Bosch rüstet bei E-Bikes aufMit kostenlosem Drehmoment-Upgrade auf 120 Nm und schnellerem Ladegerät versucht der Konzern seine Vormachtstellung auch gegen die Konkurrenz aus China zu verteidigen.Matthias Pfannmüller10.07.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenDer neue Radnabenmotor von Bosch heisst Hub-Line und wiegt 2,3 Kilogramm.PDVor siebzehn Jahren stieg Bosch mit seiner damals neuen Sparte E-Bike Systems ins Pedelec-Geschäft ein – und ist in dieser Zeit zum Marktführer aufgestiegen: Inzwischen beliefert die Firma über hundert Fahrradhersteller mit Elektromotoren und bietet neben hoher Zuverlässigkeit das dichteste Servicenetz der Branche. Doch auch am Firmensitz in Reutlingen spürt man den zunehmenden Konkurrenzdruck, vor allem jenen aus China. Auf den Trend zu mehr Leistung hat Bosch jüngst mit einem kostenlosen Drehmoment-Update auf 120 Nm bei den CX- und CX-R-Motoren sowie einem schnelleren Ladegerät reagiert.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Am anderen Ende des Leistungsspektrums baut Bosch zum Modelljahr 2027 sein Angebot mit einer komplett neuen Motorenfamilie aus. Das Warten habe sich gelohnt, beteuert der Hersteller: Der zehn Zentimeter tiefe Nabenmotor nennt sich Hub-Line, ist für urbane Bikes gedacht, wartungsarm, kompakt und 2,3 Kilogramm leicht. Mittelmotoren sind zwar kaum schwerer, doch die Gewichtsverlagerung nach hinten verspricht ein entspannt-sicheres Fahrgefühl.Die Maximalkraft beträgt zunächst 45 Nm. Das ist mehr als genug in der Ebene, wie wir auf einer ersten Testfahrt erlebt haben, reicht aber nicht für Alpentouren. Doch Bosch erwartet vor allem in Grossstädten mit zunehmend velofreundlicher Infrastruktur eine Zunahme an zweirädriger Fortbewegung. Der E-Bike-Systems-Geschäftsführer Claus Fleischer verweist dabei auf Bentonville im US-Bundesstaat Arkansas: Am Walmart-Firmensitz ist ein Fahrradparadies entstanden, und obwohl der Schwerpunkt dort auf dem Mountainbike liegt, wird das Konzept weltweit als Pilotprojekt für ähnliche urbane Verkehrsmodelle verstanden.Viele Velofahrer steigen auf E-Bikes umDie Frage, ob auf weitgehend gerader Fläche überhaupt elektrische Unterstützung notwendig ist, wird auch in den fahrradaffinen Niederlanden klar mit Ja beantwortet: 73 Prozent des Gesamtumsatzes im dortigen Handel sind Pedelecs, 2025 wurden knapp 400 000 Stück verkauft.E-Bikes werden insbesondere von älteren Menschen als Segen empfunden, die sonst gar nicht mehr Rad fahren würden. Die Bosch-Hub-Line spricht auch diese Kundengruppe an, obwohl sich die Bosch-Marketing-Abteilung auf eine «besonders junge, neue Generation von E-Bikern» ausrichtet, «die sowohl pragmatisch als auch nachhaltig denkt und ein E-Bike für den städtischen Alltag sucht, das leicht, stilvoll und nahtlos vernetzt ist». In der Schweiz werden in den kommenden Wochen zunächst die Velomarken Canyon, Moustache und Tour de Suisse mit entsprechenden Citybikes auf den Markt kommen.Bei ersten Testfahrten gefiel uns vor allem das lässig-leichte Fahrgefühl, an dem auch eine überarbeitete Peripherie ihren Anteil hat: Der neue LED-Controller links am Lenker ist ergonomisch optimiert und wirkt robuster als die bisherige, deutlich grössere Steuerung. Er verfügt über zwei Wippen für Licht und Schiebehilfe. Auswählen lassen sich die Unterstützungsstufen Eco, Tour oder Turbo aber auch über einen USB-C-Port per Smartphone.Die Bedienung des Bosch-Antriebs ist einfacher und robuster gestaltet als bis anhin.PDDas Cockpit kann mit dem ebenfalls neuen 2,4-Zoll-Bildschirm Intuvia 200 optional erweitert werden, der weniger scharfkantig ist als sein Vorgänger. Beim Energiespeicher setzen beispielsweise die E-Bike-Hersteller Moustache und Canyon auf den ebenfalls neuen, 2,1 Kilo wiegenden «Power Tube»-Akku mit 360 Wh, mit dem man gut fünfzig Kilometer weit kommt. Bosch bietet für die Hub-Line gegenwärtig eine Batteriekapazität bis zu 400 Wh an. Erhältlich ist zudem eine kleinere 250-Wh-Einheit, die als Reichweitenverlängerer dienen kann.Drei Übertragungsvarianten sind wählbarGrundsätzlich ist der Nabenantrieb mit allen Kettenschaltungen kompatibel, die auf einen handelsüblichen Shimano-Freilauf passen, meist mit zwölf Gängen. Alternativ gibt es eine schlanke 1-Gang-Variante sowie eine Zweistufen-Untersetzung mit Carbon-Riemen, die der deutsche Spezialist Universal Transmission entwickelt hat. Im Stadtgewusel überzeugt der Bosch-Antrieb mit passender Spreizung sowie auffallend sanftem Gangwechsel. Dieser erfolgt bis anhin zwar nicht automatisch, erweist sich aber als eine der zuverlässigsten E-Bike-Konfigurationen auf dem Markt.Elektrisch unterstützt der Bosch-Antrieb generell bis 25 km/h. Bei höherer Geschwindigkeit kuppelt der Motor weich aus, dann lässt es sich dank Freilauf auch ganz normal pedalieren.Die Hub-Line fügt sich nahtlos in das Bosch-eigene App-System ein: Individuelle Einstellungen, wahlweise manuelle oder automatische elektrische Gangwechsel, Navigation oder ein erweiterter Diebstahlschutz gehören dazu, sind teilweise aber kostenpflichtig. Doch öffnet Bosch seine Live-Data-Schnittstelle für Drittanbieter wie Garmin, was Besitzer entsprechender Endgeräte freuen wird.Neben diesen Neuheiten hat der süddeutsche Hersteller auch laufende Produktlinien überarbeitet. So wiegt die nächste Version der Mittelmotor-Baureihe Active Line Plus nur noch 2,7 Kilogramm, ist also 500 Gramm leichter geworden. Zwischen den bekannten Akkugrössen mit 625 und 800 Wh gibt es jetzt auch eine mittlere mit 720 Wh – sie ist günstiger und erlaubt Veloproduzenten so mehr Gestaltungsspielräume.Neben neuen Produkten hat der Branchenprimus auch den wachsenden Occasionshandel im Auge und bietet hier ein interessantes Geschäftsmodell: «Certified by Bosch» ist eine Art Prüfsiegel für Gebraucht-E-Bikes und bietet künftig eine Entscheidungshilfe für kostenbewusste Kunden. Das Zertifikat sichert ihnen den Zustand von Antrieb, Akku, Elektronik sowie die rechtmässige Herkunft zu. Die Bescheinigung soll ab 2027 von Fachhändlern ausgestellt werden können, doch schon ab Juli 2026 arbeitet Bosch mit dem Velo-Aufbereiter Rebike bei der Zertifizierung zusammen. Weitere Partnerschaften sollen folgen.Ab Juli 2026 arbeitet Bosch zur Zertifizierung von Komponenten an gebrauchten E-Bikes mit Rebike zusammen.PDPassend zum Artikel