Gesunden Fusses durch den Sommer: «Espadrilles sind eine gute Option»«Sandalen mit Korksohlen finde ich furchtbar – optisch und fussergonomisch», sagt der Orthopäde Markus Walther. Und erklärt, warum Flipflop-Träger manchmal im Spital landen.Frederik Jötten05.07.2026, 05.30 Uhr5 Leseminuten«Es ist wichtig, dass Flipflops nicht zu sehr am Fuss baumeln – damit man nicht ständig die Zehen krallen muss, um sie am Fuss zu halten.»ImagoWer leichte Kleider trägt, kommt besser über die heissen Tage – aber wie verhält es sich mit den Schuhen? Flipflops bergen laut dem Fussspezialisten Markus Walther versteckte Gefahren, und Gesundheitssandalen sind mitunter alles andere als gesund. Walther ist Vorstandsmitglied der Europäischen Gesellschaft für Fuss- und Sprunggelenkschirurgie sowie Direktor der Schön-Klinik München Harlaching. Er lehrt als Professor für Orthopädie und Traumatologie von Fuss und Sprunggelenk an der Universität Würzburg.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Herr Walther, wenn es heiss wird, wollen viele Menschen unbedingt starkes Schwitzen an den Füssen verhindern – was ist der gesündeste Schuh für den Sommer?Es gibt verschiedenste Möglichkeiten, die Füsse gut zu belüften, wie etwa Netze. Manche Sportschuhe sind mittlerweile so luftig, dass man im Winter darin friert.Früher hätte man gesagt: Im Sommer bitte keine Sportschuhe, darin schwitzt man zu sehr.So pauschal kann man das nicht mehr sagen, es gibt inzwischen sehr gut belüftete Sportschuhe. Ich trage sie oft viele Stunden in der Klinik.Sie haben nicht die typischen Ärztesandalen mit den Korksohlen an?Markus Walther, Professor für Orthopädie an der Universität Würzburg.PDNein, die finde ich furchtbar. Optisch und fussergonomisch, denn deren Fussbett ist wie eine milde Einlage. Eine solche braucht ein gesunder Fuss nicht. Das ist ähnlich, wie konsequent eine Rückenbandage anzuziehen, um zu verhindern, dass man irgendwann Rückenschmerzen bekommt. Bei dauerndem Gebrauch einer äusseren Stütze baut sich die Muskulatur ab.Sind Einlagen abzulehnen, weil sich die Fussmuskulatur abbaut, wenn man sie nutzt?Einlagen sind nicht grundsätzlich gut oder schlecht für den Fuss. Wenn ich eine Fussfehlstellung wie einen starken Plattfuss habe, dann kann ich sie gut durch eine individuelle Einlage ausgleichen. Das ist absolut sinnvoll. Aber wenn der Fuss gesund ist, braucht er keine Unterstützung. Es gibt jedenfalls keinerlei Hinweis darauf, dass es für den Fuss in irgendeiner Form hilfreicher wäre, mit einem vorgefertigten Fussbett herumzulaufen als in irgendeinem anderen Schuh, in dem der Fuss Platz hat und sich gut bewegen kann.Enge Schuhe sind also schlimmer?Es tut dem Fuss gut, wenn man die Zehen bewegen kann. Ist er dagegen eingezwängt – wie etwa in Pumps und hochhackigen Schuhen –, verkümmert auf Dauer die Fussmuskulatur. Falls man einmal enge Schuhe trägt, ist es wichtig, Ausgleichstraining zu machen. Also, wenn man die Highheels auszieht, bewusst die Zehen zu spreizen und zu strecken. Das spannt die Muskeln zwischen den Zehen an.Die meisten werden bezüglich Schuhmode eher legerer im Sommer – die klassischen Badelatschen sind wieder angesagt.Solche Badelatschen sollten fest sitzen, weil man sonst leicht mit dem vorderen Ende zum Beispiel an Treppenstufen hängen bleiben und stürzen kann.Das gilt dann wohl auch für Flipflops?Ja, hier ist es zusätzlich wichtig, dass Flipflops nicht zu sehr am Fuss baumeln – damit man nicht ständig die Zehen krallen muss, um sie am Fuss zu halten. Wer das dauerhaft macht, erhöht das Risiko für Krallenzehen, also krallenartig nach unten gekrümmte Zehen. Ich empfehle Flipflops mit eher breiteren Riemen, eben weil sie besser am Fuss sitzen. Aber grundsätzlich sind Flipflops gut belüftet, und es spricht nicht viel gegen sie.Tatsächlich?Das grösste Problem, das wir mit den Flipflops sehen: Bei manchen – insbesondere der günstigen Modelle – treten Hautreaktionen auf. Denn zwischen der grossen Zehe und der zweiten Zehe ist die Haut relativ dünn. Zusätzlich reibt dort der Steg die oberflächliche Hornhaut weg. Beim Kontakt der tieferen Hautschichten mit Kunststoff aber reagieren diese auf irritierende Stoffe. Das kann so schmerzen, dass Patienten damit in die Klinik kommen.Besser Espadrilles?Espadrilles mit einer flachen und flexiblen Sohle und einem luftigen Obermaterial aus Leinen sind aus orthopädischer Sicht eine gute Option für den Sommer.Was ist von Ballerinas zu halten?Manche sind vorne sehr eng – da gilt dann das Gleiche wie für alle engen Schuhe. Wenn das nicht der Fall ist, ist dagegen nichts zu sagen. Menschen mit dünnem Fettpolster unter der Fusssohle tun sich manchmal mit Ballerinas schwer, weil man durch die dünne Sohle jeden Stein spürt.Noch mehr spürt man das beim Barfusslaufen, dabei gilt das doch als das Gesündeste.Die meisten Menschen können sehr gut barfuss laufen. Wir haben im Fuss viele kleine Muskeln, vor allem in der Fusssohle, aber auch am Fussrücken und am Unterschenkel. Wenn wir sie nicht benutzen, verkümmern sie. Und auf unsere Fussmuskeln wirken unsere festen Schuhe wie ein Korsett. Die Muskeln werden nicht trainiert und bilden sich deshalb zurück. Man weiss, dass Fusserkrankungen bei Völkern, die kaum Schuhe tragen, wesentlich seltener sind als bei uns.Allerdings kann man sich beim Barfusslaufen auch leicht verletzen. Sind Barfussschuhe ein guter Kompromiss?Das Prinzip der Barfussschuhe ist: Sie sollen vor Dornen und Steinen schützen, haben aber sehr weiches Material, keinen Absatz, keine Dämpfung und daher für den Fuss keine Hebelarme. Man kann damit den Fuss in einer Art und Weise trainieren, wie es mit normalen Schuhen nicht möglich ist. Aber in Europa laufen die Menschen nicht barfuss herum, sondern meist in Schuhen. Insofern ist der schnelle Umstieg auf einen Barfussschuh problematisch.Was kann passieren?Oft ist der Körper gut trainiert, der Fuss dagegen kaum. Jeder weiss, wie sehr die Muskulatur verkümmert, wenn man sechs Wochen einen Gips trägt. Eine ähnliche Situation haben wir auch bei den Füssen der Mitteleuropäer. Wenn ich zehn Kilometer in 40 Minuten laufen kann und das plötzlich in einem Barfussschuh mache, werde ich den Fuss überfordern. Ermüdungsbrüche und andere Überlastungsschäden können die Folge sein.Wenn man in die Sportgeschäfte geht, sieht man allerdings meist das Gegenteil von Barfussschuhen: dicke Sohlen.Wenn wir beim Laufen eine Belastung des Fusses anstreben wollen, die dem Barfusslaufen nahe kommt, dann bin ich bei Schuhkonstrukten mit dünner Sohle. Für den Bewegungsapparat ist das unter Gesundheitsaspekten die beste Variante. Wenn ich möglichst schnell laufen möchte, dann baue ich die Schuhe anders. Das kann man unterstützen durch eine dickere, feste Sohle und eine Abrollhilfe aus Carbon. Das Ziel ist dann aber «schnell» – nicht «gesund»!Ist das zu empfehlen für den Freizeitläufer?Der grosse Hebelarm durch die dicke Sohle ist ein Problem. Die Hersteller versuchen, das durch Schäume, die sich beim Aufprall auf dem Boden deformieren können, in den Griff zu bekommen. Aber mit dicken, relativ festen Sohlen knickt man tatsächlich leichter um.Lassen Sie uns ein Fazit ziehen: Was ist aus Ihrer Sicht der beste Schuh für den Sommer?Ein Schuh mit einer flachen, flexiblen Sohle. Im Vorfussbereich sollte er so viel Platz haben, dass ich die Zehen bewegen kann. Das Obermaterial schön luftig, etwa aus Leinen, das ist für mich der perfekte Schuh für den Sommer. Es tut dem Fuss aber gut, wenn man verschiedene Schuhe trägt. Jeder belastet die Muskulatur ein bisschen anders, so dass Abwechslung verschiedene Muskeln stärkt.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
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