Die Sommerhitze kam schon im Mai und lässt in Spanien die Klassenzimmer „glühen“. Schüler klagen darüber, dass sie in „Öfen“ lernen müssen. In Aragón wurden schon Ende Mai in mehr als 40 Schulen Temperaturen von 37 Grad gemessen, aus Murcia wurden Anfang Juni 36 Grad, aus Madrid 35 Grad gemeldet. An diesem Wochenende rollt erst die erste große Hitzewelle des Sommers an. Für die kleineren Schüler beginnen zwar schon die Ferien, der Rest muss noch ausharren.Selbst aus dem Baskenland im Norden berichtet man von Ohnmachtsanfällen und Nasenbluten in den Schulen. In Valencia kaufen Eltern privat Ventilatoren und helfen dabei, Klimaanlagen zu installieren. In Madrid erzählt ein Lehrer, dass er die Kinder zur Abkühlung in der Pause mit einem Gartenschlauch abspritzt. Obwohl heiße Sommer in dem südeuropäischen Land normal sind, sind Spaniens Schulen für die große Hitze kaum gerüstet.CEAPA, der größte Verband von Lehrern an öffentlichen Schulen, schätzt laut der Zeitung „El País“, dass im ganzen Land nur rund ein Prozent der öffentlichen Schulen klimatisiert sind. Im besonders heißen Andalusien sind es laut Gewerkschaftern nur gut sechs Prozent der rund 7000 Schulen. Doch vor allem konservative Politiker finden das offenbar noch erträglich.Hitze als „Quelle der Inspiration“?Hitze könne sogar „eine Quelle der Inspiration“ sein, sagte der PP-Kulturminister der Madrider Regionalregierung, und rief damit große Empörung im ganzen Land hervor. Mariano de Paco nannte als Beweis dafür die literarischen Leistungen bekannter Schriftsteller aus dem noch heißeren Süden des Landes. Seiner kleinen Tochter habe er am Morgen eine kurze Hose angezogen, fügte der PP-Politiker als Ratschlag hinzu – im klimatisierten Plenarsaal des Madrider Regionalparlaments.Eltern und Lehrer, die in Madrid und anderen Städten symbolisch in Badebekleidung demonstrierten, sind empört darüber, dass für Kinder als zumutbar gilt, was das Arbeitsrecht für andere untersagt: Ein Dekret aus dem Jahr 1997 legt eine Höchsttemperatur von 27 Grad für sitzende Tätigkeiten in Innenräumen fest. Sie fordern für die Schulen und Kindergärten Temperaturen zwischen 27 und 17 Grad – denn in einigen Regionen reichen im Winter die Heizungen nicht aus, um für diese Minimaltemperatur zu sorgen.Die meisten Schulgebäude stammen aus Zeiten, als der Klimawandel beim Bauen keine Rolle spielte. In den modernen Bauten tragen große Glasfenster dazu bei, dass sie zu Treibhäusern werden. Früher glaubte man in Spanien, dass die Sommerferien, die schon im Juni beginnen und Anfang September enden, ausreichen, um den Schülern das Schlimmste zu ersparen.Folgen des Klimawandels sind längere Hitzeperioden„Wegen des Klimawandels dauern die sommerlichen Temperaturen bereits oft fünf Wochen länger. Sie beginnen oft schon im Mai und Juni und dauern bis zum September an“, beobachtet die Umweltorganisation Greenpeace, die darauf hinweist, dass viele Schulgebäude auch im Hochsommer nicht leerstehen: Sie werden dann für Ferienlager und Freizeitprogramme genutzt. Für die ganz Kleinen besteht über den gesamten Juli dort ein Betreuungsangebot. Die Europäische Beobachtungsstelle für Klima und Gesundheit schätzt, dass es in Andalusien in den nächsten fünfzehn Jahren bis zu 41 Schultage im Jahr mit Temperaturen von mehr als 30 Grad geben könnte.Barcelona schaut dieser Entwicklung nicht tatenlos zu. 170 städtische Schulen mit mehreren zehntausend Schülern werden schrittweise bis 2030 klimatisiert. Für die Kosten des „Schulklimaplans“ in Höhe von rund 100 Millionen Euro kommen nach Angaben des sozialistischen Bürgermeisters die Gäste auf. Der städtische Zuschlag und die regionale Tourismusabgabe wurden im April noch einmal deutlich erhöht und können maximal bis zu 15 Euro pro Nacht und Gast betragen: Auch die Einwohner sollen etwas vom Touristenboom abbekommen, der die Stadt überrollt. Die von der konservativen PP regierten Regionen Andalusien, Valencia und Madrid erheben dagegen keine Touristenabgaben.Die linke Minderheitsregierung will dagegen nachlegen. Sie legte im Juni einen Plan mit einem Volumen von 368 Millionen Euro für die energieeffiziente Sanierung von Schulen und Krankenhäusern vor. 200 Millionen Euro sind für Bildungseinrichtungen vorgesehen, der Rest für Kliniken und Gesundheitszentren. Auch dort ist viel zu tun. In Krankenzimmern steigen die Temperaturen wie in den Schulen auf mehr als 30 Grad, und Angehörige bringen Fächer und Ventilatoren mit.
Spaniens Schulen in der Sommerhitze schlecht klimatisiert
In spanischen Klassenzimmern wurden schon Ende Mai Temperaturen bis zu 37 Grad gemessen. Die Schulen vor Ort sind für diese Hitze nicht ausgestattet. Erste Städte möchten jetzt mit Klimaanlagen nachrüsten.














