Wenn es doch nur mal regnen würde in diesem Land. Aber in England ist es gerade ähnlich heiß und trocken wie in Deutschland, und so gibt es hier wie dort zwei Sorten von Menschen: Die einen klagen, die anderen klagen sehr. Was diese Gruppen unterscheidet: Letztere müssen dieser Tage Bahn fahren.Die britischen Züge fallen reihenweise aus, und wer es in einen der wenigen fahrenden schafft, steht wie die bekannten in Öl eingelegten Sardinen im Abteil – nur enger, feuchter und intensiver riechend. Durchsagen informieren darüber, in welchen Waggons die Klimaanlage ausgefallen ist, und man stellt schweißgebadet fest, dass der eigene Waggon angeblich nicht dazugehört. Am Londoner Ziel angekommen ergießt sich die Fahrgastmasse in den nächsten Pub, wo die Angestellten so stolz auf ihre Klimaanlage sind, dass sie die Luft leidenschaftlicher kühlen als ihre Biere. Der südostenglische Wirt ist im Angesicht der Hitze nicht weniger ambitioniert als sein südostasiatischer Kollege: draußen Sonnenbrand, drinnen Gefrierbrand. Vom Regen in die Traufe, sagte man einst, als es noch Niederschlag gab.Der Eurostar zumindest, der London durch den Ärmelkanal mit dem kontinentalen Europa verbindet, soll langfristig an die neuen klimatischen Realitäten angepasst werden. Geschäftsführerin Gwendoline Cazenave sagte der Financial Times, man habe bei einem bereits bestellten Modell nachgebessert: Ursprünglich seien die Züge für Temperaturen bis zu 45 Grad gebaut worden. Da die georderten Züge immerhin bis in die 2060er-Jahre fahren sollen, „haben wir beschlossen, die Spezifikation anzupassen und die Züge für Temperaturen bis zu 55 Grad auszulegen“, sagte sie und sprach von einer Hitze, die sie eher mit Saudi-Arabien in Verbindung brachte. Ihr Unternehmen gab 2025 einen Auftrag im Wert von 1,7 Milliarden Pfund (zwei Milliarden Euro) für bis zu 50 Züge beim französischen Hersteller Alstom auf. Die ersten sollen Ende des Jahrzehnts rollen. Die Änderungen beziehen sich vor allem auf die Materialien für die Komponenten der Klimaanlagen.Im Juni saßen Eurostar-Fahrgäste auf einer Fahrt von Paris nach Amsterdam acht Stunden lang ohne Strom und damit auch ohne Klimaanlage im Zug fest. Das Unternehmen bat um Entschuldigung und nannte eine „technische Störung aufgrund der außergewöhnlichen Hitzewelle“ als Ursache. Auch in anderen Zügen sitzen nun immer mehr Briten mit Handventilatoren. Das Warenhaus John Lewis verzeichnet derzeit eine dreimal so hohe Nachfrage nach seinen 15-Pfund-Geräten wie vor der Hitzewelle, der Elektronikhändler Currys sogar das Dreißigfache. Die Non-Profit-Organisation Material Focus geht davon aus, dass die Hälfte der etwa acht Millionen Geräte, die in diesem Sommer im Vereinigten Königreich verkauft werden dürften, auf dem Müll landen. Vor allem die billigsten würden nach der Hitzewelle wieder weggeworfen. Beim chinesischen Billiganbieter Temu kostet der günstigste batteriebetriebene Ventilator weniger als zwei Euro.Im Eurostar gibt es als Alternative übrigens Bier aus dem Kühlschrank. Kostet 6,50 Euro. Ist aber umweltfreundlicher.
Eurostar Züge in London für extreme Hitze vorbereitet
Eurostar plant neue Züge für Temperaturen bis 55 Grad, um Hitzewellen in London und Europa zu begegnen. Hitze und Stromausfälle beeinträchtigen derzeit den Bahnverkehr stark.











