PfadnavigationHomePolitikAuslandEskalation im Nahen OstenIran beschießt Schiff, Straße von Hormus gesperrt – neue Angriffe von den USA und TeheranStand: 06:43 UhrLesedauer: 5 MinutenHandelsschiffe liegen in der Straße von Hormus (Archivbild)Quelle: Wen Xinnian/Xinhua/dpaNeue Eskalation im Nahen Osten: Die Straße Hormus ist geschlossen, melden die iranischen Revolutionsgarden. Ein Schiff ist beschossen und gestoppt worden. Das US-Militär reagiert unmittelbar. Der Iran greift US-Stützpunkte an.Die iranischen Revolutionsgarden haben am Sonntag die Sperrung der für den Welthandel wichtigen Straße von Hormus verkündet und mit einer entschiedenen Antwort auf jede militärische Reaktion gedroht. Ein Schiff, das die Sicherheit im Seeverkehr gefährdet habe, sei von Warnschüssen getroffen und gestoppt worden, teilten die Revolutionsgarden laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna mit. Laut der britischen Seefahrtsbehörde UKMTO sei es neun Seemeilen östlich von Oman zu dem Vorfall gekommen. Das Containerschiff sei am Heck beschädigt worden, was zu einem Feuer an Bord geführt habe, hieß es unter Berufung auf Militärbehörden. Die Revolutionsgarden teilten mit, Schiffe hätten zuvor versucht, eine nicht genehmigte Route zu befahren und Aufforderungen ignoriert, ihre Route zu korrigieren. Die Meerenge sei „bis auf Weiteres“ und bis zum „Ende der US-Einmischung in dieser Region“ geschlossen. Die Durchfahrt sei verboten. Aggressionen gegen den Iran „werden auf eine scharfe Reaktion stoßen, und neue feindliche Stützpunkte in der Region werden ins Visier genommen“, hieß es in einer Erklärung der Revolutionsgarden weiter. Lesen Sie auchDas US-Militär reagierte unmittelbar mit neuen Angriffen auf den Iran. „Ein ziviles Besatzungsmitglied wird vermisst und das Schiff kann die Fahrt wegen eines Feuers an Bord und erheblicher Schäden im Maschinenraum nicht fortsetzen“, teilte das US-Zentralkommando auf X mit. Das Schiff würde unter der Flagge Zyperns fahren. Die Besatzung hat das Schiff mittlerweile verlassen. Die Seeleute seien in einem Rettungsboot, teilte UKMTO mit. Lesen Sie auchDie Angriffe erfolgten auf Anweisung von US-Präsident Donald Trump, hieß es vom US-Zentralkommando weiter. Der Iran habe mit dem Angriff auf das Schiff eine weitere Gelegenheit verpasst, sich an das Mitte Juni mit den USA ausgehandelte Rahmenabkommen zu halten, hieß es in der Mitteilung von Centcom weiter. Teheran habe versagt. Es handelt sich laut Centcom bereits um die dritte Angriffswelle der USA gegen den Iran in dieser Woche. Der US-Verteidigungsminister Pete Hegseth schrieb bei X: „Iran hat eine schlechte Wahl getroffen. Jetzt bezahlen sie dafür.“Das Militär habe bei den Angriffen rund 140 militärische Ziele getroffen, teilte das US-Zentralkommando mit. Zu den Zielen gehörten demnach Raketen- und Drohnenstellungen, Marineeinrichtungen, Munitionslager, Kommunikationsnetze und Küstenüberwachungsanlagen. Insgesamt habe Centcom während der drei Angriffswellen binnen einer Woche mehr als 300 Ziele getroffen. Damit solle die Fähigkeit des Iran geschwächt werden, zivile Seeleute und Handelsschiffe anzugreifen, die die Straße von Hormus durchquerten. Die Durchfahrt von Handelsschiffen durch diesen wichtigen internationalen Seeweg werde fortgesetzt, hieß es weiter. Iranische Medien wie der englischsprachige Sender Press TV berichteten über Explosionen in der Hafenstadt Buschehr und anderen Orten im Süden des Landes entlang des Persischen Golfs.Später wurden die Vereinigten Arabischen Emirate nach eigenen Angaben mit Raketen angegriffen worden. Die Luftabwehr sei im Einsatz, erklärte das Verteidigungsministerium der Emirate. In Bahrain ertönte Luftalarm. In Katars Hauptstadt Doha waren Explosionen zu hören, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Das Innenministerium von Katar teilte bei X mit, die Sicherheitslage sei ernst. Die Einwohner sollten zu Hause bleiben, nicht nach draußen gehen und sich von Fenstern und offenen Flächen fernhalten. Die Länder gelten als verbündet mit den USA. Die iranischen Revolutionsgarden haben sich mittlerweile zu den Angriffen auf US-Militärbasen in den Golfstaaten und Jordanien bekannt. Die Luftstreitkräfte hätten in einer ersten Phase „wichtige militärische Infrastruktur und Anlagen“ auf dem Luftwaffenstützpunkt Prince Hassan Air Base in Jordanien angegriffen, teilten die Revolutionsgarden auf Telegram mit. Die Revolutionsgarden behaupteten, mit mehreren ballistischen Raketen ein Kommando- und Kontrollzentrum sowie Hangars für MQ-9-Drohnen zerstört zu haben. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig prüfen. Den US-Luftwaffenstützpunkt Al Udeid in Katar sei mit ballistischen Raketen angegriffen worden. Dabei seien das Wartungszentrum für Kampfjets sowie die Kommandozentrale zerstört worden. Außerdem sei nach eigenen Angaben ein zweites Schiff in der Straße von Hormus außer Gefecht gesetzt worden.Als Grund für die Vergeltungsschläge nannten die Revolutionsgarden angebliche Versuche der USA, dem Oman „seinen Willen aufzuzwingen“. Unter anderem hätten die USA mehrere Schiffe zur „illegalen Durchfahrt durch die südliche Straße von Hormus“ angestiftet. Die sei durch die Reaktion der iranischen Marine verhindert worden. Zudem hätten die USA Ziele entlang der Südküste des Irans angegriffen. Die „fortgesetzte Aggression“ der USA werde zu „noch schärferen Reaktionen“ führen, hieß es in der Mitteilung weiter. Die Eskalation folgt auf eine Woche zunehmender Spannungen und gescheiterter Vermittlungsbemühungen. Trump hatte am Freitag zwar erklärt, die Gespräche mit dem Iran würden fortgesetzt, zugleich aber den Waffenstillstand für beendet erklärt. Zuvor hatten hochrangige US-Vertreter den Iran öffentlich aufgefordert, die Angriffe auf Schiffe in der Meerenge einzustellen und alle Seewege offenzuhalten. Vermittler aus Katar und Pakistan sowie der Oman hatten sich um die Fortsetzung der Verhandlungen bemüht. Der iranische Außenminister Abbas Araktschi traf sich im Oman mit seinem Amtskollegen, um über Möglichkeiten einer sicheren Durchfahrt zu beraten. Oman als VermittlerDer Konflikt hatte sich zugespitzt, nachdem drei Tanker unter Beschuss geraten waren. Die USA griffen daraufhin iranische Ziele an, woraufhin der Iran mit Angriffen auf US-Militärstandorte in Golfstaaten reagierte. Der Oman vermittelt in dem Konflikt, der nach US-amerikanischen und israelischen Luftangriffen auf den Iran am 28. Februar begann. Durch die Straße von Hormus wurde vor der Eskalation des Konflikts etwa ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs transportiert. Die Blockade durch den Iran hat die Energiepreise in die Höhe getrieben und die weltweite Inflation angeheizt. Einem Bericht des Senders CNN zufolge hatte der Oman einen Vorschlag unterbreitet, der eine freie Durchfahrt im südlichen Korridor in omanischen Gewässern vorsah.Zusätzlich angeheizt wird der Konflikt durch gegenseitige Drohungen. Der neue oberste geistliche Führer des Iran, Ajatollah Mojtaba Chamenei, schwor am Samstag Rache für den Tod seines Vaters und Vorgängers, Ajatollah Ali Chamenei, der bei den Angriffen am 28. Februar getötet worden war. Trump hatte seinerseits am Freitag erklärt, er habe das US-Militär angewiesen, darauf vorbereitet zu sein, im Fall eines Anschlags auf ihn Tausende Raketen auf den Iran abzufeuern. Zuvor hatte das „Wall Street Journal“ berichtet, Israel habe Washington Geheimdienstinformationen über einen iranischen Anschlagsplan gegen Trump übermittelt. rtr/dpa/AFP/luwi