Pokhara auf rund 800 Metern feststeckte, sah es der Expeditionsleiter Eiselin als seine Pflicht, nach dem Rechten zu sehen. In seinem Buch schreibt er: «Seit zwei Wochen hörte ich nun nichts mehr von meinen Kameraden am Berg.» Diese Tage fehlten ihm zur Höhenanpassung.Bei einem Besuch vor wenigen Jahren bedauerte der Expeditionsteilnehmer Peter Diener, dass Max Eiselin es selbst nicht auf den Gipfel geschafft hatte. «Das war tragisch.» Und doch sei Eiselin darüber nicht verbittert gewesen: «Es überwog die Freude, dass die Expedition erfolgreich war», erinnerte Diener sich, der Ende März 2026 gestorben ist.Auch Jahrzehnte später wirkte Eiselin noch immer ein wenig darüber erstaunt, was ihm da 1960 in Nepal gelungen war. Mit seinen «mageren Voraussetzungen auf eigene Faust eine derartige Expedition anzureissen», sei «bestenfalls eine mutige Torheit» gewesen, sagte er einmal. Nach den Erfolgen der Schweizer dauerte es zehn Jahre, bis wieder eine Expedition den Gipfel erreichte. 1970 war eine japanische Expedition erfolgreich – ebenfalls am Nordostgrat. Eiselins Route ist heute längst zum Normalweg geworden.Teilnehmer der ersten Dhaulagiri-Expedition (1958) während eines Demonstrations- und Trainingslagers auf dem Oberen Steingletscher im Berner Oberland. Max Eiselin war damals als Teilnehmer dabei, zwei Jahre später führe er sein Team zum Gipfel.KeystonePassend zum Artikel
Max Eiselin verstorben: Schweizer Pionier der Dhaulagiri-Besteigung
1960 leitete der Luzerner die Dhaulagiri-Erstbegehung im Himalaja. Für den Erfolg seiner Gruppe verzichtete er darauf, selbst den siebthöchsten Gipfel der Welt zu besteigen. Verbittert war er darüber nicht.







