Der Rücktritt Kai Wegners als Spitzenkandidat kam zu spät. Zehn Wochen vor der Wahl kann sein Nachfolger kaum Vertrauen aufbauen. Da Wegner weiterhin Regierender Bürgermeister bleiben will, gibt es nicht einmal einen Mini-Amtsbonus für den neuen Spitzenkandidaten. Es sind keine guten Voraussetzungen für den Schlussspurt der Berliner CDU bis zur Wahl am 20. September. Es ist eher der Worst Case für den Wahlkampf der Union.
In Niedersachsen und Sachsen-Anhalt hinterließen die Ministerpräsidenten Stephan Weil oder Reiner Haseloff ihren Nachfolgern zum einen Zeit, um vor den Wahlen noch einen Amtsbonus als Regierungschef aufzubauen. Zum anderen hinterließen sie ein weitgehend bestelltes Feld und keine verbrannte Erde wie Wegner. Und weil „der Kai, so bleibt, wie er ist“, wie Wegner es bei seinem Rücktritt über sich selbst formulierte, will er auch noch an seinem Bürgermeister-Sessel bis zum bitteren Ende kleben bleiben – „authentisch“ eben, ganz der Kai.
Kein Phoenix aus der Asche: Der letzte macht das Licht aus
Wäre Wegner bereits nach seinem Skandal um den Tennis-Blackout Anfang des Jahres als Regierender und Landesvorsitzender zurückgetreten, dann hätte die CDU genug Zeit bis zur Wahl gehabt, um mit einem neuen Reformprogramm und einem frischen Gesicht wieder Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Doch in der West-Berliner CDU, die einige als „Schlangengrube“ bezeichnen, wollte sich keiner aus der Deckung wagen und seinen Kopf oder sein Amt riskieren. Und jemand aus der Ost-Berliner CDU wäre nicht mehrheitsfähig. Also verhielten sich alle ruhig und wählten Wegner am 9. Juni trotz seiner Skandale sogar erneut zum Spitzenkandidaten.












