Wenn ich mit meinem Partner Kulturmetropolen wie Florenz oder Paris besuche, besteht er darauf, den ganzen Tag in klobigen, knöchelhohen Wanderschuhen durch die Museen und Boulevards zu spazieren. Er argumentiert mit Pflastersteinen und Komfort. Hat das Stil? – Sabine K., ohne OrtLiebe Sabine, Kritiker dieser Kolumne beschweren sich manchmal, mir sei alles einerlei, ich würde jede Stilfrage mit einem nonchalanten «Mir doch egal» wegwischen.Auch hier spricht mein Energiesparmodus: Natürlich sind die Uffizien kein Basislager, und Vibram-Sohlen sehen vor einem Michelangelo besonders klobig aus. Trotzdem würde ich nicht an anderer Leute Schuhwerk herummäkeln.Hauptsache, die Knie tun am Abend nicht weh. Wir wollen eine Stadt kennenlernen, keinen Knorpelverschleiss riskieren. Was ich wichtiger finde: Städte wie Paris und Florenz leiden unter Overtourism, man steht dort selbst mit Reservierung ewig vor den Attraktionen (Louvre, ich rede mit dir!). Vor jeder Reise in eine A-Stadt sollte man überlegen, ob man deren Bewohner nicht ein wenig entlasten und woanders Dinge entdecken kann. Da wir erfreulicherweise in Europa wohnen, hat fast jede Mittelstadt Geschichte, Kulinarik, Wurstsorten zu bieten und freut sich noch über Besuch, mit oder ohne Wanderschuhe.Welches stilistische oder zwischenmenschliche Dilemma beschäftigt Sie, liebe Leserin, lieber Leser? Wir freuen uns über Ihre Zuschrift: [email protected] Namen können geändert oder anonymisiert werden. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.