Kämpfe zwischen Amerika und Iran um Hormuz: im Nahen Osten nichts NeuesAuch am Wochenende gab es am Golf wieder heftige Gefechte. Die USA bombardierten Ziele in Iran. Teheran schloss erneut die Strasse von Hormuz. Besonders die Golfstaaten leiden unter dem nicht enden wollenden Konflikt.12.07.2026, 15.55 Uhr4 LeseminutenSchiffe in der Strasse von Hormuz. Seit Samstag ist die Wasserstrasse wieder geschlossen.Stringer / REUTERSFast zwanzig Jahre lang hatte Hamad bin Khalifa al-Thani über Katar geherrscht. Unter seiner Führung wurde aus dem verschlafenen Mini-Emirat am Golf eine fast schon globale Macht, die Erdgas in alle Welt exportiert, mit al-Jazeera den wichtigsten Fernsehsender des Nahen Ostens betreibt und vor vier Jahren sogar die Fussball-Weltmeisterschaft ausrichtete.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Nun ist der seit 2013 im Ruhestand weilende ehemalige Emir in der Nacht auf Sonntag verstorben. Katar rief daraufhin eine viertägige Staatstrauer aus. In Doha hängen die Fahnen auf halbmast. Der Hof des Emirs Tamim bin Hamad al-Thani, Sohn und Nachfolger des Verstorbenen, bezeichnete den Tod als grossen Verlust für die ganze Nation.Drohnen und Raketen aus IranDoch die Trauerfeierlichkeiten können nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Lebenswerk des verstorbenen Fürsten zurzeit auf der Kippe steht. Katar, das steinreiche, hochmoderne und scheinbar so sichere Gas-Emirat am Golf, das Fussballklubs besitzt und in Kriegen und Krisen in aller Welt vermittelt, steht wieder einmal unter Beschuss.Am Wochenende waren nach längerer Zeit wieder Drohnen und Raketen aus dem benachbarten Iran auf das kleine Land niedergegangen. Zwar gelang es der katarischen Flugabwehr, die Geschosse allesamt abzufangen. Dennoch wies die Regierung in Doha sämtliche Schiffseigner an, das Befahren der Gewässer rund um den Wüstenstaat vorerst zu unterlassen.Die Eskalation ist eine Folge des nicht enden wollenden Krieges zwischen Amerika und Iran, in den die Golfstaaten seit Monaten immer wieder hineingezogen werden. Zuletzt hatten sich Teheran und Washington – welches den Waffengang gemeinsam mit Israel im März vom Zaun gebrochen hatte – zwar auf eine Absichtserklärung geeinigt, die den Weg zu einem Friedensabkommen ebnen sollte.Doch knapp drei Wochen nach der feierlichen Beschlusszeremonie auf dem innerschweizerischen Bürgenstock ist von dem angeblichen Waffenstillstand nur noch wenig übriggeblieben. In den letzten Tagen begaben sich die beiden Erzfeinde erneut auf den Kriegspfad – und beschiessen sich inzwischen gegenseitig wieder aufs Heftigste.Verhandeln mit anderen MittelnGrund für den neuen Streit ist die Strasse von Hormuz. Der für die Weltwirtschaft wichtige Wasserweg zwischen Oman und Iran wurde von Teherans Revolutionswächtern infolge des Krieges geschlossen. Seither gelingt es den Amerikanern trotz dem Einsatz von Zuckerbrot und Peitsche nicht, die Iraner davon zu überzeugen, die Strasse für den Verkehr wieder freizugeben.Denn diese betrachten den Wasserweg inzwischen als ideales Faustpfand und wollen in Zukunft eine Maut für die Durchfahrt verlangen. Weil dies für die Amerikaner inakzeptabel ist, kam es nach Wochen der trügerischen Ruhe zuletzt wieder zu Gefechten. Allein in der Nacht auf Sonntag bombardierten die Amerikaner rund 140 Ziele in Iran. Man werde nicht aufhören, ehe der Wasserweg frei sei, hiess es aus Washington.Teheran schlug zurück, indem es Schiffe angriff, die versuchten, die Strasse von Hormuz entlang der omanischen Küste ohne iranische Erlaubnis zu durchqueren. Die Strasse sei jetzt offiziell wieder geschlossen, verkündeten die Iraner am Samstag. Zudem schossen sie Raketen und Drohnen auf Kuwait, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und sogar auf Jordanien ab. In all diesen Ländern gibt es US-Militärstützpunkte.Dass der gegenseitige heftige Beschuss erneut in einen offenen Krieg mündet, ist trotz der verzwickten Lage eher unwahrscheinlich. Weder Präsident Donald Trump, der in der Heimat mit fallenden Beliebtheitswerten zu kämpfen hat, noch die Führung in Teheran finden derzeit einen Weg, den Stillstand militärisch zu durchbrechen. Stattdessen wirkt der gegenseitige Beschuss wie eine Art Verhandlung mit anderen Mitteln.Die Trumpfkarte Hormuz nützt sich abDie Iraner laufen jedoch Gefahr, den Bogen zu überspannen. In Teheran, wo letzte Woche der zu Beginn des Krieges getötete ehemalige Revolutionsführer Ayatollah Ali Khamenei mit gewaltigem Pomp beigesetzt wurde, toben hinter den Kulissen heftige Diadochenkämpfe. Der neue Führer, Khameneis Sohn Mojtaba, war bisher nicht zu sehen. Stattdessen ringen Politiker und Militärs um Einfluss.Entsprechend will jede Partei bei den internen Machtkämpfen punkten, indem sie sich nach aussen hin hart zeigt. Auch deshalb fällt es Teheran schwer, Kompromisse einzugehen. Dabei wären die Amerikaner sogar bereit, für einen Atomdeal und die Öffnung von Hormuz die Sanktionen gegen das heruntergewirtschaftete Land fallen zu lassen. Doch Teheran traut den Amerikanern nicht – und setzt lieber auf demonstrative Härte.Die Trumpfkarte Hormuz nützt sich mit jeder Schliessung der Wasserstrasse allerdings immer mehr ab. Sollte sich die Meerenge langfristig als unbefahrbar erweisen, werden die Waren und Rohstoffe notgedrungen auf neuen Wegen transportiert. Doch während Europa sein Gas und Öl in Zukunft vermehrt aus anderen Regionen oder über neu zu bauende Pipelines beziehen könnte, hinterlässt der Krieg am Golf schon jetzt tiefe Spuren.Orte wie die Handelsstadt Dubai oder das von Gas-Export abhängige Katar sind die Leidtragenden. Auch wenn die derzeitigen Scharmützel aufhören und Amerikaner und Iraner wieder an den Verhandlungstisch finden sollten: Die Zeiten, in denen die reichen Glitzerstädte am Golf als sicheres Zukunftsmodell jenseits von Kriegen und Krisen galten, sind mit dem Krieg wohl vorbei. Hamad bin Khalifas Nachfolger stehen daher schwierige Zeiten bevor.Passend zum Artikel
Nicht enden wollender Konflikt: Iran schließt erneut Straße von Hormuz
Auch am Wochenende gab es am Golf wieder heftige Gefechte. Die USA bombardierten Ziele in Iran. Teheran schloss erneut die Strasse von Hormuz. Besonders die Golfstaaten leiden unter dem nicht enden wollenden Konflikt.













