Lily, 17, aus Suva auf Viti Levu (Fidschi)Kiribati ist wunderschön. Meine Heimat besteht aus lauter kleinen Korallenatollen, mitten im Pazifik. Die Kinder in Europa kennen mein Land wahrscheinlich nicht. Genau das ist auch unser Problem, wenn es um die Klimakrise geht: Die kleinen Inselstaaten in Ozeanien werden von den großen Ländern vergessen. Das ist unfair, denn was der Rest der Welt macht, betrifft uns sehr. Wir sind so verletzlich. Der höchste Punkt Tarawas, der Hauptinsel Kiribatis, liegt nur drei Meter über dem Meeresspiegel. Überschwemmungen und heftige Stürme, die nennt man hier Zyklone, treffen uns mit vernichtender Kraft. Viel mehr als Sand und Kokosnusspalmen gibt es hier nicht – keine Dämme oder Berge, auf die man sich bei Überflutungen zurückziehen kann. Zyklone gab es schon immer, aber nicht in dieser Heftigkeit und Häufigkeit. Meine Heimat wird in den nächsten Jahren unbewohnbar sein und eines Tages vollständig im Meer versinken.
Lily, 17: »Meine Heimat versinkt im Meer«
Wir haben unser Land deshalb verlassen und leben auf Viti Levu, der Hauptinsel Fidschis, drei Flugstunden von Kiribati entfernt. Viti Levu liegt erhöht und ist ein sicherer Wohnort. Meine Tante ist Lehrerin und wohnt noch in Kiribati. Bei der jüngsten Überflutung lief das Meerwasser in die Klassenräume. Ich bin wütend über die Untätigkeit der Politik, aber auch erstaunt, wie viele Menschen noch immer die Klimakrise leugnen – sogar viele Bewohnerinnen und Bewohner der Pazifikstaaten. Sie wollen nicht wahrhaben, dass ihre Heimat verschwindet, weil sie keine Alternative sehen, anderswo leben zu können. Australien hat zwar extra ein Programm eingerichtet, um Pazifik-Bewohner aus Tuvalu aufzunehmen, einem weiteren Pazifik-Staat, der gerade unbewohnbar wird, aber dort einen Platz zu bekommen, ist wie ein Lotto-Gewinn. Nicht alle Klima-Flüchtlinge des Pazifiks können dorthin. Was wird aus uns?







