PfadnavigationHomeRegionalesHessenSie kommen, wenn es heiß ist – und gehen, wenn es kalt istStand: 05:04 UhrLesedauer: 4 MinutenIhre Kunden kommen hauptsächlich aus dem gewerblichen Bereich. Doch auch immer mehr Privathaushalte interessieren sich für die Anschaffung einer Klimaanlage, sagen Geschäftsführerin Anja Mahlow-Hüfner (l.) und der technische Betriebsleiter Andreas Hüfner. (Archivbild)Quelle: Michael Bauer/DPAFür Kältetechniker ist jetzt die stressigste Zeit. Warum sich frühes Aufstehen für sie lohnt und immer mehr Privatleute Klimaanlagen wollen.Während viele Menschen bei Temperaturen jenseits der 30 Grad nach Abkühlung suchen, beginnt für Kältetechniker die stressigste Zeit des Jahres. Dann häufen sich Notrufe aus Krankenhäusern, Seniorenheimen, Hotels oder Betrieben mit überhitzten Serverräumen. Und immer häufiger melden sich auch Privatleute, die nach schlaflosen Nächten endlich eine Klimaanlage haben möchten.Die Kältetechnik-Firma Hüfner in Heusenstamm (Kreis Offenbach) erlebt derzeit einen regelrechten Ansturm.«Es ist Wahnsinn, was in den letzten Wochen los war. Das Telefon steht nicht mehr still», berichtet Geschäftsführerin Anja Mahlow-Hüfner. Viele Anrufer hofften, schon am nächsten Tag ein Montageteam vor der Tür zu haben. Doch so einfach sei das nicht.Steigendes Interesse von PrivatleutenAuffällig sei, dass sich das Geschäft verändert habe. Während Unternehmen seit Jahren auf Klimatisierung setzten, entdeckten inzwischen immer mehr Hausbesitzer den Komfort gekühlter Räume für sich. «Generell steigt der Anteil der Nachfrage von Privatleuten, die ihre Häuser modernisieren und sich dann auch eine Klimaanlage einbauen lassen wollen», sagt die Geschäftsführerin.Für Andreas Hüfner, technischer Betriebsleiter und Sohn des Firmengründers, ist das kein Zufall. Wer sein Haus energetisch saniere, neue Fenster einbauen lasse, das Dach erneuere oder Photovoltaik installiere, denke häufig auch über mehr Wohnkomfort nach. Besonders Besitzer älterer, abbezahlter Häuser investierten inzwischen in Wärmepumpen oder Split-Klimaanlagen. Bei Neubauten werde dagegen aus Kostengründen häufiger auf eine Klimaanlage verzichtet, beobachtet er.Früher Luxus, heute immer öfter StandardZu den Kunden des mittelständischen Handwerksbetriebs mit gut 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehören unter anderem Unternehmen aus der Pharmaindustrie, Hotels, Betriebe der Systemgastronomie sowie Immobilienfirmen, die ältere Gebäude kaufen, sanieren und wieder verkaufen. Eine besondere Spezialität der Firma Hüfner ist nach eigenen Angaben die Klimatisierung denkmalgeschützter Gebäude - eine knifflige Aufgabe, die oft maßgeschneiderte Lösungen verlange.Dass Klimaanlagen heute immer selbstverständlicher werden, überrascht Hüfner nicht. Was früher als Luxus gegolten habe, werde zunehmend zum Standard - ähnlich wie einst bei Auto-Klimaanlagen. Es gehe heute um Komfortgewinn beim Wohnen und Arbeiten, betont er. Da die Geräte heute in großen Stückzahlen produziert würden, seien sie deutlich günstiger geworden. «Wir machen hier standardisierte Montagen und auch dadurch wird alles erschwinglicher.»«Wir kommen, wenn es heiß ist, und gehen, wenn es kalt ist»Die Hitze, unter der die Kunden leiden, macht allerdings auch den Monteuren zu schaffen. Klimageräte werden häufig auf Dächern, an Außenwänden und in aufgeheizten Gebäuden installiert. Doch mit Hitze müssten auch viele andere Berufe zurechtkommen, betont der technische Betriebsleiter.Trotzdem sieht Hüfner vor allem die schönen Seiten seines Berufs. «Wir kommen in der Regel, wenn es heiß ist, und gehen, wenn es kalt ist», sagt der technische Betriebsleiter. «Es ist ein tolles Gefühl, weil man etwas Sinnvolles und glückliche, zufriedene Auftraggeber hinterlässt. Das ist das, was mich immer so glücklich gemacht hat in diesem Beruf.»Der frühe Vogel entgeht der MittagshitzeDamit die Arbeit an besonders heißen Tagen nicht zur extremen Belastungsprobe wird, beginnt der Betrieb viele Einsätze bereits in den frühen Morgenstunden. Wenn möglich, starteten die Teams schon um 5.00 oder 6.00 Uhr, um der größten Mittagshitze auszuweichen, erklärt Mahlow-Hüfner. Dabei werde immer gemeinsam mit den Beschäftigten entschieden, ob ein früher Arbeitsbeginn sinnvoll und gewollt sei.Beim Nachwuchs läuft es für den Betrieb rund. Etwa sechs junge Menschen absolvieren gleichzeitig ihre Ausbildung zum Mechatroniker für Kältetechnik. Die dreieinhalbjährige Ausbildung sei eine der längsten im Handwerk, sagt die Geschäftsführerin. Dem Unternehmen gelinge es meist, die frisch ausgebildeten Fachkräfte im eigenen Haus zu halten.Azubi: «Eincremen und viel trinken»Wie sich die Arbeit eines angehenden Mechatronikers für Kältetechnik an heißen Sommertagen anfühlt, erlebt Marc Andres derzeit täglich. Der Auszubildende im dritten Lehrjahr setzt auf einfache, aber wirksame Mittel: «mit Sonnenschutz eincremen, viel trinken, einen Hut auf dem Kopf tragen und ab und zu in den Schatten gehen.»dpa-infocom GmbH