Das Spiel ist aus. Ob die Unicredit nun knapp unter oder knapp über 50 Prozent der Anteile hält, ist eine technische Frage, die praktisch keine Bedeutung hat. Für die Durchsetzungsmacht auf Hauptversammlungen ist die tatsächliche Präsenz maßgeblich, und die liegt fast nie bei 100 Prozent. Damit hat der Unicredit-Vorstandsvorsitzende Andrea Orcel erreicht, was er von Beginn an beabsichtigt hat: Unicredit hat die Kontrolle über die Commerzbank.Zweifellos ist es noch ein weiter Weg zum Vollzug der Übernahme. Es müssen weitere Aktien gekauft und die Genehmigungen der Aufsichtsbehörden abgewartet werden. Das sind keine reinen Formsachen, der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Aber bei der Verteidigungsstrategie vor allem darauf zu hoffen, wäre nicht nur töricht, sondern fahrlässig.Deswegen ist es zu begrüßen, dass die Commerzbank in ihrer Antwort auf das Tauschergebnis auf den konstruktiven Dialog mit Unicredit verweist, dem sie offen gegenüberstehe. Doch das Commerzbank-Management wird konstruktiver und offener werden müssen. Unicredit ist nicht mehr nur ein Großaktionär, Unicredit ist – wenn auch unterhalb der 50 Prozent – der maßgebliche Anteilseigner, der die Geschicke von Aufsichtsrat, Vorstand und Geschäft lenken kann. Unicredit ist Eigentümer.Nostalgie ist unangebrachtDas Team rund um die Commerzbank-Vorstandsvorsitzende Bettina Orlopp hat in den vergangenen Monaten eine bemerkenswerte Arbeit geleistet. Auf die Commerzbank wollte man jahrzehntelang keinen Pfifferling mehr geben. Mit Staatsgeld gerettet, hatte die gelbe Bank den Anschluss verpasst – zu behäbig, zu teuer im Aufwand, zu gering im Ertrag. Orlopp hat es – erst als Finanzchefin, dann als Vorstandsvorsitzende – geschafft, die Commerzbank zu drehen. Sie hat die Wucht der Zinswende genutzt, um das Geschäft zu beleben, Kosten zu senken und der Commerzbank als Mannschaft einen neuen Geist einzuhauchen. Damit wurde die Commerzbank zu dem, was sie nun bekämpft: zum Übernahmeobjekt.Es ist nun auch für die Bundesregierung an der Zeit, die Realität anzuerkennen. Es ist marktwirtschaftlich unverantwortlich, am Commerzbank-Anteil festzuhalten, der noch immer gut zwölf Prozent beträgt. Sie muss erklären, was sie zu tun gedenkt. Nostalgie ist unangebracht. Eine Industriepolitik zugunsten einzelner Banken stünde dem europäischen Gedanken entgegen. Der Aktienkurs steht bei fast 38 Euro, der Verkauf wäre ein lohnendes Geschäft. Es ist angerichtet.
Unicredit übernimmt Commerzbank: Was bedeutet das für den Bund?
Unicredit hat jetzt den gewünschten Zugriff. Die Commerzbank muss nun konkrete Übernahmegespräche führen. Und der Bund muss sich endlich bewegen.










