Mitten in ... FuldaBis hierher war das Abteil mit den lächerlichen acht Fahrradplätzen im ICE angenehm leer. Am Bahnhof Fulda quälen vier Hessisch babbelnde Rentner ihre E-Bikes in den Zug nach Hamburg. Die dicken Reifen passen kaum in die Aufhängungen, es wird gezerrt, gedrückt, geschoben. Auf das zierliche Karbon-Rennrad in der Mitte des Abteils nimmt die Rentnerband wenig Rücksicht, der nahebei sitzende Rennradfahrer wird zunehmend nervös. Zumal die Herrschaften als Nächstes dessen Selbstvertrauen ins Visier nehmen: Wie lange er denn unterwegs zu sein gedenke, will der Rentner-Wortführer wissen. Fünf Tage. „Warum nicht länger?“ Und wie weit? 550 Kilometer. „Aha, so, so“, drei Rentner lächeln, der Wortführer holt zum Schlag aus: „Die Strecke fahren wir auch!“ Aber, und jetzt grinst er breit: „Wir kommen gerade von der Donau, da sind wir noch mal so weit gefahren!“ Michael König Illustration: Marc HeroldMitten in ... CaorleDas Malheur passiert gleich in der ersten Nacht. Die beste Freundin rutscht im Strandhotel in Caorle im Bad aus. Am nächsten Morgen geht es mit blauem Daumen und dickem Knöchel in die Erste-Hilfe-Station. Die zwei Begleiterinnen stöbern ganz hinten im Gedächtnis nach Vokabeln, doch das ist gar nicht nötig. Nach ein paar italienisch gestotterten Worten kommt eine junge Frau aus dem Glaskasten am Empfang und zeigt lächelnd auf ihren Rücken: „Interprete“ steht auf ihrem Shirt, Dolmetscher. Allerdings hilft ihre Übersetzung zwischen uns und dem Arzt nur bedingt weiter, denn die Praxis hat nicht das passende Röntgengerät. Also auf ins Krankenhaus in Portogruaro. Auch dort sind Übersetzer im Dienst, aber diesmal brauchen wir keine Hilfe: Die Ärztin kommt ins Zimmer und sagt in schönstem steirischen Dialekt: „Nix is’ brochen, ois nur g’scheid g’staucht!“ Sabine Wejsada Illustration: Marc HeroldMitten in … KentuckyIm Flieger von Detroit nach Lexington sitzt ein älterer US-Amerikaner neben mir. Er hält mich zunächst für eine Frau aus Kentucky, erzählt von seiner Familie und dem Umzug nach Boston. Als er aber erfährt, dass ich aus Deutschland komme, herrscht einen Augenblick Stille. Dann schreit er nahezu: „What do Germans think of Trump?“ Ich versinke in meinem Sitz, erstaunt und sprachlos. Hatte meine Tochter, die ein Highschool-Jahr in den USA macht, nicht behauptet, Amerikaner sprächen nur hinter vorgehaltener Hand über Politik? Er wartet meine Antwort nicht ab: „Eine absolute Peinlichkeit, nicht wahr?“ Kurz vor der Landung sind wir bei möglichen Präsidentschaftskandidaten der Demokraten angelangt. „Ihn würde ich wählen …, sie auch!“ Da leuchtet das Anschnallzeichen auf. Wir lehnen uns zurück, für einen Moment ist alles gesagt. Marika ReichenbergerWeitere Folgen der Kolumne „Mitten in …“ finden Sie hier.
Kuriose Szene im Fahrradabteil im ICE: Selbstbewusste Rentner und ihre E-Bikes
Ein SZ-Redakteur trifft im ICE auf vier hessische Rentner mit ihren E-Bikes. Ihr Selbstbewusstsein ist überbordend. Kolumne „Mitten in“.






