Schweizer Bergsteiger werden vor 70 Jahren am Lhotse und am Everest zu Helden – ihre Tagebücher korrigieren das Bild einer perfekten ExpeditionIm Mai 1956 erreichen Schweizer Seilschaften den Lhotse und den Mount Everest. Erstmals veröffentlichte Aufzeichnungen berichten aber nicht nur von Erfolgen, sondern auch von Konflikten, schweren Erkrankungen und Strapazen.16.05.2026, 05.30 Uhr10 LeseminutenErnst Reiss auf dem Gipfel des Lhotse am 18. Mai 1956.Schweizerische Stiftung für Alpine Forschung«Jetz simmer dobe, Fritz!» Diesen Satz sagt Ernst Reiss, ein 36 Jahre alter Flugzeugmechaniker aus Davos, am Nachmittag des 18. Mai 1956. Reiss steht mit Fritz Luchsinger, einem 35-jährigen Instruktionsoffizier aus Thun, auf dem 8516 Meter hohen Lhotse. Als Erste überhaupt haben sie es auf den vierthöchsten Berg der Welt geschafft. Der Tee in den Thermosflaschen ist längst eingefroren, die beiden essen Traubenzucker, sind überwältigt von der Aussicht, schützen sich, so gut es geht, gegen den eisigen Wind. Sie wissen, dass ihnen ein schwieriger Abstieg bevorsteht. Reiss notiert in sein Tagebuch:Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.«Wir sind Beschenkte! Doch wir bangen um den gähnenden, windgepeitschten Abstieg. Vorsichtig, nur nie stürzen hämmern wir unserem stumpfen Geist stets ein. Kurz vor 16.00 haben wir den einsamen, vierthöchsten Gipfel der Welt verlassen. Dieser Berg zeigte uns seine Waffen, aber er war uns auch gut. Die Uhrzeiger rücken gegen Abend. Wir straucheln manchmal. Der kleine Lagerplatz rückt näher. 18.20, wir stehen müde u. kalt vor dem durch die Schneelast eingedrückten Schlafplatz. (. . .) Der Sauerstoff wird uns guttun. Ich koche Haferschleimsuppe und wärme den Tee. Das wird uns den lästigen Höhenhusten lindern.»Die Schweizer Expedition vollbringt diese Pioniertat vor 70 Jahren. Neben der Erstbesteigung des Lhotse schaffen es zwei weitere Schweizer Seilschaften als zweite und dritte Besteiger auf den Mount Everest. Drei Jahre zuvor hatten der Brite Sir Edmund Hillary und Sherpa Tenzing Norgay erstmals den 8848 Meter hohen Gipfel erreicht.Sherpas tragen Material ins vorgeschobene Basislager, in der Mitte ist die Lhotse-Flanke zu sehen.Schweizerische Stiftung für Alpine ForschungAm Flughafen Zürich werden die Bergsteiger wie Helden empfangenDer Erfolg der Schweizer Expedition findet auf der ganzen Welt Anerkennung; via BBC gratuliert der Erstbesteiger Hillary, der Vorsteher des Militärdepartements, Paul Chaudet, schreibt per Telegramm: «Sie haben mit Ihrem Einsatz einen Sieg errungen, auf den unser Land stolz ist. Er ist ein Markstein in der Geschichte des schweizerischen Alpinismus.» Bei der Rückkehr am Flughafen Zürich empfangen Tausende die Bergsteiger wie Helden. Später veröffentlichte Berichte, unter anderem das Buch «Gipfel über den Wolken» des Expeditionsleiters Albert Eggler, zeichnen ein Heldenepos, das Bild einer perfekten Expedition.Die ganze Wahrheit erzählt dieses Buch nicht. Das geht aus den Tagebüchern der Expeditionsteilnehmer hervor. Sie erzählen von Strapazen und Erkrankungen, Konflikten, einer Palastrevolution sogar.Hans-Rudolf Keusen, 85 Jahre alt, ist Geologe und passionierter Bergsteiger. Er kennt einige der Expeditionsteilnehmer aus dem Akademischen Alpenklub Bern und dem Militärdienst.Nach dem Tod seines Bekannten Hansruedi von Gunten 2021, der vor 70 Jahren als Dritter auf dem Everest stand, fand Keusen dessen Tagebuch. Er recherchierte weiter, stiess im Archiv der Schweizerischen Stiftung für Alpine Forschung (SSAF) und im Alpinen Museum auf die Tagebücher weiterer Expeditionsteilnehmer. Keusen sagt: «Diese Berichte zeigen auch die Nebengeräusche innerhalb der Bergsteigergruppe.» Aus diesen Aufzeichnungen entstand das soeben erschienene Buch «Everest-Lhotse», das Keusen mit zwei Mitautorinnen und einem Mitautor geschrieben hat.Der Expeditionsleiter Eggler schreibt die Gipfelerfolge in sein Notizbuch.Schweizerische Stiftung für Alpine ForschungVertraglich verpflichtet zum TagebuchschreibenNach dem Zweiten Weltkrieg streben vor allem Seilschaften aus der Schweiz und Grossbritannien die Erstbesteigung des Mount Everest an. Nepal, das damals wie heute die Gipfel-Permits vergibt, lässt pro Jahr aber nur eine Expedition aus einem Land zu. 1952 erreichen Schweizer Bergsteiger den Südsattel des Everest, im Jahr darauf folgt die Erstbesteigung durch Hillary und Norgay, die danach sagen, ohne die Vorarbeiten zur Routenwahl der Schweizer im Jahr zuvor hätten sie den Gipfel niemals erreicht.Bereits im Jahr darauf plant die SSAF eine nächste Expedition an den Everest. Sie kontaktiert Reiss, der schon 1952 auf dem Südsattel dabei war. Schliesslich schliesst die Stiftung mit elf Expeditionsteilnehmern, unter ihnen Juristen, Chemiker, ein Glaziologe und ein Arzt, einen Vertrag für die Ausrichtung einer Himalaja-Expedition im Frühjahr 1956. Der Kontrakt regelt jedes Detail. Darin verpflichtet sich jeder Bergsteiger zur Zahlung von 5000 Franken, à fonds perdu, die restlichen Kosten trägt die Stiftung. Ausserdem ist festgelegt:«Jeder Teilnehmer verpflichtet sich, ein Tagebuch zu führen und es nach Rückkehr der Stiftung zur Verfügung zu stellen. Der Expeditionsleiter erstattet der Stiftung alle zehn Tage einen ausführlichen Bericht (. . .) Diese Berichte werden streng vertraulich behandelt, und es ist dafür zu sorgen, dass diese Berichte nicht in die Hände von Drittpersonen gelangen, und dass keine Auskunft über ihren Inhalt erteilt wird.»Mit Regenschirmen schützen sich die Schweizer Bergsteiger gegen die sengende Sonne auf dem Weg in den Himalaja.Schweizerische Stiftung für Alpine ForschungCurling-Spiele bis in die NachtZum Expeditionsleiter wählt die Stiftung Albert Eggler, einen Juristen und Alpin-Offizier in der Schweizer Armee, damals 43 Jahre alt. Ende Januar 1956 reist die erste Gruppe Bergsteiger per Zug nach Genua, von dort geht es weiter per Schiff via Neapel, Port Said, Aden bis nach Bombay (heute Mumbai). Luchsinger notiert auf dem Dampfer «Asia», bald beginne ein hartes Training auf dem Schiff, und berichtet dann von einem «Curling-Spiel, das bis in die Nacht dauerte». Er schreibt nach dem Abschied:«Die Worte meiner Mutter werde ich nicht vergessen: ‹Ziehe aus in ein neues Land, Schritt für Schritt in Gottes Hand.›»Anfang März beginnt für den Grossteil der Gruppe der Marsch ins Basislager des Everest. Der Expeditionsleiter Eggler hingegen bleibt in Kathmandu – und verfolgt noch ein weiteres Ziel. Ursprünglich prüfte die SSAF eine Doppelbesteigung von Everest und Lhotse. Die Gipfel liegen nebeneinander, sind beide via Südsattel des Everest erreichbar. Weil die nepalesische Regierung die Bewilligung für nur einen Gipfel erteilte, entscheidet sich die Stiftung für den Everest.«Soll Franken 25 000 in Schweizernoten bringen»Der Expeditionsleiter Eggler versucht in Kathmandu aber auf eigene Faust, ein Permit für Everest und Lhotse zu bekommen. Der Triumph der Erstbesteigung liegt in Reichweite. Eggler schreibt Anfang März an die Stiftung:«Der Prime Minister hat mich gestern mit allem Nachdruck darauf hingewiesen, dass Nepal an fremden Devisen interessiert ist, um Maschinen und Einrichtungen anschaffen zu können. Es war dies seine Antwort auf unser Gesuch (. . .) um Bewilligung des Everest und des Lhotse. Erst als wir zusagten, unser Möglichstes zu tun und seinen Wunsch sofort telegraphisch weiterzuleiten, wurden uns die nachgesuchten Bewilligungen erteilt. Mein Telegramm lautete: ‹Besuchte Ministerpräsident. Grimm (ein später anreisendes Expeditionsmitglied, die Red.) soll Franken 25 000 in Schweizernoten bringen. Nur tausend Rupien.›»Eggler verhandelt geschickt, erhält von der Regierung – gegen die Zahlung von 25 000 Franken – die Bewilligung für den Lhotse. Doch die Aktion sorgt für Verstimmungen. Grund dafür ist die komplizierte Kommunikation zwischen Nepal und der Schweiz.Bilder Schweizerische Stiftung für Alpine ForschungBild links: Sisyphosarbeit im Gletscher: Fritz Luchsinger sucht eine Route durch den Khumbu-Eisfall. Bild rechts: Sieben Tonnen Material schleppen Träger ins Basislager – unter anderem Flaschensauerstoff.Eine Pressemeldung sorgt für KonflikteIn der NZZ vom 2. März 1956 steht: «Die Schweizer haben die Absicht, den 8500 Meter hohen Lhotse zu erobern, falls der Versuch, den Everest-Gipfel zu besteigen, wegen schlechten Wetters fehlschlagen sollte. Der Lhotse ist der höchste bisher unbestiegene Gipfel der Welt.» Die Oberen der Stiftung in Zürich erfahren aus der Presse von Egglers Verhandlungen und reagieren verstimmt. Der Gründer und der Sekretär der Stiftung telegrafieren nach Nepal:«Ihre Presseerklärung in Kathmandu hat die Ziele der Expedition in ihr Gegenteil verkehrt und verstösst gegen die finanziellen Verpflichtungen stop. Ihre Massnahmen widersprechen dem Vertrag stop. Stiftung missbilligt entschieden stop. Bestätigt sofort die Zustimmung, den Lhotse nicht zu versuchen, bis der Everest erfolgreich bestiegen oder überschritten ist, oder den Angriff wegen Misserfolgs mehrerer Versuche abzubrechen stop. Weitere Konsequenzen werden in Betracht gezogen, wenn nicht sofort eine zufriedenstellende Lösung erreicht wird.»Eggler ist überrascht von der harschen Reaktion und antwortet:«Da ich den Presseleuten in Kathmandu erklärt habe, wir werden uns möglichst weit oben, je nach den Wetter- und Schneeverhältnissen und je nach unseren Kräften entscheiden, ob wir zuerst den Everest oder Lhotse versuchen sollen, aber die Publikationen nicht mehr gesehen habe, ist mir Ihre Anfrage und insbesondere auch deren Ton unverständlich.»Bleibt Eggler stur, bekommt er keinen SauerstoffTrotz Egglers Besänftigungen hat die Episode das Potenzial, die Expedition zum Scheitern zu bringen. Sie führt zu dem Versuch, Eggler als Leiter abzusetzen. Der Bergsteiger Hans Grimm reist erst am 5. März mit Jürg Marmet per Flugzeug nach Delhi und hat wohl noch in der Schweiz von der Verstimmung der Stiftung erfahren. Am 9. März schreibt er aus Indien einen Brief an die Stiftung:«Ich werde mich mit aller Energie dafür einsetzen, Eggler umzustimmen und zu überzeugen, dass unbedingt zuerst der Everest zu besteigen ist und dann erst, wenn es noch geht, der Lhotse. Wenn trotzdem jede Überzeugungskunst fehlschlagen sollte, so wird von uns beiden für den Plan Eggler kein Sauerstoff zur Verfügung gestellt und ich sähe mich genötigt, Eggler mitzuteilen, dass die Stiftung für diesen Fall mich zum Expeditionsleiter bestimmt hat.»Gleich zu Beginn, fernab des Himalaja, brechen bereits Konflikte aus. Der Mitautor Keusen weiss nicht, ob Eggler je von diesem Schreiben erfahren hat. Er leistete mit dem Expeditionsleiter später Dienst in der Lawinenkompanie der Schweizer Armee. Er sagt: «So wie ich ihn kennengelernt habe, kann ich mir vorstellen, dass er die Expedition über alles gestellt hätte.» Die Konfliktparteien entscheiden schliesslich pragmatisch, blenden den Versuch einer Palastrevolution aus. Der Gründer der Stiftung sendet die besten Wünsche für die Besteigung, die Expedition geht weiter. Das nächste Problem folgt jedoch sogleich.Bilder Schweizerische Stiftung für Alpine ForschungBild links: Reiss überquert während des Anmarsches zum Basislager einen Fluss, Luchsinger (unten) nimmt ein Bad. Bild rechts: Ohne die Unterstützung von Sherpas wäre die Expedition kaum denkbar gewesen.«Wie Gewitter durchziehen die Schmerzen den ganzen Unterleib»Im März und April marschieren die Bergsteiger zu Fuss zum Basislager. In ihren Tagebüchern beschreiben sie die Ochsen, welche das Material ins Gebirge schleppen, die Dörfer mit Strohbauten, die alle so «sauber und geordnet» aussehen. Die Bergsteiger berichten von der Hitze bis 40 Grad, von staubigen schlechten Wegen. Bis Fritz Luchsinger, der spätere Erstbesteiger des Lhotse, am 20. März in sein Tagebuch schreibt:«Eine leicht unruhige Nacht liegt hinter mir. Durchfall hat mich einige Male herausgelockt.»Je länger der Anmarsch dauert, desto schlechter fühlt sich Luchsinger. Ein Sherpa trägt ihm den Rucksack, immer wieder muss er sich ausruhen. «Ich schäme mich, dass ich so kläglich auf der Strecke bleibe», notiert Luchsinger. Schliesslich erreicht er entkräftet das Kloster Thyangboche auf 4000 Metern über Meer. Luchsinger führt trotz seinem Zustand noch Tagebuch:«Die Kolik bricht aus. Ich krümme mich vor Schmerzen. (. . .) Wie Gewitter durchziehen die Schmerzen den ganzen Unterleib, Donner u. Blitz folgen einander. Das ist der Anfang einer schweren Krankheit, die sogar dem Arzt Kummer u. Sorgen bereitet.»Es droht eine Notoperation in einem KlosterDer erst 28-jährige Expeditionsarzt Eduard Leuthold diagnostiziert eine Blinddarmentzündung, eine potenziell lebensgefährliche Erkrankung, vor allem in der Abgeschiedenheit des Himalajas. Leuthold erwägt eine Operation, obwohl wichtige Betäubungsmittel und Instrumente fehlen. Der Stiftung schreibt er per Brief einen detaillierten Befund über Luchsingers Zustand, während der Bergsteiger Hansruedi von Gunten am 25. März in sein Tagebuch notiert:«Wir improvisieren in einem uns zur Verfügung gestellten Häuschen des Klosters einen Operationssaal, wobei uns eine unserer Leitern als Schragen guten Dienst leistet. Es folgen aufregende strenge Stunden für unseren jungen Arzt. Gerade der gefürchtete Fall ist nun eingetreten.»Der Arzt Leuthold verzichtet vorerst auf eine Operation, behandelt den Patienten mit Antibiotika. Währenddessen telegrafiert Eggler an die Stiftung, erwägt eine Rettung per Flugzeug. Die Stiftung antwortet, es würden bald Medikamente per Fallschirm abgeworfen. Doch auf wundersame Weise bessert sich Luchsingers Zustand, die Antibiotikatherapie des Arztes schlägt an. Der Patient schreibt:«Ich mache mir Gedanken, wird es mir überhaupt noch möglich sein, wesentlich an der Arbeit am Berg mitzuhelfen oder nicht. Zugegeben, zuerst kommt die Gesundheit, aber trotzdem brennt es mich an den Berg zu gehen.»Für den Autor Keusen sind die Aufzeichnungen Luchsingers besonders interessant. Während der Expedition machte er stetig Notizen. «Nach der Rückkehr in die Schweiz hat er daraus ein Tagebuch verfasst und alle kritischen Sachen herausgestrichen. Die Wahrheit verbirgt sich in seinem Notizbuch.»Einige Teilnehmer der Expedition auf dem Rückmarsch nach Kathmandu.Schweizerische Stiftung für Alpine ForschungEistürme im Khumbu-Eisbruch sprengen die Schweizer wegMitte April erreicht die Schweizer Expedition das Basislager, macht sich daran, einen Weg durch den Khumbu-Eisbruch zu finden. Sieben Tonnen Material bringen sie an den Berg, darunter auch Sprengstoff. Damit sollen Eistürme, sogenannte Séracs, aus dem Weg geräumt werden. Luchsinger, der Instruktionsoffizier aus Thun, schreibt:«Ein gewaltiger Eisblock muss beseitigt werden. 3 Ladungen sind nötig, bis die rund 500 m3 am Boden liegen (1 kg, 400 g, 1 kg). Die vielen Gänge beim Sprengen bringen mich aus dem Rhythmus.»Nach wochenlanger Akklimatisierung und dem Erkunden der Route gelingt Luchsinger und Reiss zunächst die Erstbesteigung des Lhotse. Bis zur nächsten Besteigung dieses Berges werden 21 Jahre vergehen. Fünf Tage später schaffen es Marmet und Ernst Schmied als Zweite auf den Everest, am Tag darauf, dem 24. Mai, stehen auch von Gunten und Dölf Reist auf dem höchsten Berg der Welt. Danach untersagt der Expeditionsleiter Eggler weitere Besteigungen, der Monsun verhindert weitere Gipfelstürme.Marmet schreibt einen mehrseitigen Bericht über die Besteigung des Everest. Auf 8400 Metern über Meer auf dem Südsattel richten er und Schmied das letzte Lager ein. Er schreibt:«Wir verkriechen uns in voller Ausrüstung – Berghosen und Pullover, Daunenhosen und Daunenjacken, Windanzug und Fellstiefel – in die Schlafsäcke, ziehen den Biwaksack rasch über uns bis an den Hals und kontrollieren die Sauerstoffapparate. Nach Möglichkeit atmen wir Sauerstoff auch in Ruhe, da wir wissen, dass uns das Gas Wärme bringt, die wir hier oben bitter nötig haben.»Zum Abendessen gibt es Kaffee, Thunfisch aus der Dose und Trockenbrot. Die beiden unterhalten sich über das Bergsteigen in der Schweiz, reden über Jugenderinnerungen. Das Frühstück fällt aus, die Vorräte sind eingeschneit, die Zeit zum Ausgraben fehlt. Marmet schreibt:«Wir sagen uns, dass wir in unserem Leben noch oft frühstücken können, der Gipfel des Everest aber ein Frühstück wert ist.»Der Expeditionsleiter Eggler wird keinen Gipfel erreichen, obwohl er sich ursprünglich in einer Seilschaft eingeteilt hatte. Dieses Vorhaben scheitert am Widerstand anderer Bergsteiger. Ein weiterer Konflikt, der erst durch die Veröffentlichung der Tagebücher ans Licht gekommen ist.Die beiden Gipfelziele: Hinten links ist der Mount Everest zu sehen, rechts der Lhotse – in der Mitte der Khumbu-Eisfall.Schweizerische Stiftung für Alpine ForschungPassend zum Artikel
Himalaja: Vor 70 Jahren erreichen Schweizer Bergsteiger Lhotse und Mount Everest
Im Mai 1956 erreichen Schweizer Seilschaften den Lhotse und den Mount Everest. Erstmals veröffentlichte Aufzeichnungen berichten aber nicht nur von Erfolgen, sondern auch von Konflikten, schweren Erkrankungen und Strapazen.









