Die Vereinigten Staaten und Israel haben den iranischen Führer Ali Khamenei am ersten Kriegstag im Februar in der Hoffnung getötet, dass mit ihm das ganze System der Islamischen Republik zusammenbrechen könnte. Diese Erwartung hat sich nicht erfüllt. Stattdessen konnte die neue Führung Khameneis gewaltsamen Tod nutzen, um ihre eingestaubte islamistische Märtyrerideologie mit neuem Leben zu füllen.Sechs Tage lang hat die Führung die Trauerfeiern als Bühne genutzt, um ihr gestärktes Selbstbewusstsein zur Schau zu stellen. Zwar sollte man sich von den wirkmächtigen Bildern der orchestrierten Massenaufläufe nicht täuschen lassen. Eine klare Mehrheit der Iraner lehnt das repressive Regime nach wie vor ab. Sie haben nicht vergessen, dass im Januar Tausende Demonstranten kaltblütig erschossen wurden.Ein Sturz des Regimes scheint unwahrscheinlichAber die Beerdigungszeremonien zeigen eben auch, dass die iranische Führung in der Lage ist, eine signifikante Minderheit der Bevölkerung zu mobilisieren. Sei es durch Indoktrination und religiöse Symbolik, sei es mit dem Versprechen, ihre Anhänger an den kleiner werdenden Fleischtöpfen zu beteiligen. Ein Sturz des Regimes scheint heute noch unwahrscheinlicher als im Januar. Die herrschende Revolutionsgarde fühlt sich gestärkt, weil sie zwei übermächtigen Gegnern die Stirn geboten hat. Und weil sie gezeigt hat, dass sie in der Straße von Hormus die Weltwirtschaft nach Belieben unter Druck setzen kann.