Jens Ehrhardt von DJE Kapital und Martin Wirth von FPM kritisieren den geplanten Zusammenschluss mit T-Mobile US. Ein grosser deutscher Fonds sieht darin ein Risiko für den Börsenwert, auch die Analysten warnen. Allerdings könnte der Topmanager Timotheus Höttges persönlich profitieren.11.07.2026, 05.30 Uhr7 LeseminutenDer Deutsche-Telekom-CEO Timotheus Höttges, hier bei der Hauptversammlung Anfang April, will sein Werk krönen.Christoph Hardt / ImagoDies ist ein Artikel aus dem digitalen Finanzmagazin «The Market NZZ».Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Erfolgsstory an der Börse ist vorerst vorbei: Die Deutsche Telekom und ihre US-Tochter T-Mobile US hinken seit mehr als einem Jahr der Branche weit hinterher.Im Vergleich zum Zwischenhoch vom 27. Februar hat der Deutsche-Telekom-Kurs zeitweilig sogar fast ein Drittel abgegeben. Der DJE-Kapital-Gründer Jens Ehrhardt gehört zu den Investoren, die ihr Engagement im zweiten Quartal deutlich reduziert haben. «Aus zwei Gründen», wie Ehrhardt sagt. «Elon Musk und SpaceX könnten den herkömmlichen Anbietern das Geschäft abgraben mit Mobilfunk und Internetzugang per Satellit», fürchtet er. «Ausserdem verkaufen viele Investoren ihre T-Mobile-US-Aktien, weil sie keine Fusion mit der Deutschen Telekom wollen, denn sie erwarten in Deutschland kaum Wachstum.»Immerhin: Die Sorge wegen baldiger Konkurrenz durch Satellitenbetreiber wie SpaceX erscheint vielen Fachleuten und Analysten als überzogen. Der Fusionsplan dagegen gilt den meisten Investoren und Analysten aus guten Gründen als schwere Belastung für den Börsenwert.Die Debatte über den Zusammenschluss läuft seit mehr als zwei Monaten. Am 21. April 2026 hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg über den Plan des DAX-Konzerns berichtet, mit der Tochter T-Mobile US zu fusionieren. Derzeit halten die Deutschen bereits mehr als 54 Prozent der Anteile. Der DAX-Konzern wolle für die Fusion eine Holding schaffen, die im europäischen Ausland angesiedelt werden soll. Als Vorbild gelte der Zusammenschluss der Industriegaskonzerne Linde und Praxair im Jahr 2018. Das «Handelsblatt» berichtete seinerzeit ebenfalls ausführlich und legte am 29. Juni mit der These nach, dass die Telekom ihre Pläne für eine Mega-Holding forciere. Am 10. Juni brachte das «Wall Street Journal» ein Porträt über den Deutsche-Telekom-CEO Timotheus Höttges: Der seit zwölf Jahren amtierende Manager sei dabei, «zum ehrgeizigsten Test seiner Karriere aufzubrechen: dem Versuch, den grössten Merger kotierter Unternehmen der Geschichte durchzusetzen».Anleger fordern Deutsche Telekom auf, den Plan zu begrabenGrossanleger des DAX-Konzerns fordern ein Ende der wertmindernden Debatte. «Der Fusionsplan ist kontraproduktiv, bringt keine Synergien und senkt den Aktienkurs», sagt der Fondsmanager Ehrhardt. «Ich würde es begrüssen, wenn das Deutsche-Telekom-Management der Fusion eine Absage erteilt, damit das Thema nicht länger den Aktienkurs belastet.»Kritik übt auch Martin Wirth, der Gründer des Vermögensverwalters Frankfurt Performance Management (FPM). «Ich finde die bisher bekannten Pläne nicht positiv», sagt der Fondsmanager. Ausserdem habe er «Probleme, sich vorzustellen, dass die Bundesregierung bei einer Verlagerung der Deutschen Telekom ins Ausland mitmachen würde».Eine der vier grössten deutschen Fondsgesellschaften bezeichnet den Fusionsplan als nicht wertsteigernd. «Aus unserer Sicht überwiegen derzeit die Nachteile», teilte der Vermögensverwalter mit, der zu den grössten dreissig Deutsche-Telekom-Aktionären zählt und mit seiner Einschätzung nicht namentlich zitiert werden will. Die Fusion wäre teuer: Die Minderheitsaktionäre von T-Mobile US würden für ihre Zustimmung wahrscheinlich eine Prämie erwarten. Der Ausgleich dafür fehlt, denn Synergien gibt es kaum. «Anders als bei klassischen Fusionen zweier stark überlappender Unternehmen lassen sich zwischen dem US-Geschäft und dem europäischen Geschäft kaum nennenswerte Kostenvorteile heben», konstatiert die Fondsgesellschaft.Erweitern Sie Ihr NZZ-Abonnement um «The Market NZZ»Als NZZ-Kunde erhalten Sie «The Market NZZ» für 29.60 Euro statt 37 Euro im Monat. Testen Sie jetzt das flexible Angebot. Monatlich kündbar.Zum rabattierten Angebot für NZZ-AbonnentenNoch dazu erfordere das Projekt die Zustimmung der deutschen Bundesregierung, die zusammen mit der Förderbank KfW 28 Prozent der Deutsche-Telekom-Anteile hält. «Politisch wäre der Schritt heikel, wir halten das Projekt derzeit für schwierig», warnt der Top-30-Investor. «Gleichzeitig haben die Spekulationen inzwischen selbst negative Folgen», sagt er: «Sie können die Wahrnehmung der Aktie belasten, T-Mobile-US-Minderheitsaktionäre verunsichern und politischen Widerstand verstärken.» Der sehr ehrgeizige Plan weckt bei der Fondsgesellschaft auch Zweifel an der Strategie und den Prioritäten der Telekom-Führungsriege: «Zudem entsteht der Eindruck, dass der Vorstand ein Projekt verfolgt, dessen politische Durchsetzbarkeit fraglich ist», kritisiert sie.Aus Sicht des Top-30-Investors ist deshalb eine klare Stellungnahme des DAX-Konzerns nötig: «Der Vorstand muss das Thema nicht kategorisch ausschliessen, sollte aber deutlich machen, dass es derzeit keine beschlossene Transaktion gibt und jede mögliche Struktur nur dann weiterverfolgt würde, wenn sie für alle Aktionärsgruppen Wert schaffte und politisch sowie regulatorisch umsetzbar wäre.» Beides ist offenbar für den Grossanleger nicht erkennbar.Analysten erwarten Kursanstieg bei FusionsabsageDie Aussicht auf eine Fusion mit der Deutschen Telekom habe den Aktienkurs von T-Mobile US untergraben, urteilt der Deutsche-Bank-Analyst Robert Grindle in einer Studie vom 10. Juni. Die Auflösung der damit verbundenen Unsicherheit würde «helfen, den Wert in beiden Unternehmen zu realisieren».«Investoren zweifeln an den Meriten eines Zusammenschlusses von Deutsche Telekom und T-Mobile US», konstatieren auch die UBS-Analysten um Polo Tang und John Hodulik in einer Studie vom 30. Juni. «Jede Bestätigung, dass ein Merger nicht angestrebt wird, könnte ein positiver Katalysator sein», also den Aktienkurs hochtreiben. Gelegenheit böten die Vorstellung des Berichts zum zweiten Quartal am 6. August oder der Rapport zum dritten Quartal am 5. November.Die Kritik der Analysten ist umso bemerkenswerter, als ihre Arbeitgeber bei einem solchen Megadeal sehr hohe Gebühren einnehmen könnten. Es gibt denn auch vereinzelte wohlwollendere Stimmen. Der JP-Morgan-Analyst Akhil Dattani bezeichnet die Fusion als strategisch sinnvoll. Doch auch er räumt ein: Es gehe dabei um «einen hochkomplexen Deal, den die meisten Investoren abzulehnen scheinen».Die wachsende US-Lastigkeit der Deutschen TelekomDer JP-Morgan-Analyst Dattani weist darauf hin, dass T-Mobile US bereits zwei Drittel zum Ebitda der Deutschen Telekom beiträgt: «Das wachsende Gewicht der börsennotierten T-Mobile US innerhalb von Deutsche Telekom ist eine unbequeme und möglicherweise langfristig untragbare Realität.» Andere Investoren sagen jedoch, dass sie mit der bisherigen Struktur zufrieden sind und keinen Grund für Änderungen sehen.Auslandsholding für Staatskonzern politisch kaum möglichDie deutsche Bundesregierung wirkt erwartungsgemäss skeptisch. Als der Bundesminister für Digitalisierung und Staatsmodernisierung, Karsten Wildberger, am 4. Mai den Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten besuchte, fragte «The Market» nach, ob die Auslagerung digitaler Infrastruktur ins Ausland unter Beteiligung der Bundesregierung realistisch sei, und erwähnte die Debatte um die Deutsche Telekom. «Abstrakt und ohne Unternehmensbezug: Mir wäre wichtig, wo die Wertschöpfung bleibt», antwortete Wildberger. «Was ist mit der digitalen Souveränität und der Sicherheit? Das hat teilweise auch mit dem Standort zu tun.» Damit sprach er genau jene Punkte an, die eine Verlagerung des DAX-Konzerns in eine Auslandsholding politisch so gut wie undurchführbar machen.Ein Investmentbanker hält eine Auslandsholding für den DAX-Konzern mit Staatsbeteiligung für nicht durchsetzbar: «Ein Deal wie bei Linde mit teilweise durch Steuergelder finanzierter Infrastruktur unter Beteiligung der Bundesregierung ist politisch unmöglich.» Für den Investmentbanker ist klar, wer die Gewinner einer Fusion wären: «Nur der Vorstand würde profitieren.»Ein Nachfolgeplan von Höttges und dem T-Mobile-CEO Gopalan?Der Plan für die Fusion und die Holding komme aus dem Vorstand des DAX-Konzerns, sagt ein Investor. Die UBS-Analysten legten bereits im April nahe, dass der Plan mit der Regelung der Nachfolge des 63-jährigen Deutsche-Telekom-CEO Höttges zu tun hat, der Ende 2028 diesen Posten verlassen wird. Der CFO Christian Illek und sein Vorstandskollege Thorsten Langheim sind in einem ähnlichen Alter wie Höttges.Als CEO-Nachfolger gelte weithin der langjährige Deutsche-Telekom-Manager Srini Gopalan, der aber im November 2025 zum CEO von T-Mobile US aufgestiegen ist. «Da Gopalan ein deutlich grösseres Geschäft führt, ist eine Rückkehr zum Mutterkonzern weniger wahrscheinlich», argumentieren die UBS-Analysten: «Im Szenario der Vereinfachung der Gruppenstruktur könnte Gopalan CEO der fusionierten Einheit werden und mit seiner tiefen Erfahrung in der Gruppe helfen, das Nachfolgeproblem anzugehen.» Für Höttges wäre der Posten des Chairman denkbar, nach dem Vorbild von Wolfgang Reitzle bei Linde.«Der Vorstand könnte bereits mit dem Manövrieren begonnen haben», schreibt der JP-Morgan-Analyst Dattani. Zu den Beispielen für solche vorbereitenden Manöver für die Fusion gehören seiner Meinung nach die Ernennung von Gopalan zum T-Mobile-US-CEO, die stetige Erhöhung des Anteils der Deutschen Telekom an T-Mobile US und die exzessive Feuerkraft auf der Bilanz, die Deutsche Telekom und T-Mobile US angehäuft hätten.Warum die Angst vor Elon Musk übertrieben istDas «Handelsblatt» schrieb in dem Artikel von Ende Juni, dass die Fusionspläne im DAX-Konzern in letzter Zeit an Bedeutung gewonnen hätten: Der Grund sei der Börsengang (IPO) von Elon Musks Unternehmen SpaceX. Dessen Satellitennetzwerk Starlink gelte als potenzieller Grosskonkurrent im Mobilfunkgeschäft.Die Angst vor SpaceX als Mobilfunkrivalen ist aus Sicht von Technikern und Analysten jedoch überzogen. Ein eigenständiges Mobilfunkangebot benötige ein terrestrisches Netz und könne nicht nur Satelliten einsetzen, sagt Benedict Evans, ehemals Partner beim Venture-Capital-Fonds Andreessen Horowitz und seit 2020 selbständiger Tech-Analyst. Dies zeigten die Ankündigungen von SpaceX, eigene Funkmasten zu bauen und gekaufte Funkfrequenzen zu nutzen, urteilt er: Starlink müsste sich jedes Land einzeln vornehmen, «mit Dutzenden oder Hunderten Milliarden an Kapitalinvestitionen.»Ende des Schweigens des CEO Höttges als Kurstreiber«Die Deutsche-Telekom-Aktien sind günstig bewertet», sagt der DJE-Gründer Ehrhardt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) beträgt moderate 11, gemessen am Durchschnitt des für 2026 und 2027 erwarteten Gewinns. Dazu besteht Aussicht auf 4,4 Prozent Dividendenrendite für das Geschäftsjahr 2026.Auf den Branchenwerten insgesamt lastet die übertriebene Angst vor neuer Konkurrenz durch Elon Musk und SpaceX. Den Deutsche-Telekom-Kurs aber drücken ausserdem die anhaltenden Berichte über den Fusionsplan des CEO Höttges.Das Unternehmen wollte keine der sechzehn Fragen von «The Market» zu dem von mehreren Medien seit Monaten beschriebenen Fusionsplan beantworten. «Wir kommentieren solche Gerüchte und Spekulationen in den Medien oder am Kapitalmarkt nicht», teilte der Konzern mit.Höttges dürfte irgendwann gezwungen sein, zu seinen Plänen Stellung zu nehmen. Wenn er einen bisher nicht erkennbaren Weg zur Wertsteigerung durch die Fusion aufzeigt, sollte das den Kurs beflügeln. Umso mehr dürfte der Börsenwert steigen, falls der Deutsche-Telekom-CEO auf Druck von Grossanlegern und der Bundesregierung einen Rückzieher macht und die Planspiele für den Megadeal beerdigt.
Deutsche Telekom: Investoren lehnen Megafusion ab und fordern Klarheit
Jens Ehrhardt von DJE Kapital und Martin Wirth von FPM kritisieren den geplanten Zusammenschluss mit T-Mobile US. Ein grosser deutscher Fonds sieht darin ein Risiko für den Börsenwert, auch die Analysten warnen. Allerdings könnte der Topmanager Timotheus Höttges persönlich profitieren.









