Dass so viele Aktionäre der Commerzbank das Umtauschangebot der Unicredit annehmen würden, damit hatte wohl fast niemand gerechnet. Nun hält die italienische Großbank direkt gut 44 Prozent der Anteile; einschließlich Kaufoptionen und weiterer Finanzinstrumente kommt sie auf mehr als 47 Prozent. Damit verfügt sie vor der nächsten Hauptversammlung über eine starke Machtposition. Sie könnte den Aufsichtsrat maßgeblich nach ihren Vorstellungen prägen – und damit auch personelle Veränderungen im Vorstand anstoßen. Eines scheint damit wahrscheinlicher denn je: Die Commerzbank steht vor tiefgreifenden Veränderungen.Der Schritt der Unicredit mag marktwirtschaftlichen Regeln folgen und aus europäischer Sicht Sinn ergeben, weil nur große europäische Finanzkonzerne mit den starken amerikanischen Wettbewerbern mithalten können. Doch er ist auch eine Zäsur – für die Bank, für die Mitarbeiter und für den Finanzplatz Frankfurt.Die Bank steckt nun in einem Dilemma. In den vergangenen Wochen hatte die Führung des Unternehmens, das seinen Hauptsitz mitten im Herzen Frankfurts im höchsten Gebäude des Landes hat, im Schulterschluss mit den Mitarbeitern stets hervorgehoben, sich gegen eine Übernahme durch die Italiener stemmen zu wollen. Doch nun, da die Macht von Unicredit und ihrem zielstrebigen Chef Andrea Orcel innerhalb der Commerzbank noch größer geworden ist, droht eine Phase der Lähmung. Denn solange unklar ist, wer in der Commerzbank langfristig das Sagen hat, könnten Entscheidungen vertagt oder talentierte Mitarbeiter abgeworben werden. Dass schon jetzt eine Mailänder Bank eine wichtige, aber unklar definierte Rolle in dem Frankfurter Traditionshaus spielt, ist auf Dauer keine tragfähige Situation, weder für die Führung noch für die Beschäftigten.Für den Finanzplatz Frankfurt ist die Lage ernster, als es die nüchternen Prozentzahlen der Anteile vermuten lassen. Die Commerzbank ist kein x-beliebiger Dax-Konzern, sie ist ein Herzstück der für Frankfurt wichtigen Finanzbranche und tief im deutschen Mittelstand verwurzelt. Wenn aus der Commerzbank eine Art Zweigstelle einer italienischen Großbank wird und Kreditentscheidungen in Mailand statt in Frankfurt getroffen werden, dann verliert die Finanzmetropole nicht nur einen Hauptsitz, sie verliert auch Einfluss, Kompetenz und Souveränität. Noch ist es nicht so weit. Aber die Wahrscheinlichkeit ist abermals gestiegen.
Unicredit greift nach der Commerzbank: Was Frankfurt jetzt droht
Die Unicredit hat ihre Macht bei der Commerzbank überraschend stark ausgebaut. Für Frankfurt und den deutschen Mittelstand steht mehr auf dem Spiel als die Zukunft einer Bank.











