Darüber spricht Madrid: heiss, heisser, so geht’s nicht weiterIn den Klassenzimmern der spanischen Hauptstadt schwitzten die Kinder und Jugendlichen bis Ferienbeginn bei bis zu 37 Grad, weil das Geld für Klimaanlagen fehlt.Ute Müller12.07.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenIn Spanien ist die Abkühlung zum Politikum geworden.Luciano Lima / GettySchon jetzt ist abzusehen, dass Spanien in diesem Jahr zum fünften Mal in Folge seit Beginn der Wetteraufzeichnungen einen neuen Temperaturrekord erleben wird. In den staatlichen Schulen der Hauptstadt ächzten die Schülerinnen und Schüler in den Klassenzimmern unter Temperaturen von bis zu 37 Grad. Die Gewerkschaft UGT spricht von einem «thermischen Inferno». Während für Schulkinder erst einmal zwei Monate Ferien sind, blieben die Krippen und Kindergärten für die unter 6-Jährigen wie jedes Jahr auch im Juli, dem heissesten Monat des Jahres, offen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.«Wir leiden unter schlecht isolierten Gebäuden, Fenstern, die nicht richtig schliessen, und defekten Jalousien», so Isabel Lucena, erziehungspolitische Sprecherin der Gewerkschaft. «Wir verlangen keinen Luxus, es geht um das Wohlbefinden unserer Schützlinge.»Belén López, die Vorsitzende des Elternverbands AFA in Madrid, kritisiert, dass die Politiker sich nicht mit dem Problem beschäftigen. «Sie behaupten, der Einbau von Klimaanlagen sei Sache der chronisch unterfinanzierten Schulen, denen sie allerdings keinerlei staatliche Hilfen zukommen lassen.» Ihr Verband hat bereits Kundgebungen in mehreren Madrider Stadtteilen organisiert, die Teilnehmer kamen in Badehosen und Bikini, mit Schwimmreifen und Wasserpistolen. Geholfen haben die Aktionen nicht.Mariano de Paco, Kulturverantwortlicher der konservativen Madrider Regionalregierung, goss mit der Bemerkung, dass die Hitze im Grunde gut für die Inspiration der Kinder sei, Öl ins Feuer. Er berief sich auf einen Dichter namens Vicente Medina, der in der Hafenstadt Murcia vor über hundert Jahren in der grössten Hitze Gedichte verfasste, die heute noch gelesen werden. «Dieser Mann hat wohl Transpiration mit Inspiration verwechselt», empörte sich Francisco Agudo, ein Leser der Tageszeitung «El País».«Vielleicht sollte man alle Klimaanlagen im Palast der Madrider Regionalregierung ausschalten, vielleicht bemühen sich die Herrschaften dann um die Probleme unserer Kinder», schlägt die pensionierte Lehrerin Beatriz Simó vor.Madrid ist tatsächlich die einzige Region in Spanien, in der die staatlichen Schulen kaum klimatisiert sind. In Barcelona hingegen verwendet man einen Teil der Einnahmen aus der Tourismussteuer , um nach und nach Klimaanlagen in den Bildungszentren zu installieren. «Es ist kaum zu glauben, alle öffentlichen Gebäude in Madrid sind perfekt auf die Hitze vorbereitet, nur für die Schulen hat man kein Geld», sagt Alejandra Pérez de la Vega, Vorsitzender der Plattform Aprender Sin Calor (Lernen ohne Hitze), der sich hundertfünfzig Elternverbände angeschlossen haben. Der Verband fordert auch mehr Schattenzonen auf den Pausenhöfen und Bäume, die überall fehlen.Doch getan wird jetzt erst einmal nichts.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
Abkühlung? Fehlanzeige! Madrids Schulen kämpfen gegen die Sommerhitze
In den Klassenzimmern der spanischen Hauptstadt schwitzten die Kinder und Jugendlichen bis Ferienbeginn bei bis zu 37 Grad, weil das Geld für Klimaanlagen fehlt.






