Dieser späte, sommerliche Schultag wird kein gewöhnlicher werden können im oberbayerischen Schongau. Das Schuljahr geht zwar auch in Bayern erkennbar auf die großen Ferien zu, doch in Schongau werden die Schülerinnen und Schüler seit dem Tag zuvor wieder sehr viel zu besprechen haben. Miteinander, mit ihren Elten, mit den Lehrkräften, aber auch mit Notfallseelsorgern und den Leuten vom Kriseninterventionsdienst.Denn am Mittwoch, nur einen Tag zuvor, hat ein 16-Jähriger auf dem Schulgelände des Schongauer Welfen-Gymnasiums zwei 13 Jahren alten Mädchen mit einem Messer schwerste Verletzungen beigebracht. Und zur Amoktat von Schongau sind noch viele Fragen offen. Zum Beispiel die nach der Schusswaffe, die der 16-jährige Ex-Schüler des Gymnasiums am Mittwoch auch dabeihatte.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Woher der 16-Jährige diese Pistole hatte, muss die Polizei noch ermitteln, so wie vieles andere auch. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte noch am Mittwoch von einer Aussage des mutmaßlichen Amok-Täters gesprochen, wonach dieser sie „aus dem Darknet“ habe. Einen einzigen Schuss hat er mit dieser Waffe abgegeben und damit noch niemanden verletzt. Dann versagte sie ihren Dienst – ziemlich sicher zum großen Glück von vielen Menschen am Schongauer Schulzentrum.Gut 800 junge Menschen besuchen dort das Gymnasium. Die diesjährigen Abiturienten haben die Schule schon verlassen. In direkter Nachbarschaft des Gymnasiums liegen aber noch eine Grund- und eine Mittelschule sowie die Pfaffenwinkel-Realschule mit zusammen noch einmal mehr als 1500 Schülerinnen und Schülern. Sie alle hatten am Mittwoch irgendwann möglichst geordnet ihre Gebäude verlassen müssen, was Beobachter als ein großes Durcheinander beschrieben haben.Eine Amoktat wie die vom Mittwoch ist eine extreme Ausnahmesituation, doch in Schulen gibt es Pläne und Regeln für solche Fälle. Das Geschehen vom Mittwoch bietet eine seltene Gelegenheit, zu überprüfen, ob diese Abläufe im Ernstfall funktionieren.Nach dem Alarm, der bei der Polizei nach deren Angaben um etwa 12.50 Uhr einging, hat es nicht lange gedauert, bis die ersten Beamten eintrafen. 17 Minuten hat es laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), in dessen Wahlkreis Schongau liegt, gedauert, bis Polizisten und Lehrkräfte den 16-Jährigen überwältigt haben.Landrat Johann Bertl, CSU (links), und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, CSU, bei einer Pressekonferenz am Tag der Tat. Foto: Michael Nibel/ImagoSchon vor Monaten hatte es in Schongau einen Polizeieinsatz wegen einer Bedrohungslage am Schulzentrum gegeben. Ob und wie der Vorfall mit der Tat vom Mittwoch zusammenhängt, hat die Polizei bisher nicht bekannt gegeben. Auch in den Stunden nach der Tat hat die Polizei Details zur Tat und dem mutmaßlichen Täter sehr zurückhaltend kommuniziert – „aus ermittlungstaktischen Gründen“, wie die Formel dann stets lautet.Aber auch, um das Mitteilen von Neuigkeiten hochrangigen Politikern zu überlassen wie Herrmann, der sich als Erstes am Nachmittag am Rande einer CSU-Veranstaltung am Chiemsee geäußert hatte, und Dobrindt, der am späteren Nachmittag mit dem Hubschrauber nach Schongau eingeflogen wurde.Die beiden 13-Jährigen waren wohl „Zufallsopfer“Erst Dobrindt hat dann etliche Stunden nach der Tat öffentlich gemacht, dass der 16-Jährige mit der Pistole geschossen hat, ehe sie versagte. Die Polizei hatte sich bis dahin stets darauf zurückgezogen, er habe eine Schusswaffe dabeigehabt, die beiden Mädchen aber mit einem Messer verletzt. Die beiden 13-Jährigen, laut Dobrindt wohl „Zufallsopfer“ des Jugendlichen, haben demnach „schwerste Verletzungen“ erlitten, sich aber noch aus eigener Kraft etwas vom unmittelbaren Geschehen entfernen können, ehe sie von den Rettungskräften in die Klinik gebracht wurden. Sie seien außer Lebensgefahr, hieß es schon am Mittwochnachmittag.Der mutmaßliche Täter war da längst in Polizeigewahrsam und wurde später dem Haftrichter vorgeführt. Er hat sich am Mittwoch laut Dobrindt in einer „psychischen Ausnahmesituation“ befunden und war schon zuvor wegen psychischer Probleme in Behandlung.Schongaus Bürgermeister Thomas Schleich bezeichnete den Mittwoch in einer Nachricht auf den Social-Media-Kanälen der Stadt als „Tag, der uns alle verändert hat“. Was die Menschen am Welfen-Gymnasium erleben mussten, sei „das, wovor wir uns alle immer am meisten gefürchtet haben. Der Schock sitzt tief, und die Bilder dieses Tages werden uns noch lange begleiten.“ Schongau halte zusammen, wenn es darauf ankomme. „Wir werden Zeit brauchen, um das Erlebte zu verarbeiten, aber wir werden diesen Weg gemeinsam gehen.“
Nach Amoktat in Schongauer Gymnasium: Viele Fragen noch offen - Mädchen außer Lebensgefahr
Nach der Amoktat am Schongauer Welfen-Gymnasium sind noch viele Fragen offen. Wie es am Tag danach aussieht.











