Dreieinhalb Jahre nach dem russischen Angriff auf die Ukraine vollzieht das Internationale Olympische Komitee einen Kurswechsel mit weitreichenden Folgen. Russland ist zwar noch nicht vollständig zurück auf der olympischen Bühne. Doch der Weg dorthin ist nun wieder frei.Mit der vorläufigen Aufhebung der Sanktionen gegen das Russische Olympische Komitee hat das IOC am Dienstag eine Entscheidung getroffen, die den Weltsport nachhaltig verändern dürfte. Die bisherigen Empfehlungen an die internationalen Fachverbände verlieren ihre Gültigkeit. Damit können russische Mannschaften grundsätzlich wieder an internationalen Wettbewerben teilnehmen und Athletinnen und Athleten die Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele 2028 in Los Angeles in Angriff nehmen.

Schritt hatte sich bereits angedeutet

Es ist ein Schritt, der sich in den vergangenen Monaten bereits angedeutet hatte. Seit ihrem Amtsantritt hat IOC-Präsidentin Kirsty Coventry immer wieder deutlich gemacht, dass sie den olympischen Gedanken stärker an der individuellen Teilhabe der Sportler ausrichten will. Niemand solle für die Entscheidungen seiner Regierung verantwortlich gemacht werden, begründete sie nun den Kurswechsel. Zugleich betonte Coventry, das IOC billige den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine oder andere militärische Konflikte keineswegs.Genau darin liegt der Spagat, den das IOC künftig bewältigen muss. Einerseits folgt die Entscheidung einer olympischen Grundidee, nach der Sportler unabhängig von politischen Entwicklungen die Möglichkeit erhalten sollen, an Wettkämpfen teilzunehmen. Andererseits bleibt Russland ein Staat, der weiterhin Krieg gegen die Ukraine führt und dessen Sport über Jahre durch ein staatlich organisiertes Dopingsystem massiv an Glaubwürdigkeit verloren hat.