Zweimal in der deutschen Hauptstadt gecancelt – ein Schock für den Bestsellerautor Tuvia Tenenbom. Erst der dritte Versuch, sein neues Buch dem Berliner Publikum vorzustellen, gelang. Am Donnerstagabend, hinter Absperrgittern und Polizeischutz, fand die Veranstaltung unter dem Dach der Neuen Synagoge statt. Der Saal war mit über 200 Besuchern mehr als ausverkauft, einige standen vor der rückwärtigen Wand.

Umso beschämender ist, dass ein jüdischer Autor, der nicht lautstark gegen Israel und die israelische Regierung „Haltung“ demonstriert, in Berlin außerhalb der Synagoge offenbar keine Bühne mehr findet. Und es beschämt, mit welch billiger Arroganz das kommuniziert wird. Tenenboms im Rahmen der Reihe „Literatur LIVE“ am 9. Juni im Pfefferberg-Theater geplante Buchpräsentation wurde mehr als drei Wochen vor der Veranstaltung abgesagt – angeblich seien „nicht einmal zehn Karten“ verkauft worden. Man suchte nicht einmal nach einer glaubwürdigeren Ausrede. Die Berliner Zeitung berichtete als erste.

Nicht minder beschämend war die Reaktion des Suhrkamp-Verlags als Organisator. Einer seiner erfolgreichsten Autoren wird in Berlin gecancelt. Achselzucken. Man kuscht, hat Angst. Quer durch das links-progressive Kulturmilieu schillert der Israel- und Judenhass in all seinen Fehlfarben. Sigmount A. Königsberg, der Berliner Gemeindebeauftragte gegen Antisemitismus, nahm als Vorredner am Donnerstag kein Blatt vor den Mund.