Nach Ablauf der Umtauschfrist kommt Unicredit im Commerzbank-Kapitel nun auf 49,65 Prozent der Stimmrechte. Das teilte die italienische Bank am Mittwochvormittag mit. 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktionäre haben das Umtauschangebot angenommen. Zuvor besaß Unicredit bereits 26,77 Prozent der Commerzbank-Aktien. Zusammen mit 3,22 Prozent an Derivaten entstehe so ein Anteil von 47,59 Prozent, der nach Angaben von Unicredit zu Stimmrechten von 49,65 Prozent führe.Damit hat die Bank aus Italien ihre Ziele sogar noch übertroffen. Denn sie gewinnt erheblichen Einfluss auf die Bank aus Frankfurt. Mit einem Anteil von deutlich über 40 Prozent hat Unicredit die Möglichkeit, auf der nächsten Hauptversammlung der Commerzbank im kommenden Jahr weite Teile des Aufsichtsrats zu bestimmen und Entscheidungen zu beeinflussen. Selbst eine Ablösung des Managements gilt als nicht ausgeschlossen.Doch bisher ist offen, wie Unicredit agieren will, zumal sich nicht nur das Commerzbank-Management, sondern auch die Bundesregierung gegen die Übernahme stemmt. In der Vergangenheit hatte Unicredit Gespräche mit dem Commerzbank-Management über eine Annäherung gefordert. Beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, keine konstruktive Strategie zu verfolgen.Offerte galt als vergleichsweise bescheidenUrsprünglich hatte die italienische Bank erklärt, dass sie nur die Schwelle einer 30-Prozent-Beteiligung an der Commerzbank überschreiten wolle, um mehr Freiheiten zu haben. Eine Kontrolle strebe sie nicht an, teilte die Bank Mitte März mit. Wird die 30-Prozent-Schwelle überschritten, ist jedoch ein Pflichtangebot an alle Commerzbank-Aktionäre fällig. Zuvor hatte sich die Bank aus Italien knapp darunter bewegt. Wenn ein Pflichtangebot einmal erteilt ist, kann ein Investor frei am Markt zukaufen.Das Management der Commerzbank hatte mehrfach die Erwartung geäußert, dass unter den „freien“ Aktionären fast niemand die Offerte annehmen werde. Denn es galt als vergleichsweise bescheiden. Das Angebot sieht nur den Umtausch von 0,485 Unicredit-Aktien gegen eine Commerzbank-Aktie vor. Als dieses Verhältnis angekündigt wurde, entsprach es einer Prämie von vier Prozent auf den Schlusskurs des letzten Handelstages davor, den 13. März.Zwischenzeitlich wurde aus der Prämie für die Commerzbank-Aktionäre sogar ein Abschlag, denn die Aktie der Frankfurter Bank hatte stärker an Wert gewonnen als das Papier von Unicredit. Erst in den letzten Tagen des bis zum 3. Juli verlängerten Angebots entstand durch die Kursentwicklung wieder eine Prämie, die sich allerdings nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich bewegte.Bei den meisten Übernahmen reicht das nicht, um die Aktionäre davon zu überzeugen, ihre Anteilsscheine abzugeben. Dass dies nun dennoch erfolgt ist, deutet darauf hin, dass es sich dabei teilweise um Aktionäre handelt, die Unicredit aufgrund geschäftlicher Beziehungen einen Gefallen tun wollen. Die italienische Bank hatte dagegen argumentiert, dass die gebotene Prämie erheblich sei, denn der Anstieg der Commerzbank-Aktie in den vergangenen zwei Jahren sei nur durch das Unicredit-Angebot ausgelöst worden, nicht durch fundamentale Verbesserungen.Doch so oder so ist die italienische Bank nun in den Besitz dieser Aktien gelangt. In den kommenden Monaten stehen verschiedene aufsichtsrechtliche Genehmigungen an, etwa durch die Europäische Zentralbank. Unicredit hatte zuvor kommuniziert, dass der Vollzug erst im kommenden Jahr erwartet werde.