Das Internationale Olympische Komitee hat die Suspendierung Russlands aufgehoben. Damit ebnet das IOC russischen Sportlerinnen und Sportlern den Weg zu den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles. Zugleich wurden die Empfehlungen an Sportverbände in aller Welt, russische Sportler allenfalls als sogenannte individuelle neutrale Athleten starten zu lassen, aufgehoben.Diese waren nach der Entfesselung des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 ergangen, das Nationale Olympische Komitee (NOK) Russlands war im Oktober 2023 suspendiert worden, weil es die Sportstrukturen in den völkerrechtswidrig annektierten Teilen der Ukraine usurpiert und ins russische Sportsystem eingegliedert hatte.Daran hat sich de facto bis heute nichts geändert. Zudem starben allein in den vergangenen sieben Tagen bei russischen Angriffen auf zivile Ziele in der ukrainischen Hauptstadt Kiew mehrere Dutzend Menschen, der Luftalarm, der in der Nacht zum Freitag aufgrund der Angriffe mit ballistischen Raketen ausgelöst wurde, war mit über elf Stunden der längste bisher.IOC beruft sich auf „gründliche Analyse“Zugleich hatten russlandfreundliche Lobbyisten in der Sportwelt seit Jahren für eine Wiedereingliederung Russlands ins Sportsystem geworben und waren bei IOC-Präsidentin Kirsty Coventry, die seit rund einem Jahr im Amt ist, auf mehr Verständnis getroffen als zuletzt bei ihrem Vorgänger Thomas Bach. Coventry war, bevor sie im März 2025 ins Amt gewählt wurde, Sportministerin Zimbabwes und als diese Teil der Regierung von Emmerson Mnangagwa, der den russischen Präsidenten Wladimir Putin seinen „lieben Bruder“ nennt.Die Aufhebung der Suspendierung des russischen NOK durch die Exekutive des IOC erfolgt „vorläufig“ und nach Darstellung des IOC auf Basis einer „gründlichen Analyse“ der eigenen Rechtskommission. Diese hatte festgestellt, dass die okkupierten Sportstrukturen nun de jure nicht mehr Teil des russischen NOK sind – dieses hatte schlicht regionale Sportverbände als Ganzes ausgegliedert. „Zusätzlich“, heißt es in der Mitteilung des IOC, habe das NOK bestätigt, dass es „keine Aktivitäten in diesen Gebieten ausgeübt hat und ausüben wird“.Coventry hatte die IOC-Mitglieder bei der Vollversammlung am Rande der Olympischen Spiele in Mailand darauf eingeschworen, dass sich ihre Organisation allein um Sport zu kümmern habe und politisch strikt neutral sei. In diesem Sinne waren bei der jüngsten Vollversammlung im Juni in Lausanne Änderungen an der Olympischen Charta vorgenommen worden. Beides deutete stark darauf hin, dass die russische Rückkehr mitten in Putins Angriffskrieg bevorstehen dürfte.Internationalen Verbänden ist nun freigestellt, wieder Wettkämpfe in Russland auszutragen und russische Sportler mit Flagge und Hymne antreten zu lassen. Das IOC werde zum jetzigen Zeitpunkt weder Wettkämpfe nach Russland vergeben noch russische Offizielle einladen. Über Flagge und Hymne werde später entschieden. Politische Aktivitäten russischer Sportler sollen nun vor dem Hintergrund der Pflicht zur Neutralität im Blick behalten werden. World Athletics hatte den Ausschluss russischer und belarussischer Leichtathleten am Freitag aufrechterhalten.