Es hat noch kein Ton seinen Mund verlassen, da steigt Marcus Mumford mit schneeweißen Turnschuhen auf eine Verstärkerbox, führt seine Hände über dem Haupt zusammen und sendet eine Dankesgeste in den Himmel. Bereits während der ersten Viervierteltakte spiegelt das Publikum seine Geste. Kurz nach 20 Uhr erweckt ein dem Pferdegalopp entlehnter Rhythmus einen zweistündigen Klatschdauerlauf – doch wer wollte den Abertausenden ihre Festtagsstimmung verdenken bei diesem abendblauen Julipanorama über der Murellenschlucht? Doch kein Schreiberling?
Hüpfburg voller Millennials
Das Eröffnungsstück trägt den schlüssigen Titel „Begin Again“. Gäbe das sogenannte Kuschelhormon Oxytocin eine Melodie von sich, es klänge wie Marcus Mumford – mindestens an diesem Donnerstag. Tut dieser Anwurf dem Botenstoff unrecht oder dem Frontsänger? Auch eine abschließende Klärung jener Frage obliegt natürlich dem Einzelnen.
Die Band auf der Bühne jedenfalls überlässt den Refrain ihres zweiten Konzertstücks dem Auditorium: „But it was not your fault but mine and it was your heart on the line“. Binnen zweier Minuten verwandelt sich die ausverkaufte Waldbühne nun in eine kindsköpfige Hüpfburg voller glückseliger Millennials, der klassischen Mumford-Crescendo-Brachialfolk-Dramaturgie sei Dank. Tausende Handys werden mit einer selbstverständlichen Heiterkeit gezückt, als wären es Flutschfinger im Freibad – immerhin, es läuft „Little Lion Man“, ein Radiogassenhauer aus dem Jahre 2009!









