Anschlag in Monaco: Nach dem Mord an der Tatverdächtigen führen Spuren zum ukrainischen GeheimdienstEine Ukrainerin verübt einen Anschlag gegen einen Geschäftsmann im Exil. Nach ihrer Rückkehr wird sie von einem Mitarbeiter des ukrainischen Militärgeheimdiensts erschossen, der ihr zuvor mehrmals Geld überwiesen hatte. Die Affäre wirft viele Fragen auf.08.07.2026, 12.54 Uhr3 LeseminutenDer Tatort in Monaco nach dem Anschlag gegen Wadim Jermolajew und seine Familie.Sebastien Nogier / EPADer Anschlag gegen einen ukrainischstämmigen Geschäftsmann in Monaco von vergangener Woche hat eine dramatische Weiterung erfahren, die für die ukrainischen Behörden unangenehme Fragen aufwirft. Am Montagabend wurde in der Nähe von Kiew die Leiche der Tatverdächtigen gefunden. Ein Mitarbeiter des ukrainischen Militärgeheimdienstes HUR hat mittlerweile gestanden, die Frau mit Schüssen in den Kopf getötet zu haben.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. 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Von dort fuhr sie offenbar über Italien nach Deutschland. Laut den ukrainischen Behörden reiste sie am 1. Juli, also noch vor Ausstellung des Haftbefehls, in die Ukraine ein. Dort wurde sie am Montag erschossen aufgefunden.Durch die Rekonstruktion ihrer letzten Kontakte in der Ukraine stiessen die Ermittler auf zwei tatverdächtige Männer, den besagten geständigen Geheimdienstoffizier und seinen Komplizen, einen ehemaligen Polizisten. Beide wurden festgenommen.Zahlungen in KryptowährungDie genauen Hintergründe der Tat sind nicht bekannt. Eine Verbindung zwischen dem Anschlag in Monaco und dem Mord an Beresowska liegt jedoch nahe. Laut der ukrainischen Staatsanwaltschaft haben die beiden festgenommenen Männer in der Vergangenheit mehrmals Zahlungen an Beresowska geleistet, unter anderem in Kryptowährungen. Es besteht der Verdacht, dass es sich bei den Männern um Beresowskas Auftraggeber handelt.Laut den monegassischen Behörden deutet die professionelle Bauart des Sprengsatzes gegen Jermolajew zudem nicht auf eine Einzeltäterin hin. Die Detonation wurde per Fernzündung mit einem Mobiltelefon ausgelöst. Der Militärgeheimdienst HUR ist bekannt für Operationen gegen Russen oder mit Russland kooperierende Ukrainer. Vor solchen Anschlägen im westlichen Ausland schreckte man bisher aber zurück – im Gegensatz zu den russischen Diensten. Erst jüngst wurde ein russischer Oppositioneller in Polen erschossen.Der Unternehmer Jermolajew steht wegen Geschäften im vom Russland besetzten Teil der Ukraine seit drei Jahren auf einer Sanktionsliste der ukrainischen Regierung. Die «Ukrainska Prawda» hatte wenige Tage vor dem Anschlag die jüngste Folge einer mehrteiligen Dokumentation über reiche Ukrainer im monegassischen Exil veröffentlicht, das sogenannte «Monaco Bataillon».Wadim JermolajewPDJermolajew, der seine ukrainische Staatsbürgerschaft 2017 abgelegt hat und seither nur seinen zypriotischen Pass nutzt, spielte darin eine prominente Rolle. Der Anschlag im äusserst sicheren Monaco hat das Fürstentum und seine vielen wohlhabenden Bewohner tief erschüttert. Jermolajew zählt zu den reichsten Ukrainern. In seiner Heimatstadt Dnipro ist er unter anderem als Unterstützer der dortigen jüdischen Gemeinde bekannt.Viele offene FragenDer festgenommene Geheimdienstoffizier hat den Mord an Beresowska zugegeben, beteuert laut den ukrainischen Behörden jedoch, in Eigeninitiative und ohne Wissen seiner Vorgesetzten gehandelt zu haben. Trotzdem spekulieren einige Medien darüber, dass es sich um eine von oben in Auftrag gegebene Warnung an die Geschäftsleute im Exil handeln könnte. Nach dieser Erklärung sollten mit dem Mord an der Täterin die Spuren verwischt werden, weil der Anschlag nicht wie geplant verlief.Rätselhaft ist zudem die angebliche Folterkammer im Haus des verhafteten Todesschützen. Die ukrainische Staatsanwaltschaft teilte am Dienstag mit, bei der Hausdurchsuchung einen Raum mit Spuren entdeckt zu haben, die auf Folterungen hindeuteten. Die ermordete Beresowska soll dort aber nicht festgehalten worden sein.Offene Fragen gibt es viele. Selbst wenn der HUR tatsächlich nicht direkt in die Affäre verwickelt sein sollte, müsste er sich den Vorwurf der kriminellen Unterwanderung gefallen lassen. Erklärungsbedarf besteht in jedem Fall.Passend zum Artikel
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