Das Ringen der Vereinigten Staaten und Irans um die Kontrolle über die Straße von Hormus ist in der Nacht zum Mittwoch abermals eskaliert. Das US-Militär beschoss nach eigenen Angaben iranische Luftverteidigungssysteme, Radaranlagen in Küstennähe, Anti-Schiffsraketen und mehr als 60 Boote der Revolutionsgarde. Teheran sprach dagegen von „Fischerbooten“. Nach US-Angaben handelt es sich um eine Vergeltungsaktion, nachdem Iran am Dienstag drei Handelsschiffe in der Straße von Hormus angegriffen habe. Die Revolutionsgarde reagierte ihrerseits mit Vergeltungsmaßnahmen. Sie beschoss nach eigenen Angaben US-Militärstützpunkte in Kuwait und Bahrain mit Drohnen und Raketen. Das kuwaitische Militär bestätigte den Abschuss von mehreren Geschossen.Iran und die Vereinigten Staaten warfen einander vor, gegen den vereinbarten Waffenstillstand zu verstoßen. Über Schäden wurde zunächst nichts bekannt. Bei der fast schon ritualisierten Abfolge von Angriffen und Gegenangriffen, die mit ähnlichen Zielen an der iranischen Südküste sowie in Bahrain und Kuwait schon mehrfach durchexerziert wurde, geht es um die Frage, ob es Iran gelingt, seine Kontrollansprüche über die Straße von Hormus zu behaupten.Iran sieht die Verantwortung für die Straße von Hormus bei sichDas im Juni zwischen beiden Seiten vereinbarte Memorandum gerät dabei zunehmend unter Druck. Am Dienstagabend hatte das amerikanische Finanzministerium eine Sondergenehmigung für den Verkauf von iranischem Öl zurückgezogen, die die USA Iran in der Vereinbarung zugesichert hatten. Damit unterliegen alle iranischen Ölgeschäfte jetzt wieder amerikanischen Sanktionen. Teheran hatte bislang kaum von der zwischenzeitlichen Aufhebung der Sanktionen profitiert, weil potentielle Käufer wie Südkorea, Japan und Indien abwarteten, ob die Regelung Bestand hat. Ohne die Sondergenehmigung ist Iran dazu gezwungen, sein Öl größtenteils an kleine chinesische Raffinerien zu verkaufen, die einen hohen Preisabschlag verlangen.Dass das Memorandum vom Juni vage gehalten ist, trägt zu den Spannungen bei. Iran interpretiert das Papier so, dass es ihm vorerst die alleinige Verantwortung für die Wiederherstellung der Schifffahrt in der Straße von Hormus übertrage, was Washington bestreitet. Die iranischen Streitkräfte bekräftigten am Mittwoch, „dass die einzige sichere Passage für Handelsschiffe und Öltanker“ die von Iran deklarierte Route entlang der iranischen Küste sei. Das US-Militär versucht dagegen, Schiffe entlang der omanischen Küste durch die Meerenge zu navigieren.Iranisches Flugzeug holte Huthi-Miliz im Jemen abUnter den drei am Dienstag angegriffenen Handelsschiffen war ein saudischer Öltanker und ein qatarischer Flüssiggastransporter. Damit sende Teheran das Signal, dass es trotz der Bemühungen um eine Deeskalation in den Beziehungen zu den Golfstaaten nicht auf seine Ansprüche über die Meerenge verzichten werde, schrieb der Iranfachmann Hamidreza Azizi von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik auf der Plattform X.Die Generäle in Teheran betrachten die Kontrolle über die Seestraße als dauerhaften Hebel zur Abschreckung der Vereinigten Staaten und Israels und als wichtigstes Druckmittel in den Verhandlungen mit Washington. Die Chancen einer diplomatischen Lösung des Konflikts scheinen jedoch mit jedem Waffengang zu schwinden.Azizi zufolge sieht sich Iran unter anderem dadurch gestärkt, dass es ihm vor wenigen Tagen gelungen ist, trotz einer von Saudi-Arabien verhängten Luftblockade über die Huthi-Miliz im Jemen ein Flugzeug in die Hauptstadt Sanaa zu schicken. Dieses holte nach iranischen Angaben eine Huthi-Delegation zu den Begräbnisfeierlichkeiten für den getöteten Obersten Führer Ali Khamenei ab. Weitere Flüge könnten Teheran ermöglichen, die Huthis noch effektiver mit Waffenlieferungen zu versorgen und ihren regionalen Machtanspruch zu stärken.Die amerikanischen Angriffe kommen für Teheran in einer sensiblen Phase, da die Trauerzeremonien für Khamenei noch bis Donnerstag andauern und das Regime damit beschäftigt ist, sie als epochales Ereignis zu inszenieren.
Straße von Hormus: Neue Angriffe von USA und Iran
Abermals greift das US-Militär iranische Ziele in der Meerenge an. In Teheran fürchtet man um den wichtigsten Hebel zur Abschreckung von USA und Israel.













