Der deutsche Heimatfilm ist zurück! Und er ist so völlig anders als sein kitschiger Verwandter der Fünfzigerjahre. Der neue Heimatfilm braucht keine Trachten und keine Schlager, er interessiert sich nicht für idyllische Landschaften und nicht einmal für Liebesgeschichten. Er sucht nicht die Verdrängung, er sucht sein Land. Und findet es in der Provinz.

Im vergangenen Jahr erkundete der Regisseur Julian Radlmaier in Sehnsucht in Sangerhausen mit einer Handvoll gestrandeter Figuren den Alltag des historischen Städtchens im Harz. Zwischen Abraumhalden aus DDR-Zeiten, dem Barbarossamythos und der Rosentorte im Stadtcafé blickt die Kamera fast zärtlich auf ein Deutschland, in dem die einen eine Heimat suchen und die anderen ihr Heimatgefühl verloren haben. Fatih Akins Amrum hingegen spielt während der letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs. Die raue Insel mit ihren Fischern und Bäuerinnen, Deichen und Dünen ist der Schauplatz einer Geschichte vom Verlust der Illusionen. Aus der Perspektive eines zwölfjährigen Jungen erleben wir, wie der von den Nazis missbrauchte Begriff der Heimat in sich zusammenfällt und neu entsteht.