Emiliano Martínez ist kein gewöhnlicher Torhüter. Erst als er kam, wurde Lionel Messi endlich WeltmeisterSeine Spezialität sind Penaltys. Seit Martínez im Tor der Argentinier steht, gewinnen sie Titel um Titel.09.07.2026, 11.50 Uhr3 LeseminutenEmiliano Martínez umarmt nach dem Sieg im Achtelfinal gegen Ägypten Lionel Messi.Ismael Adnan / ImagoIn den vergangenen Jahren hat kein anderer Spieler die argentinische Nationalmannschaft so geprägt wie Lionel Messi – der selbst im fortgeschrittenen Alter von 39 Jahren nicht nachlässt. Er habe Argentinien auf ein neues Niveau gehoben, heisst es, und zweifellos hätte die Mannschaft die Erfolge der letzten Jahre nicht ohne ihren Spiritus Rector erreicht. Doch es gibt andere, die einen gewaltigen Anteil daran haben. Der Trainer Lionel Scaloni zum Beispiel, aber auch der Mann hinter der Abwehrreihe: der Torhüter Emiliano Martínez.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Martínez, auf den die Schweiz im Viertelfinal trifft, ist kein gewöhnlicher Goalie für den dreimaligen Weltmeister: Mit ihm kam der Erfolg. Statistisch lässt sich das problemlos untermauern: 2021 gewann Argentinien die Copa América – es war der erste Titel für Messi mit dem Nationalteam. Ein Jahr später wurde Messi Weltmeister, zwei Jahre später gewann das Team erneut die Copa. Sechzehn Jahre hatte der beste Fussballer der Gegenwart auf diesen Titel warten müssen. Erst mit dem Torhüter Martínez wurde Argentinien zum Seriensieger.Der Torhüter steckt sein Terrain abViermal musste die Mannschaft dafür ein Penaltyschiessen bestreiten. In jedem davon brillierte Martínez. Dank ihm war es keine Lotterie mehr, denn ein Duell zwischen dem Schützen und Martínez ist weit mehr als nur ein spieltechnischer Vorgang. Es ist die Ausweitung der mentalen Kampfzone. Man muss ihn nur beobachten, wie er den Strafraum abschreitet, mit dem Fuss Markierungen an der Fünfmeterlinie setzt. Wie er gegen die Latte klopft und gegen den Pfosten tritt. Da wird ein Revier markiert.Allerdings würde es ihm keineswegs gerecht, ihn auf die Rolle des Penaltyspezialisten zu reduzieren. Denn Martínez ist ein kompletter Goalie: gross, athletisch und so beweglich, dass man von Geschmeidigkeit sprechen kann. Man muss nur an seine wichtigste Parade überhaupt zurückdenken. Als Kolo Muani im Final der WM 2022 kurz vor Ende der Verlängerung das Spiel für die Franzosen hätte entscheiden können, breitete sich Martínez vor ihm aus wie ein Drache, der eine Höhle bewacht – und parierte den Ball mit dem linken Bein.Ein Torhüter, der in einem solchen Moment zu so etwas fähig ist, zählt zur Elite. Inzwischen haben es auch die Jurys gemerkt, die ihn bereits zweimal zum besten Goalie der Welt gewählt haben, in einer Reihe mit Manuel Neuer, Gianluigi Buffon und Iker Casillas. Dabei ist er ein Spätberufener, obschon er schon früh den Sprung nach England wagte. Erst 2020, als er den verletzten Bernd Leno bei Arsenal vertrat, wurde Aston Villa auf ihn aufmerksam. Mit dem Team aus Birmingham gewann er in diesem Jahr die Europa League – trotz einem gebrochenen Finger im Final.Er ist für dreckige Spässe zu habenAls einfacher Charakter gilt er nicht. Seine Provokationen finden beim Gegner keinen Anklang, im Team dagegen wird seine mitreissende Art umso mehr geschätzt. Ein wenig erinnert er an Oliver Kahn, an Spieler, für die einst der Begriff «Mentalitätsmonster» erfunden wurde. Die Fähigkeit, sich in ein Spiel hineinzusteigern, konterkariert Martínez mit seinem Humor. «Dibu» wird er genannt – nach dem koboldhaften Titelhelden einer argentinischen Zeichentrickserie.Dreckige Spässe liegen ihm: Als Martínez in Katar den WM-Pokal entgegennahm, hielt er ihn auf Hüfthöhe und lehnte sich ein wenig zurück. Die anzügliche Geste verärgerte die Gastgeber – doch es gab auch Stimmen, die meinten, mit seiner spontanen Art habe Martínez wettgemacht, was die Gastgeber zuvor angerichtet hatten. Sie hatten Lionel Messi ein traditionelles Gewand, einen sogenannten Bischt, übergehängt, das an einen transparenten Morgenmantel erinnerte und, wie manche fanden, bei einer solchen Zeremonie nichts zu suchen hatte.Martínez kann auch deeskalierenBei den Fans fand sein Auftritt durchaus Anklang. Ohnehin ist er der Favorit der Anhänger, was manchmal mit seiner bodenständigen Art erklärt wird. In privilegierten Verhältnissen ist er nicht gross geworden: «Ich komme aus Mar del Plata und hatte keinen goldenen Löffel», sagte Martínez einst.Auf dem Feld agiert er überaus intelligent – nicht nur in seiner angestammten Aufgabe, sondern auch als Mannschaftsspieler. Denn als Provokateur weiss er auch, wann es andere übertreiben. Als Cristian Romero sich im Spiel gegen Ägypten in breitbeiniger Pose vor Ägyptens Idol Mohamed Salah aufbaute, stellte sich Martínez zwischen die beiden. Er breitete seine mächtigen Arme aus und umarmte den Mitspieler.
Argentiniens Torhüter Martinez: Ohne ihn wäre Messi nie Weltmeister geworden
Seine Spezialität sind Penaltys. Seit Martínez im Tor der Argentinier steht, gewinnen sie Titel um Titel.
















