China produziert Waren, die in China immer weniger Absatz finden. Dem Land droht ein Rückfall in die DeflationNeue Inflationsdaten deuten darauf hin, dass sich Chinas Hersteller nicht aus der negativen Preisspirale befreien können. Das dürfte sich auch auf die nationalen Wachstumszahlen auswirken.Sabine Gusbeth, Peking10.07.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenBereit für den Export ins Ausland: In China hergestellte Autos werden im Hafen von Lianyungang in der Provinz Jiangsu verladen.ImagoAm Donnerstag gab die nationale Statistikbehörde Chinas neue Zahlen zu den Produzentenpreisen bekannt. Sie zeigen, dass Chinas Produzenten im Juni keine höheren Preise am Markt durchsetzen konnten. Zwar waren die Produzentenpreise höher als im Vorjahresmonat, doch im Vergleich zum Vormonat Mai sanken sie um 0,3 Prozent. Hauptgrund dafür seien gesunkene Energie- und Rohstoffkosten vor dem Hintergrund politischer Einigungen im Nahen Osten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die neuen Daten deuten darauf hin, dass sich Chinas Hersteller gezwungen sehen, diese gesunkenen Kosten direkt an die Kunden weiterzugeben, um im harten Wettbewerb zu bestehen. Der ruinöse Preiswettbewerb ist eine Folge des hohen Angebots und der geringen Nachfrage in China.Einige Ökonomen hatten gehofft, dass die zwischenzeitlich gestiegenen Energiepreise infolge des Iran-Kriegs zu einer Trendwende führen könnten. Dies scheint jedoch nicht geschehen zu sein: Während die Produzentenpreise 4,1 Prozent höher lagen als im Juni vergangenen Jahres, stiegen die Verbraucherpreise im selben Zeitraum nur um ein Prozent.Harter Preiswettbewerb führt zu VerlustenChinas Produzentenpreise waren im März nach den Angriffen der USA und Israels auf Iran erstmals nach mehr als drei Jahren gestiegen. Zuvor waren die Preise mehr als vierzig Monate gefallen, weil viele Anbieter um die zurückhaltenden Konsumenten konkurrierten. Dies hat zur Folge, dass immer mehr Unternehmen Verluste schreiben. Laut einer Analyse des China-Think-Tanks Merics waren im vergangenen Jahr fast 24 Prozent der Unternehmen in China defizitär.Die meisten Volkswirte halten sinkende Preise für problematischer als steigende Preise. Denn wenn Konsumenten und Unternehmen damit rechnen, dass Preise erneut sinken, schieben sie Kauf- und Investitionsentscheidungen weiter auf. Diese Negativspirale bremst das Wirtschaftswachstum.Private Investitionen sanken zwischen Januar und Mai um 7,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, wie Daten der Statistikbehörde zeigen. Die Einzelhandelsumsätze stiegen im gleichen Zeitraum leicht, um 1,4 Prozent. Im Mai waren sie sogar um 0,6 Prozent gesunken.Chinas Firmen suchen Rettung im ExportDie geringe Nachfrage in China und der harte Preiswettbewerb sorgen auch dafür, dass immer mehr Unternehmen ihre Waren ins Ausland exportieren. Besonders deutlich wird dies auf dem Automarkt. Das zeigen Daten, die Chinas Verband für Personenkraftwagen (CPCA) am Mittwoch veröffentlichte: Gemäss diesen brach der Autoabsatz in China im Vergleich zum Vorjahresmonat um 23 Prozent auf 1,6 Millionen Fahrzeuge ein. Die Exporte stiegen dagegen um 82 Prozent auf 877 000 Fahrzeuge.Der starke Anstieg bei den Exporten führt in immer mehr Ländern zu einer Abwehrreaktion. So verständigten sich die Regierungschefs der EU-Staaten Mitte Juni auf handelspolitische Abwehrmassnahmen gegenüber China. Chinas Staatsführung weist Kritik von aussen an den Überkapazitäten vehement zurück.Die offiziellen Daten, wie sich die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt zwischen April und Juni entwickelt hat, sollen am kommenden Mittwoch veröffentlicht werden. Chinas Ministerpräsident Li Qiang sagte beim Sommer-Davos-Wirtschaftsforum Ende Juni, China habe «die gute Entwicklungstendenz fortgesetzt».Ein weiteres Problem: der ImmobilienmarktIm ersten Quartal war Chinas Wirtschaft gemäss offiziellen Angaben um 5 Prozent gewachsen. Für das Gesamtjahr hat die Staatsführung ein Wachstumsziel von 4,5 bis 5 Prozent vorgegeben. Das Wirtschaftswachstum gilt in China jedoch als politische Zahl. Daher gibt es immer wieder Zweifel an der Korrektheit der offiziellen Daten.2024 hatte der jüngst verstorbene chinesische Ökonom Gao Shanwen mitgeteilt, dass er Chinas Wirtschaftswachstum in den drei Jahren zuvor für um 3 Prozentpunkte überschätzt halte. Der Internationale Währungsfonds und die Weltbank rechnen in ihren neuesten Prognosen, die diese Woche veröffentlicht wurden, mit einem Wachstum von Chinas Wirtschaft 2026 um 4,6 beziehungsweise 4,4 Prozent.Grund für das langsamere Wachstum sind neben der Konsumzurückhaltung vieler Haushalte auch die anhaltenden Probleme auf dem Immobilienmarkt. Dort führen gestoppte Bauprojekte und sinkende Preise zu einem Vertrauensverlust bei Investoren und Käufern.Passend zum Artikel