Die jüngste amerikanische Angriffswelle auf Iran in der Nacht zum Donnerstag enthielt allerhand Botschaften an Teheran. Da war zum Beispiel die Bombardierung einer Eisenbahnbrücke im Nordosten des Landes, die nach iranischen Angaben eine zentrale Bedeutung für den Frachtverkehr nach Zentralasien hat. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor schon damit gedroht, die Seeblockade iranischer Häfen wieder aufzunehmen. Eine parallele Einschränkung von Landrouten könnte das wirtschaftlich am Boden liegende Land hart treffen.Der amerikanische Präsident erwähnte auf seiner Pressekonferenz am Mittwochabend in Ankara außerdem, dass die Insel Kharg bombardiert worden sei, von der Iran einen Großteil seiner Ölexporte verschifft. Trump verband das mit der Drohung einer möglichen amerikanischen Invasion der Insel. Beides sollte Teheran wohl die Kosten einer weiteren Eskalation vor Augen führen.Vorerst spielte Trump die Gefahr einer Rückkehr zu einem vollumfänglichen Krieg aber herunter. „Ich glaube nicht, dass es wieder anfangen wird.“ Er gehe davon aus, dass es „sehr schnell gehen“ werde, sagte er. Vor den Zwischenwahlen im November dürfte der Präsident kaum Lust auf eine Fortsetzung des Krieges haben. Weil auch die iranische Führung darauf spekuliert, besteht aber laut Iranfachleuten die Gefahr, dass Teheran sich allzu sicher fühle und sein Blatt überreize.Obwohl Trump beim NATO-Gipfel den Waffenstillstand und das im Juni unterzeichnete Memorandum mit Iran für beendet erklärt hatte, schloss er eine Fortsetzung der Verhandlungen am Mittwochabend nicht aus. „Ich bin mir nur nicht sicher, ob sie eines Deals würdig sind“, sagte er. Er wisse nicht, ob Teheran sich daran halten würde. Trump behauptete, die Iraner hätten angerufen. „Sie wollen unbedingt einen Deal machen.“ Aus Teheran gab es dazu keine Angaben.Araghchi wurde von wütenden Gläubigen bedrängtWährend der Begräbnisfeierlichkeiten für das im Krieg getötete Staatsoberhaupt Ali Khamenei ist die Stimmung in Iran so aufgeheizt, dass die Befürworter der Verhandlungen sich im Moment mit Äußerungen zurückhalten. Bei einer der Zeremonien war Außenminister Abbas Araghchi von wütenden Gläubigen bedrängt und mit einem Stein oder Ähnlichem beworfen worden, wie auf einem Video zu sehen war. Irans Hardliner brachten eine Resolution ins Parlament ein, die den Unterhändlern verbieten soll, weiter mit Washington zu sprechen. Bei der Beerdigung Khameneis am Donnerstag in seiner Heimatstadt Maschhad trugen Teilnehmer Plakate mit der Aufschrift „Tötet Trump“.Die amerikanischen Militärschläge am frühen Donnerstagmorgen richteten sich nach iranischen Angaben zumindest symbolisch auch gegen die Trauerfeier. Demnach wurde die Bahnstrecke zwischen Teheran und Maschhad durch den Beschuss zweier Eisenbahnbrücken lahmgelegt. Es war offenbar das erste Mal seit der Vereinbarung des Rahmenabkommens im Juni, dass das US-Militär zivile Infrastruktur bombardierte. Das iranische Außenministerium sprach von einem „Kriegsverbrechen“. Die Revolutionsgarde warf den Vereinigten Staaten vor, auf diese Weise „eine in der Weltgeschichte beispiellose Beerdigungsprozession“ überschatten zu wollen.Allerdings hatte Teheran selbst trotz der Trauerphase die Konfrontation gesucht, als es am Dienstag völkerrechtswidrig drei Handelsschiffe in der Straße von Hormus angriff. Das US-Militär reagierte darauf in der Nacht zum Donnerstag den zweiten Tag in Folge mit einer Angriffswelle, die nach Angaben des Regionalkommandos CENTCOM etwa 90 Ziele umfasste. Die Intensität und geographische Ausdehnung der Bombardements schien über die Einsätze von Mittwoch noch hinauszugehen.Bei den US-Angriffen sollen 14 Personen getötet worden seinNach iranischen Angaben schlossen sie Ziele im Umkreis der strategisch und symbolisch bedeutenden Hafenstädte Tschahbahar und Buschehr ein. Den neuerlichen Bombardements war kein weiterer iranischer Angriff vorausgegangen. Das US-Militär begründete die Schläge damit, dass Irans Fähigkeiten, die Freiheit der Seefahrt in der Straße von Hormus zu bedrohen, dezimiert werden sollten. Nach Angaben des iranischen Gesundheitsministeriums wurden dabei 14 Personen getötet und 78 weitere verletzt.Screenshot eines von CENTCOM veröffentlichten Videos der Angriffe in der Nacht zu Donnerstag auf der Plattform XAFPWie schon am Mittwoch reagierten die iranischen Streitkräfte nach eigenen Angaben mit Vergeltungsschlägen auf US-Stützpunkte in Bahrain und Kuwait sowie auf ein Frühwarnsystem in Qatar. In Kuwait wurde nach offiziellen Angaben eine Person verletzt. Iran stellte klar, dass es ungeachtet des militärischen Drucks an seinem Kontrollanspruch über die Straße von Hormus festhalten werde.Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf schrieb auf der Plattform X: „Die Vereinigten Staaten haben noch immer nicht gelernt, dass Schikanen und die Nichteinhaltung von Zusagen nicht länger ohne Folgen bleiben.“ Die Meerenge werde „nur durch iranische Vorkehrungen wieder geöffnet, nicht durch amerikanische Drohungen“. Trotz der iranischen Angriffe nutzten zuletzt weiter einige Handelsschiffe die vom US-Militär propagierte Route durch die Meerenge entlang der omanischen Küste. Andere kehrten auf halbem Wege um.Die Todesdrohungen gegen den amerikanischen Präsidenten schienen bei Trump zu verfangen. Auf dem Rückflug vom NATO-Gipfel in Ankara sagte er den mitreisenden Journalisten an Bord, sie befänden sich in einem „gefährlichen Flugzeug“. Anders als bei der Anreise nutzte er nicht die von Qatar gesponserte neue Air Force One, sondern ein älteres Modell. Amerikanische Medien berichteten, dies sei auf Empfehlung des Secret Service geschehen.Khameneis Leichnam wurde am Donnerstag mit mehreren Stunden Verspätung zur Beisetzung nach Maschhad geflogen, wo sich abermals eine große Menschenmasse versammelte. Es war die letzte Station einer aufwendigen Trauerzeremonie, mit der das Regime nach innen und außen seine Macht demonstrieren wollte. Von Freitag an beginnt in Iran eine neue Zeitrechnung.