Dass die Bundesregierung die Förderung für Wärmepumpen kürzen würde, das hatten in der Branche alle erwartet. Schließlich sind die Kassen leer, und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) muss sparen, wo er kann. Wie die Regierung es nun aber tut, sorgt für großen Unmut in der Heizungsbranche, bei vielen auch für blankes Entsetzen: „Vielen Dank, liebe Regierung!“, ruft Alex Stamos, Chef eines mittelständischen Installationsbetriebs mit 50 Mitarbeitern in Grevenbroich, sarkastisch in sein Handy. Er kommt gerade von einem verunsicherten Kunden und es fällt ihm erkennbar schwer, ruhig zu bleiben. „Die Kunden rennen uns seit gestern im Wortsinne die Bude ein. Viele, die in den vergangenen Wochen einen Auftrag für eine Wärmepumpeninstallation erteilt haben, wissen plötzlich nicht mehr, wie viel Geld sie bekommen und wie teuer die Wärmepumpe letztlich für sie wird.“So wie Stamos geht es derzeit vielen, wenn nicht fast allen Heizungsbauern in Deutschland. Die Bundesregierung habe das „größtmögliche Chaos angerichtet“, sagt Stamos. Ausbaden müssten er und seine Kollegen dies: „Es hagelt massenweise Stornierungen“, sagt Michael Hoppe, Heizungsbaumeister und Chef eines größeren Betriebs aus Baden-Württemberg. „Wir rufen seit Donnerstag hunderte Kunden an, müssen erst mal erklären, dass die Förderung nur geändert wird, es aber weiterhin eine geben wird.“ Die Stimmung in den Betrieben sei „miserabel“, bestätigt Daniel Föst, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima. „Vor allem die Kommunikation seitens der Regierung ist eine komplette Katastrophe.“Heizungsgesetz Werden Wärmepumpen trotz gekürzter Förderung künftig günstiger? Die Bundesregierung plant, die Zuschüsse für den Heizungstausch zu kürzen. Hauseigentümer sollten jedoch Schnellschüsse vermeiden. von Martin GerthWas ist passiert?Kaum hatte der Haushaltsausschuss im Bundestag am Mittwochnachmittag einer neuen Förderrichtlinie für Wärmepumpen der Bundesregierung zugestimmt, hat die für neue Förderanträge zuständige KfW ihr Portal abgeschaltet – binnen weniger Stunden. Noch am selben Abend waren für die Handwerksbetriebe keine Anträge auf Wärmepumpenförderung mehr möglich.Die neue Förderung soll am 21. Juli in Kraft treten, dann soll auch das neue Antragsportal laufen. Bis dahin hängen Hausbesitzerinnen und Vermieter nun mindestens zwei Wochen in der Luft, wenn sie mit ihrem Handwerksbetrieb die Planung für eine Wärmepumpe schon abgeschlossen haben, und unter dem Vorbehalt, dass die Förderung genehmigt wird, einen Auftrag erteilt haben. Das war bei Vorliegen der entsprechenden Bescheinigung, der BZA, dass die Förderbedingungen erfüllt werden, bisher eine reine Formsache. Tausende Aufträge müssen neu berechnet werden, die Förderanträge neu gestellt werden; in fast allen Fällen wird die Wärmepumpe deutlich teurer, im Schnitt um 2000 Euro, schätzen Experten.Handwerker und Hausbesitzer müssen die Folgen der extrem kurzfristigen Umstellung ausbaden. „Die Wärmepumpenförderung in so einer Nacht-und-Nebel-Aktion umzustellen, ist ein fatales Signal für die Verbraucher“, klagt etwa Octopus-Energy-Deutschlandchef Bastian Gierull: „Es gibt tausende Haushalte, die gerade ihr Angebot unterschrieben haben und jetzt plötzlich mit deutlich weniger Zuschuss rechnen müssen.“ Seine Installateure hätten „keine Chance gehabt, in so kurzer Zeit unsere Kunden über die Änderung des Förderregimes zu informieren. „Wir telefonieren mit hunderten Kunden, die die Förderung schon fest eingeplant haben.“ Viele davon würden seine Mitarbeiter wohl „morgen anrufen müssen, um zu sagen: Deine Förderung ging nicht mehr durch.“Wärmepumpen sind in Deutschland teuerEinzelne Haushalte dürften nach dem neuen Förderregime bis zu 4000 Euro weniger Zuschüsse erhalten, danach sollen die Zuschüsse alle sechs Monate graduell weiter abgesenkt werden . In Berlin rechtfertigen einzelne CDU- und SPD-Abgeordnete im Hintergrund die Absenkung. Sie verweisen darauf, dass baugleiche Wärmepumpen in Deutschland meist deutlich teurer sind als im europäischen Ausland, oft um das Doppelte. Daran sei auch die ihrer Meinung nach allzu üppige deutsche Förderung schuld gewesen, sagen sie. Diese Förderung hätten die Hersteller in ihre Preise einkalkuliert, so die Logik der Abgeordneten, die wohl nun auch – neben Klingbeils allgemeiner Geldnot – zur Absenkung der Förderung über die neue Richtlinie geführt hat.Heizungsgesetz Wer noch Anspruch auf die alte KfW-Förderung hat von Martin GerthDas ist nicht ganz falsch, aber nicht der Hauptgrund für die deutschen Hochpreise. „Richtig ist, dass die alte Förderung der Vorgängerregierung, bei der Installationen mit Gesamtkosten von bis zu 45.000 Euro gefördert wurden, einen Teil zu den hohen deutschen Preisen beigetragen hatte“, sagt Axel Friedrich, der in Berlin derzeit mehrere hundert Häuser aus den 1930er Jahren auf Wärmepumpen umrüsten will und seit Langem die hohen deutschen Preise im Vergleich zum Ausland moniert.Die Förderung ist jedoch schon seit zwei Jahren gekappt, auf eine maximal förderfähige Summe von 30.000 Euro. Wirksamer wäre eine strukturelle Änderung des Förderregimes gewesen, glauben Fachleute. Denn die Preise sind international überall dort niedrig, wo nicht prozentual, sondern mit maximalen Fixbeträgen gefördert wird, so etwa in England oder Frankreich.Deutsche Wärmepumpeninstallationen sind oft unnötig komplexViele der speziell deutschen Kostentreiber haben zudem nichts mit der Förderung zu tun. Deswegen ist unwahrscheinlich, dass die nun beschlossene weitere Absenkung der förderfähigen Summe von 30.000 auf 28.000 Euro die Preise ins Rutschen bringen wird. Ein Grund nach mehreren Studien, unter anderem vom Fraunhofer-Institut ISE und der RWTH Aachen: Deutsche Wärmepumpeninstallationen sind oft unnötig aufwendig und komplex, vor allem im Altbau. So rieten viele Energieberater und Handwerksmeister noch immer zu umfangreichen Umbauten des gesamten Heizungssystems von Heizkörpern auf Flächenheizungen, zum Tausch aller Fenster und im schlimmsten Fall sogar zu kompletten Fassadendämmungen.Die Logik: Eine Wärmepumpe sei im Altbau nur dann effizient zu betreiben, wenn sie mit niedrigen Vorlauftemperaturen arbeite. Dafür brauche es die großen Flächenheizungen. „Das können wir aus der Praxis auf keinen Fall so bestätigen“, sagt Innungsmeister Ales Stamos. „In 70 bis 80 Prozent der Fälle reicht es auch im Altbau, einige größere Heizkörper einzubauen, die kosten wenige hundert Euro pro Stück.“