Die goldenen Zeiten der internationalen Entwicklungshilfe scheinen vorbei zu sein. Seit den drastischen Kürzungen der USA geraten weltweit ganze Programme ins Wanken und auch Europa verabschiedet sich zunehmend von der Vorstellung, Entwicklungspolitik vor allem aus moralischer Verantwortung zu betreiben. Stattdessen rücken strategische Eigeninteressen in den Vordergrund.

Wie sich dieser Kurswechsel innerhalb der Branche anfühlt, schildert die Entwicklungsökonomin Niharika Gujela, die zuletzt für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) tätig war. Im Gespräch mit der Berliner Zeitung spricht sie über Verunsicherung, schrumpfende Budgets und eine Entwicklungspolitik, die sich gerade grundlegend verändert.

Berliner Zeitung: Frau Gujela, Sie haben bei der GIZ gearbeitet. Wie erleben Sie die Stimmung derzeit in der Entwicklungszusammenarbeit?Die Unsicherheit ist sehr deutlich zu spüren. Im gesamten öffentlichen Sektor, einschließlich der Entwicklungshilfe, werden Haushaltskürzungen vorgenommen. Viele Absolventen und ehemalige Praktikanten haben derzeit Schwierigkeiten, einen Arbeitsplatz zu finden. Auch bei der GIZ wurde die Einstellung von Personal drastisch reduziert.