Vor drei Jahren prägte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen den Begriff des „De-Risking“. Gemeint war damals vor allem China: Europa sollte wirtschaftliche Abhängigkeiten reduzieren, Lieferketten diversifizieren und sich gegen politischen Druck aus Peking widerstandsfähiger machen. Heute habe sich die geopolitische Debatte auf bemerkenswerte Weise verschoben und der Begriff des De-Risking werde ausgerechnet auf die Vereinigten Staaten angewandt, stellt Jon Finer in einem als Gastbeitrag gekennzeichneten Meinungsstück in der New York Times fest. Jon Finer war in der Regierung des US-Präsidenten Joe Biden bis 2025 Erster Stellvertretender Nationaler Sicherheitsberater.
Finer erkennt einen fundamentalen Wandel der internationalen Ordnung, eine nahezu weltweite Großstrategie, bei der sich Länder von der mächtigsten Nation der Welt distanzieren. Finers These: Immer mehr Verbündete der USA versuchten, ihre Abhängigkeit von Washington zu verringern – in Asien und im Nahen Osten, aber eben vor allem auch in Europa.
Wörtlich heißt es: „Während sie öffentlich versuchen, einen rachsüchtigen amerikanischen Präsidenten zu besänftigen, arbeiten Politiker in ganz Europa hinter den Kulissen daran, ihre jahrzehntelange Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten zu verringern, indem sie ihre eigenen Verteidigungs-, Energie- und Technologieindustrien ausbauen und ihre Beziehungen zu anderen Nationen diversifizieren. Diese Dynamik zeigte sich letzte Woche auf dem Nato-Gipfel in Ankara, Türkei, wo Präsident Trump seine Drohungen gegen die US-Verbündeten Dänemark und Spanien erneuerte.“







