Die Filmbranche ist in Aufruhr: Die Filmförderung des Bundes soll, so der Haushaltsentwurf der Bundesregierung, 2027 um 20 Prozent von 250 Millionen Euro auf 200 Millionen gesenkt werden. „Nach dem Aufbruchssignal kommt jetzt der Sparhammer“, sagte Achim Rohnke, Chef des Verbandes Technischer Betriebe Film & Fernsehen (VTFF), verbittert.Diese Form der Politik sei das Gegenteil einer zukunftsfesten Rahmensetzung, die Vertrauen und Investitionsbereitschaft in den Produktionsstandort Deutschland schaffe. Sie erzeuge Frust und Verunsicherung in der Film- und Fernsehindustrie, vor allem aber bei den technisch-kreativen Dienstleistern, die dringend auf mehr Aufträge und höhere Auslastung angewiesen seien, kritisierte Rohnke. Für Michelle Müntefering, Geschäftsführerin der Produktionsallianz, die zu ihrem Amtsantritt vor einem Jahr die in Aussicht gestellte Aufstockung der Alimentierung bejubeln konnte, fehlen nun „Planbarkeit und Verlässlichkeit“. Die deutliche Kürzung dämpfe den Aufbruch erheblich, den die Branche so dringend benötigte, sagte die ehemalige SPD-Politikerin.„Eine neue Stufe im internationalen Standortwettbewerb“Vor zwölf Monaten beschlossen Kultur- und Medienstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD), die Fördermittel für den Deutschen Filmförderfonds (DFFF) und den German Motion Picture Fund (GMPF) von 130 Millionen Euro auf 250 Millionen nahezu zu verdoppeln. Das ursprünglich geplante Steueranreizmodell scheiterte vor allem am Widerstand mehrerer Bundesländer. Die Aufstockung sollte von 2026 an für mindestens drei Jahre gelten.Allerdings knüpfte das Finanzministerium daran die Bedingung, dass private und öffentliche Streamer per Gesetz gezwungen werden, mehr in Deutschland zu investieren. Nach langem Zögern, zunehmendem Druck und filmreifen Untergangsszenarien der Branche, stimmte Wolfram Weimer dem schließlich zu. Damit konnte der Bundesfinanzminister Lars Klingbeil noch am 27. Mai dieses Jahres verkünden, dass die Arbeit unabhängiger Produzenten gefördert und die Rahmenbedingungen für die deutsche und europäische Filmbranche verbessert würden. „Mit dem heutigen Kabinettsbeschluss zünden wir für den deutschen Film eine neue Stufe im internationalen Standortwettbewerb“, sagte Wolfram Weimer.Trotz Niederlage optimistisch„Wir haben über Parteigrenzen hinweg entschieden, mit dem Filmbooster so viel Geld in die heimische Filmbranche zu geben wie nie zuvor“, so der Staatsminister nach der Kabinettssitzung. „250 Millionen Euro stellt der Bund nun jedes Jahr für die wirtschaftliche Filmförderung bereit. Zusammen mit den Mitteln der jurybasierten kulturellen Filmförderung und der Filmförderungsanstalt stehen damit jährlich mehr als 300 Millionen Euro für Filmproduktionen zur Verfügung“, feierte das Bundespresseamt den Erfolg.Doch wenige Tage nachdem das Junktim zwischen dem Anstieg der Filmförderung und der Investitionsverpflichtung hergestellt war und Weimer von seinen ursprünglich geplanten freiwilligen Leistungen der Streamer abgerückt war, wollte das Bundesfinanzministerium von der Vereinbarung nichts mehr wissen und kündigte sie auf. Trotz dieser Niederlage gibt man sich in Weimers Umfeld noch immer optimistisch: „Zusammen mit den strukturell verbesserten Rahmenbedingungen aus der Filmförderreform ist Deutschland hervorragend gewappnet, um die Infrastruktur seines Filmschaffens zu sichern und zu neuer Standortstärke zu kommen“, so sein Sprecher.Kein Geld für das Zukunftsprogramm KinoAnja Weisgerber, stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, sieht die künftige Förderung des Bundes deutlich pessimistischer und deutet auf weitere Kürzungen hin. „Der vorliegende Entwurf ist zunächst unsere Beratungsgrundlage. Wenngleich wir kaum Spielraum sehen, im parlamentarischen Raum weitere Erhöhungen zu erreichen, gibt es seitens der CDU/CSU-Bundestagsfraktion den klaren politischen Willen, diese Summe in den nächsten Jahren zu halten“, sagte sie der F.A.Z. „Auch die Kinos dürfen dabei nun nicht durchs Raster fallen.“Doch danach sieht es jetzt aus, denn für das Zukunftsprogramm Kino ist im Haushaltsentwurf kein Geld eingeplant. Weisgerber, die den Kompromiss zu den Investitionsverpflichtungen mit ausgehandelt hatte, setzt nun anscheinend vor allem auf diese Zwangsleistungen: „Abgesehen von der wirtschaftlichen Filmförderung sind wir zuversichtlich, dass die Investitionsverpflichtung einen zusätzlichen und spürbaren neuen Schub für die Branche bringen wird.“ Damit sollen wohl die Streamingplattformen für den Wortbruch des Bundesfinanzministeriums haften.
Bundesregierung kürzt Filmförderung von 250 auf 200 Millionen Euro
Kaum hat die Bundesregierung die Filmförderung auf 250 Millionen Euro pro Jahr erhöht, wird sie um ein Fünftel gekürzt. Was fehlt, soll über die Investitionsverpflichtung für Streamer hereinkommen.









