Natürlich ist dieser Titel ironisch gemeint: „Etwas ganz Besonderes“. Und ist es auch wieder nicht. Weil ihr nichts einfällt, das an ihr besonders sein könnte, antwortet die sechzehnjährige Lea (Frida Hornemann), die sehr gut singt und mit einem eigenen Lied bei einer Castingshow teilnimmt, auf die Frage einfach: „Nichts.“ Das Kamerateam verzweifelt, macht Vorschläge, bietet Sätze an, die passen könnten. Beim Zuschauen überlegt man automatisch selbst, was sie sagen könnte, hält ihr Schweigen kaum aus. Ihr Vater steht daneben und kann ihr auch nicht helfen. Die Mutter regt sich ohnehin darüber auf, dass die Show „das Individuum ins Zentrum stellt statt der Gemeinschaft“. Am Ende verhaspelt sich Lea sogar bei ihrem Namen und Alter.Was die Talentshow nicht transportiertUnd natürlich macht sich die Szene, eine der ersten des Films, ein wenig lustig über die Aufmerksamkeitslogik des Fernsehens. Sie zeigt außerdem ein Mädchen und eine ganze Familie, die sich gar nicht herausnehmen möchte, etwas Besonderes zu sein – und wenn doch, weisen sie sich sicherlich gegenseitig darauf hin, was sie sich damit herausnehmen. Vor allem aber weist die Szene voraus auf das implizite, selbst zurückgenommene Programm des ganzen Films: zu zeigen, dass Lea und ihre Familie nämlich doch etwas Besonderes sind. Ganz unironisch. Dass es allerdings eine andere Erzähllogik braucht als die der Talentshow, um dieses Besondere sichtbar zu machen. Sie selbst können sie nicht wahrnehmen, sie wird nur beim Zusehen von außen sichtbar, wird in die Augen der Zuschauer verlagert.Die Regisseurin Eva Trobisch 2026 auf der BerlinaleEPADas klingt jetzt didaktischer, als es ist. Eva Trobisch macht keine didaktischen Filme. Die Regisseurin, 1983 in Berlin geboren, nimmt Themen, die allein durch ihre Relevanz schon wichtige Filme ergäben, und macht aus ihnen große Filme: solche, die komplexer, schöner, genauer, humorvoller und dadurch beglückender sind als fast alles, was man gerade sonst so im deutschen Gegenwartskino sehen kann. Ihr letzter Film „Ivo“ erzählte von Pflege und Beihilfe zum Suizid, ihr Debüt „Alles ist gut“ von der Vergewaltigung durch einen Bekannten, und „Etwas ganz Besonderes“, mit dem sie dieses Jahr erstmals im Wettbewerb der Berlinale zu sehen war, könnte man auch als Film über eine ostdeutsche Kleinstadt in der Krise verstehen. Und doch sind es vielmehr die Erzählweisen als die Inhalte, die Trobischs Filme besonders machen. Ihr geht es nie um Aussagen, sondern um Stimmungen, nie um Prätentiöses, sondern um das Unauffällige, das sie ausleuchtet, ohne es dafür aufbauschen zu müssen. Lakonischer Naturalismus und melancholische Zärtlichkeit kommen hier zusammen, ihr gelingt das Schwärmerische genauso wie das Analytische.
Tatsächlich besonders: Trobischs "Etwas ganz Besonderes"
Eva Trobisch macht Filme, die komplexer, genauer, humorvoller und dadurch beglückender sind als fast alles, was man gerade sonst so im deutschen Gegenwartskino sehen kann. Jetzt läuft „Etwas ganz Besonderes“ an.







