SP und Grüne wollen allen 18-Jährigen in Zürich ein Interrail-Ticket zum Geburtstag schenken. Der Stadtrat prüft die IdeeDie Stadtzürcher stimmen zwar grün ab, fliegen aber jedes Jahr mehr. Das wollen linke Parteien ändern – mit einem neuen Gratisangebot.08.07.2026, 05.00 Uhr3 LeseminutenEs muss nicht immer das Flugzeug sein, finden SP und Grüne. Auch mit dem Nachtzug lässt sich Europa bereisen.KeystoneDie Stadt Zürich hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Bis 2040 will sie die direkten Treibhausgasemissionen auf netto null senken. Die indirekten Emissionen, zu denen Flugreisen ihrer Bewohner zählen, sollen um 30 Prozent abnehmen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das Problem: Die hochfliegenden Pläne korrespondieren wenig mit dem realen Verhalten der Zürcherinnen und Zürcher. In jüngerer Zeit flogen sie durchschnittlich 10 500 Kilometer pro Jahr – Tendenz steigend. Resigniert hält die Stadt in ihrem neusten Klimabericht fest: «Fliegen bleibt die grösste Quelle von Treibhausgasemissionen».Dabei – so heisst es in dem Bericht weiter – wäre eine «markante Reduktion» möglich. Voraussetzung dafür sei aber, dass die Leute mitzögen. Würden die Stadtzürcher zum Beispiel auf jeden zweiten Europaflug verzichten, könnten die Emissionen um 20 Prozent sinken, rechnet die Stadt vor.Doch wie bringt man die Vielflieger dazu, ihr Verhalten zu ändern? SP und Grüne wollen auf Anreize setzen, damit «bei Reisen eher der Zug als das Flugzeug verwendet wird». So formulieren sie es in einem Vorstoss im Zürcher Stadtparlament. Die konkrete Idee: Alle Bewohner der Stadt erhalten zu ihrem 18. Geburtstag einen Gutschein für ein Interrail-Ticket, mit dem sie ganz Europa mit dem Zug erkunden können. Bezahlt aus der Stadtkasse.Junge Erwachsene, die ohnehin knapp bei Kasse seien, sollen kostenlos eine längere Interrail-Reise machen können – «beispielsweise nach dem Lehrabschluss oder nach der Matur». Der Zug werde dabei als Alternative zu Billigflügen positioniert. Das soll sich später auszahlen: «Positive Reiseerfahrungen mit der Bahn fördern die Bereitschaft, im weiteren Verlauf des Lebens auf den Zug zu setzen», so die Logik von SP und Grünen.Der Stadtrat will die Idee nun prüfen. Das geht aus einer kürzlich publizierten Stellungnahme hervor. Man unternehme zwar bereits viel zur Reduktion der Flugemissionen, schreibt er. Inwiefern die geforderten Interrail-Gutscheine «eine ergänzende, wirksame und kosteneffiziente Massnahme» seien, wolle man in einem ersten Schritt wissenschaftlich abklären. Darum will der Stadtrat den linken Vorstoss nicht als Motion entgegennehmen, sondern als weniger bindendes Postulat.Der rot-grün dominierte Stadtrat spricht grundsätzlich von einem «nachvollziehbaren umweltpolitischen Anliegen». Unklar sei, ob mit einem kostenlosen Interrail-Global-Pass für sieben Reisetage im Monat, wie er gefordert wird, tatsächlich «die gewünschte Hebelwirkung» entfaltet werden könne. Auch den langfristigen Einfluss auf das Reiseverhalten will der Stadtrat zuerst wissenschaftlich abklären lassen, bevor er beginnt, Tickets zu verschenken. Bei knapp 4000 Personen, die pro Jahr in Zürich 18 Jahre alt werden, rechnen die Behörden mit wiederkehrenden Kosten von rund 1 Million Franken.Es könne durchaus sein, dass mit der Aktion am Ende einfach mehr gereist werde («Zug und Flug anstatt Zug statt Flug»). Das wäre dann kontraproduktiv. Weiter führt der Stadtrat andere Massnahmen an, die für das angestrebte Ziel allenfalls wirksamer wären: «Erhöhung der Flugticketsteuer, Abschaffung von Subventionen für klimaschädliche Flüge oder Förderung von Fernreisealternativen durch Kommunikationskampagnen». Ein entsprechendes Projekt arbeitet das Umweltdepartement des Stadtrats Andreas Hauri (GLP) zurzeit aus. Sein Titel: «Zürich fliegt anders».Passend zum Artikel
Gratis Interrail-Tickets für alle 18-Jährigen in Zürich? Stadtrat prüft SP-Idee
Die Stadtzürcher stimmen zwar grün ab, fliegen aber jedes Jahr mehr. Das wollen linke Parteien ändern – mit einem neuen Gratisangebot.
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