Jemand musste Mac D. etwas Falsches verraten haben, denn ohne dass es nötig gewesen wäre, versicherte er dem Publikum im ausverkauften Capitol in Offenbach mehrmals seine Liebe zur klassischen Musik. Hatte dem kanadischen Sänger Mac DeMarco eine halluzinierende Künstliche Intelligenz den hübschen Saal als Konzertstätte primär für Sinfonieorchester verkauft? Oder steckte gar ein „Schelmenstreich“ des in Offenbach aufgewachsenen Springer-CEOs Mathias Döpfner dahinter? Wie auch immer, jedenfalls hatte wohl der Titel der seit 20 Jahren in dem Gebäude veranstalteten Konzertreihe „Capitol Classic Lounge“ den Musiker annehmen lassen, in einem sonst nicht der Popmusik offenen Musentempel gelandet zu sein.Flüsterte er deshalb auch meist seine Ansagen ins Auditorium, oder verwies er mit dem gedämpften Tonfall nicht eher gewitzt auf das Klangbild seiner eigenen Musik, die ja kaum noch krachig, sondern längst eher schluffig, entspannt und loungig daherkommt? Als „Bedroom Pop“ sind die Songs DeMarcos klassifiziert worden, was aber nicht auf eine etwaige einschläfernde Wirkung, sondern ihre Produktionsweise abzielt. Wie die Lo-Fi-Vertreter in den Neunzigerjahren nimmt der Musiker seine Tracks gerne zu Hause im Alleingang auf, so auch die Songs seines jüngsten, in Los Angeles entstandenen Albums „Guitar“.Die gehörten zum umfangreichen Programm des fast zwei Stunden dauernden Konzerts, nun allerdings von einer vierköpfigen Band intoniert, die gleichwohl bemüht war, den minimalistischen Ansatz der Originale nicht mit zu viel Einsatz zu verwischen. Ein kleiner Gitarren-Lick oder ein sanftes Keyboard-Flirren reichten da oft schon als Verzierung.Etwas opulenter arrangiert und damit bisweilen in der Nähe des von DeMarco durchaus geschätzten Softrock der späten Siebzigerjahre waren die Songs von älteren Alben wie „This Old Dog“ oder „Here Comes The Cowboy“. Die hatten ihren vollen Klang nicht zuletzt aber auch dem tausendstimmigen Chor im sehr jungen Publikum zu verdanken, der etliche Lieder von der ersten bis zur letzten Silbe mitsang und so dem grundsätzlich sehr ruhigen Konzert doch einen Hauch von Überschwang verlieh.Denn Rock ’n’ Roll wie in früheren Jahren, als DeMarco noch dauerrauchend (der Song „Ode to Viceroy“ war seiner Lieblingszigarettenmarke gewidmet) einer Art von Glam-Rock nachhing und den „Rock and Roll Night Club“ besang, gibt es in der reifer gewordenen Version des mittlerweile 36 Jahre alten Sängers und Gitarristen eigentlich nicht mehr. Der hat den Zigaretten und dem Alkohol abgeschworen und spannt nun lieber eine musikalische Hängematte, in der es sich behaglich wegträumen lässt zu sonnenbeschienenen Stränden, zu durch Hände rieselndem Sand oder von den erwartungsfrohen Fahrten dorthin.Dieser Wohlfühl-Sound, ob nun solo oder in kleiner Bandbesetzung angeboten, erklärt vermutlich auch den immensen Erfolg des Kanadiers, der mehr als eine Milliarde Streams seiner Songs verzeichnen kann, dabei aber nicht etwa einen Plattenvertrag bei einem Major hat, sondern seine Musik auf seinem eigenen Mac’s Record Label veröffentlicht. Irgendwie klassisch, könnte man meinen. Klassisch Indie. Und vielleicht hat Mac DeMarco ja dies mit seiner Liebe zur klassischen Musik gemeint.