Depressionen gehören zu den am besten behandelbaren psychischen Erkrankungen. Die wichtigsten therapeutischen Verfahren sind die Psychotherapie und die medikamentöse Therapie mit Antidepressiva. Behandlungsleitlinien empfehlen beide Verfahren gleichermaßen. Doch woher weiß man, wie gut sie wirken? Und ist es berechtigt, dass 75 Prozent der Patienten eine Psychotherapie gegenüber einer Behandlung mit Medikamenten bevorzugen? Was spricht für das eine, was für das andere Verfahren?Die Wirksamkeit von Therapien wird in der Medizin mit randomisiert-kontrollierten Studien ermittelt. Bei Medikamenten vergleicht man die Wirksamkeit eines Antidepressivums mit einem Scheinmedikament, einem sogenannten Placebo, wobei die Patienten zufällig dem Therapie- oder Kontrollarm zugewiesen werden und weder Studienarzt noch Patient wissen, was verabreicht wird. Mit solchen Studiendesigns versucht man sicherzustellen, dass die beobachteten Effekte wirklich auf die Substanz und nicht auf unspezifische Effekte wie eine natürliche Verbesserung im Verlauf oder Erwartungseffekte des Patienten zurückzuführen sind. Die würde man nämlich auch unter Placebo sehen. Solche Studiendesigns sind in der Psychotherapieforschung aber nicht möglich.Psychotherapien werden zwar auch in randomisiert-kontrollierten Studien getestet, aber die Kontrollgruppen sind dabei sehr oft Patienten, die deshalb keine Therapie erhalten, weil sie auf eine Warteliste kommen. Dann wissen Patient und Studienarzt natürlich, wer in welchem Therapiearm ist. Die unspezifischen Therapieeffekte werden somit der Psychotherapie quasi draufgerechnet und in der Folge die Effekte von Psychotherapie überschätzt. Dies ist in Metaanalysen gezeigt worden, und wenn man die beschriebenen Verzerrungsfaktoren berücksichtigt, gleicht sich die Wirksamkeit von Psychotherapie und Medikamenten an. Dazu passt auch, dass in randomisiert-kontrollierten Studien, in denen Patienten entweder Psychotherapie oder ein Antidepressivum erhielten, die Wirksamkeit vergleichbar war. Daher halten die Leitlinien fest: Beide Verfahren sind gleichermaßen wirksam und können zur Therapie empfohlen werden.Tabletten helfen schnell, aber viele Menschen sind skeptischFür welche Behandlung sollte man sich nun aber entscheiden? Ein wichtiges Kriterium ist der Schweregrad der Depression: Bei leichten Ausprägungen ist Zurückhaltung angebracht – viele leichte Depressionen bilden sich auch ohne Therapie zurück, ärztliche Beratung, Selbsthilfeliteratur und Verlaufsbeobachtung sind oft ausreichend.Bei mittelgradiger Ausprägung werden beide Verfahren empfohlen, bei schweren Verläufen eine kombinierte Behandlung aus Psychotherapie und Medikamenten. Medikamente haben in der Praxis Vorteile: Sie sind gut verfügbar und wirken meist schneller. Innerhalb von ein bis zwei Wochen bessern sich häufig schon die Symptome, und viele Patienten mit schwerer Ausprägung sind erst dann für eine Psychotherapie offen, wenn sich ihre Symptome etwas gebessert haben. Psychotherapie hat das Problem langer Wartezeiten, und die Wirkung setzt langsamer ein. Der Vorteil der Psychotherapie: Körperliche Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme oder sexuelle Funktionsstörungen treten nicht auf. Außerdem können Patient und Therapeut an den Faktoren arbeiten, die die Depression ausgelöst haben – etwa zwischenmenschliche Probleme oder Konflikte. Bei wiederkehrenden Verläufen erweist sich Psychotherapie zudem als guter Rückfallschutz.Die Therapieentscheidung sollte immer gemeinsam mit dem Therapeuten nach entsprechender Aufklärung getroffen werden. Dabei sind Schweregrad, Vorerfahrungen, medizinische und psychosoziale Rahmenbedingungen sowie Behandlungspräferenzen zu berücksichtigen. Wenn innerhalb weniger Wochen keine deutliche Verbesserung eintritt, muss über einen Wechsel des Verfahrens, eine Kombination oder andere Verfahren nachgedacht werden.
Depressionen: Wirken Tabletten besser oder Psychotherapie?
Gegen Depressionen helfen Antidepressiva oder Psychotherapie. In welchen Fällen welche Behandlung sinnvoll ist, lässt sich nicht allein anhand von Studiendaten entscheiden.






