Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner gibt seine Spitzenkandidatur für die CDU zur Abgeordnetenhauswahl im September auf. Das erklärte Wegner vor Journalisten. Er wolle den Weg frei machen, »dass die CDU nicht durch Personaldebatten in den nächsten Tagen und Wochen weiter geschwächt wird«, sagte Wegner. Es gehe ihm darum, nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus ein Linksbündnis unter Führung der Linkspartei zu verhindern.

Einen sofortigen Rücktritt kündigte Wegner nicht an. »Ich bin als Regierender Bürgermeister gewählt und selbstverständlich werde ich die Regierungsgeschäfte auch fortsetzen.«Wegner zieht damit Konsequenzen aus einer monatelangen Debatte um falsche Angaben über sein Krisenmanagement nach einem großen Stromausfall im Januar. Schon kurz nach dem folgenreichen Brandanschlag auf die Stromversorgung am 3. Januar, in dessen Folge 100.000 Menschen teils tagelang keinen Strom mehr hatten, geriet er in die Kritik. Unter anderem deswegen, weil er verschwiegen hatte, am ersten Tag der Krise mittags Tennis gespielt zu haben.

Nach einem Eilantrag des »Tagesspiegels« musste Wegners Senatskanzlei schließlich zugeben, am 3. Januar vor 12.45 Uhr keine dienstlichen Telefonate zum Blackout geführt zu haben. Gegenüber dem Sender Welt TV hatte er noch behauptet: »Ich habe in der Tat um 8.08 Uhr begonnen, die Telefonate zu führen. Ich habe mit den Krisenstäben telefoniert, mit Stromnetz.«Mit diesen Widersprüchen hatte Wegner den Ärger zahlreicher CDU-Mitglieder auf sich gezogen. In einem offenen Brief forderte ein Mitgliederbündnis seinen Rücktritt und den Verzicht auf die Spitzenkandidatur für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September. Über den Brief hatte zuerst das Portal »Table.Briefings« berichtet.