In seiner Regierungserklärung hat Kanzler Friedrich Merz eine für die Bundeswehr und deren Fähigkeiten bedeutsame Ankündigung gemacht: Deutschland wird von den USA Marschflugkörper vom Typ Tomahawk erwerben. Dies sei am Rande des Nato-Gipfels mit der US-Regierung von Präsident Donald Trump vereinbart worden.Damit wird massiv in ein System investiert, mit dem Trumps Vorgänger Joe Biden Deutschland noch kostenlos schützen wollte. Wie viele Tomahawk-Marschflugkörper samt zugehöriger Raketenstartrampen des Typs Typhon von Deutschland gekauft werden, ist offiziell nicht bekannt. Ein Tomahawk kostet je nach Modell etwa ein bis zwei Millionen Dollar. Hinzu kommen wie bei solchen Verträgen üblich langfristige Wartungsverträge für die Raketen und Startgeräte.Das System gilt als hocheffektive Mittelstreckenwaffe. „Wir schließen damit eine wichtige strategische Lücke in unserer Verteidigung, und wir werden gleichzeitig daran arbeiten, eigene europäische Systeme zu entwickeln und in Europa zu stationieren“, sagte Merz im Bundestag.Wir schließen damit eine wichtige strategische Lücke in unserer Verteidigung.Friedrich Merz, Bundeskanzler (CDU)Der vor 43 Jahren von den US-Streitkräften in Dienst gestellte und beim Angriff auf den Irak 1991 erstmals eingesetzte Marschflugkörper ergänzt das Arsenal der Bundeswehr um eine bisher nicht vorhandene Waffe.Ihre Reichweite ist damit deutlich größer als die des Marschflugkörpers Taurus der deutschen Armee, der offiziellen Angaben zufolge bis zu rund 500 Kilometer entfernte Ziele attackieren kann und zudem von Kampfjets gestartet werden muss.Als Begründung für die Aufrüstung der deutschen Truppe gilt die Bedrohung durch Russland. Durch den Angriffskrieg von Machthaber Wladimir Putin gegen die Ukraine seit Februar 2022 veränderte sich die Sicherheitslage auch in Zentraleuropa. Tomahawk-Marschflugkörper können Ziele weit auf russischem Territorium erreichen. Die Entfernung von der deutschen Ostgrenze zur russischen Hauptstadt beträgt etwa 1500 Kilometer, Moskau liegt daher in Reichweite.Der Republikaner Trump hatte Anfang Mai angekündigt, die Zahl der US-Truppen in Europa zu reduzieren. Dabei stoppte Washington auch die geplante Stationierung einer Einheit mit den Tomahawk-Marschflugkörpern in Deutschland. Der jetzt von Merz publik gemachte Kauf dürfte zu Trumps neuer Strategie gehören: Die Europäer müssen für ihre Sicherheit selbst zahlen – etwa durch den Kauf von Waffen in den USA.Zu Zeiten des Kalten Krieges hatten die USA Mittelstreckenwaffen in Deutschland stationiert. Nach dem Ende der Sowjetunion bauten beide Seiten die Raketenarsenale in Europa deutlich ab. Offen ist der Zeitpunkt der Lieferung der Tomahawk 2014 hatten die USA unter dem Demokraten Biden der Bundesrepublik für das Jahr 2026 in Aussicht gestellt, Tomahawk sowie Raketen vom Typ SM-6 und neu entwickelte Hyperschallwaffen in Deutschland zu stationieren – kostenlos und samt US-Personal.Den jetzigen Durchbruch hielten beide Regierungen bislang geheim. Regierungskreisen zufolge hatten die Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und Pete Hegseth bereits am Tag vor dem Nato-Gipfel einen sogenannten Letter of Intent, eine Art Absichtserklärung für den Verkauf der US-Waffensysteme an Deutschland, gezeichnet. Als Pistorius in Ankara danach gefragt wurde, blieb er jedoch bei vagen Aussagen.Offen ist der Zeitpunkt der Lieferung der Tomahawk. Inwieweit sich hier der Krieg der USA gegen den Iran auswirkt, in dem die Tomahawk ebenfalls eingesetzt werden, ist unklar. Ende März hieß es in unterschiedlichen US-Berichten, die amerikanischen Truppen hätten bereits mehr als 850 Marschflugkörper abgefeuert. Das entspreche etwa dem Neunfachen der Zahl von Tomahawk, die das Pentagon im Jahresdurchschnitt kaufe, so der Sender CBS News.Die europäischen Nato-Staaten verfügen derzeit nicht über eigene Mittelstreckenwaffen. Mittelfristig wollen mehrere Verbündete ein eigenes Waffensystem für weitreichende Präzisionsangriffe beschaffen. Dazu wurde 2024 auf dem Nato-Gipfel in Washington das Projekt Elsa („European Long-Range Strike Approach“) initiiert.Mehrere europäische Verbündete wollen unter diesem gemeinsamen Dach einen eigenen Marschflugkörper mit einer Reichweite von mehr als 2000 Kilometern entwickeln. Dies sieht nach Angaben der Bundesregierung Investitionen in Höhe von 50 Milliarden Euro vor, die etwa zur Hälfte Deutschland bestreiten werde. Pistorius hatte von einer „Fähigkeitslücke“ in Europa gesprochen.Die Tomahawk-Raketen sind somit eine Übergangslösung und sollen Russland, das bereits über Mittelstreckenwaffen verfügt, von Angriffen auf das Nato-Bündnisgebiet abschrecken. (mit Agenturen)
Marschflugkörper-Deal mit Trump: Merz-Regierung kauft Tomahawk – die Biden kostenlos in Deutschland stationieren wollte
Um Putin abzuschrecken, wird in Deutschland aufgerüstet – mit einem Waffensystem aus Washington. Weil der Präsident dort aber nicht mehr Biden, sondern Trump heißt, gibt es den Schutz nicht gratis.










