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Hitze: Run auf Klimageräte – wer jetzt verdient und wer nicht liefern kann Die Nachfrage nach Klimaanlagen boomt in der Sommerhitze, Händler steigern ihren Umsatz um über 300 Prozent. Ein Modell ist stark gefragt. Die Branche stellt sich auf Wachstum ein.

Kilian Harmening, Martin Benninghoff, Martin Kölling 04.07.2026 - 16:15 Uhr Artikel anhörenAufgeheizte Wohnung: Ventilatoren und Klimageräte sind in Deutschland aktuell Mangelware. Foto: Getty ImagesDüsseldorf, Shanghai, Tokio. Lange waren Klimaanlagen hierzulande als umweltschädlich verpönt. Heute sind sie praktisch ausverkauft. Suchanfragen wie „mobile Klimaanlage kaufen“ haben sich bei Google zuletzt mehr als verdreifacht. Für bestimmte Modelle wie das gehypte Klimagerät Midea Porta Split haben sie sich sogar verzwanzigfacht. Die Branche stellt sich auf Wachstum ein, die Preise schießen in die Höhe.„Es wurden bereits jetzt schon mehr als doppelt so viele Ventilatoren und Klimaanlagen verkauft wie im gesamten Jahr 2025“, berichtet der Onlinehändler Otto dem Handelsblatt.Der Absatz von Ventilatoren sei bei Otto im Vergleich zum Juni 2025 um rund 308 Prozent gestiegen. Bei Klimageräten betrage das Wachstum gegenüber dem Vorjahresmonat rund 250 Prozent. Ein Sprecher der Baumarktkette Obi spricht ebenfalls von erschöpften Beständen.Eine zweite Branche profitiert auch von dem Boom: Logistiker. Der chinesische Dienstleister JD Logistics vertreibt Klimaanlagen auf seiner Europa-Plattform Joybuy. Das Unternehmen gab an, dass sich der Absatz von Klimaanlagen im Vergleich zu Anfang Juni mittlerweile fast vervierzigfacht habe.Cainiao, die Logistiktochter von Alibaba, spricht von einem fast 18‑fachen Anstieg bei Bestellungen mobiler Klimageräte aus europäischen Lagern im Juni, getrieben vor allem von der Nachfrage aus Großbritannien, Deutschland und Polen.Die wenigsten Häuser in Deutschland sind klimatisiertIn Sachen Klimatisierung haben deutsche Haushalte großen Nachholbedarf. Selbst unter den im Jahr 2025 fertiggestellten Neubauwohnungen besitzen nur 4,3 Prozent eine Anlage zur Kühlung. Das zeigen neueste Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis).Dagegen steht, dass es am vergangenen Wochenende zeitweise in mehr als 55 Prozent aller Wohnungen hierzulande heißer als 30 Grad war. Das zeigen Daten des Unternehmens Tado. In zahlreichen Städten kam es hitzebedingt zu zahlreichen Todesfällen. Die Stadt Köln zählte innerhalb von zwei Tagen mehr als 120 Tote. Der Rettungsdienst sei an seine Kapazitätsgrenze gekommen, so die Stadt Köln.Hitzewelle Wenn das Design ins Schwitzen kommt – gibt es schöne Klimaanlagen? Autobahnen mussten teilweise gesperrt werden, nachdem die oberste Asphaltschicht aufgeplatzt war, Bewohner von Pflegeeinrichtungen mussten verlegt werden, weil die Räume zu sehr aufgeheizt waren. Für die Wirtschaft bezifferte das Beratungsunternehmen Prognos die Kosten eines einzelnen Hitzetages auf 431 Millionen Euro.Der fortschreitende Klimawandel macht gefährliche Hitzewellen zu einem wachsenden Problem. „Bei Neubauten wird man nach den Erfahrungen der Hitzewoche sicherlich nicht mehr umhinkommen, sich mit der Frage nach dem Einbau einer Klimaanlage auseinanderzusetzen“, meint Lukas Sander von Prognos.Wenn die Hitze da ist, fehlt der InstallateurInsgesamt sei in der Branche seit Jahren ein deutlicher Wachstumsimpuls sichtbar, so Sander, trotz gesamtwirtschaftlich stagnierender Lage. Auf die Branche entfallen rund zwei Prozent der deutschen Wertschöpfung – sie umfasst neben dem Geschäft mit Kälte- und Klimageräten auch Bereiche wie Gründächer, Kühlwesten oder Ingenieursleistungen zur Klimaanpassung.Destatis zufolge ist unter den im Jahr 2025 neu fertiggestellten Bürogebäuden rund jedes dritte mit einer Anlage zur Kühlung ausgestattet. Ähnlich hoch ist der Anteil auch im Bildungs- und Gesundheitswesen. Im Sozialwesen beläuft er sich dagegen nur auf 14,5 Prozent. Hierunter fallen etwa Kitas und Pflegeeinrichtungen. Prognos-Fachmann Sander hält fest: „Volkswirtschaftlich betrachtet ist die Nachrüstung des Gebäudebestands die deutlich größere Aufgabe.“Das bekommen aktuell vor allem Verbraucher zu spüren. Wer keine Klimaanlage hat, sucht derzeit meist vergeblich nach einer Klimatisierung für zu Hause. Dabei ist die Produktpalette auf dem Markt groß. Die erfolgreichsten Hersteller kommen vor allem aus Asien.Nach Berechnungen des Rohstoff- und Industriedienstes Shanghai Metals Market (SMM), die sich auf chinesische Zolldaten stützen, stiegen etwa Chinas Exporte von Klimageräten in die EU im ersten Halbjahr 2026 auf 3,76 Milliarden Dollar, ein Plus von 43,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Marktanteil chinesischer Marken in Europa stieg damit auf 41 Prozent. 2023 betrug der Anteil noch 27 Prozent.Welche Hersteller den Markt dominierenNeben Anbietern wie LG und Samsung liegt die Gunst der Stunde bei Midea, einem chinesischen Haushaltsgeräte- und Industriekonzern, für den das Geschäft mit Heiz-, Lüftungs- und Klimasystemen im letzten veröffentlichten Geschäftsbericht knapp 40 Prozent des Umsatzes ausmachte.Immobilien Diese Städte sind am stärksten von Hitzestress betroffen – worauf Eigentümer achten sollten Der Hype ist mittlerweile so groß, dass ein Softwareentwickler aus Baden-Württemberg sogar eine eigene Website programmierte, ursprünglich für Freunde. Als er sie dann öffentlich stellte, rechnete Adrian Kübel zunächst mit vielleicht 100 Aufrufen – jetzt verzeichnet er knapp zwei Millionen Seitenbesuche pro Tag.Die Website gibt minutengenau Auskunft über die Verfügbarkeit der Midea Porta Split, des in Deutschland derzeit angesagtesten Modells unter den mobilen Klimageräten. Ein Blick auf die Seite am Freitagmittag verrät: restlos vergriffen, verfügbar in null von 1185 Baumarkt-Filialen.Das Midea-Modell scheint gerade omnipräsent auf Plattformen wie Instagram, Youtube und Reddit. Die Installation ist einfach. Ein mobiles Klimagerät benötigt nur Strom und ein offenes Fenster: Ein Schlauch führt die warme Luft nach draußen.Abkühlung: Das derzeit beliebteste Modell unter den mobilen Klimageräten stammt aus China. Foto: MideaEin Midea-Sprecher in Europa teilt auf Anfrage mit: „Wir erwarten für Europa keine sprunghafte Entwicklung, sondern ein kontinuierliches Wachstum.“ Europa sei ein strategisch wichtiger Markt, in den das Unternehmen kontinuierlich investiere.Solche mobilen Modelle heißen im Handel meist „Klimageräte“, fest installierte Split-Systeme mit Außen- und Inneneinheit werden demgegenüber als „Klimaanlagen“ bezeichnet. Letztere gelten grundsätzlich als umweltfreundlicher und energieeffizienter, müssen aber von Fachbetrieben montiert werden.Japanische Hersteller positionieren sich mit solchen Anlagen auf dem Markt, auch sie können auf mehr Absatz hoffen. Daikin gilt in Deutschland als Marktführer für Klimaanlagen und richtet sich genau wie Rivale Mitsubishi Electric an Privatkunden.Panasonic ist ebenfalls eine feste Größe im deutschen Markt. Eine Sprecherin in Tokio erklärt: „Wir beobachten in Deutschland einen deutlichen Anstieg der Nachfrage nach Klimalösungen für Privathaushalte.“ Das Unternehmen schätzt, dass der Markt um zehn Prozent wächst.Logistik Wirtschaft sorgt sich vor Folgen der Hitzewelle Panasonic erhöhe daher seine Produktion für den europäischen Markt ebenfalls. Wegen der geringen Verbreitung sieht der Konzern „erhebliches Wachstumspotenzial“. Man beobachte zudem, dass immer mehr Kunden die Anlagen – genau wie Japaner – auch zum Heizen nutzen, um ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas zu senken.Japanische Klimaanlagen gehören zu den energieeffizientesten der Welt, haben in dem Land nach verfügbaren Daten (Stand 2018) doch 90 Prozent der Haushalte eine Klimaanlage, der durchschnittliche Haushalt sogar 3,2 Geräte.Das Flaggschiff-Modell von Daikin auf dem japanischen Markt ist „Ururu Sarara“, eine Klimaanlage, die die Luft sowohl ent- als auch befeuchten kann. Was in Europa bislang allenfalls ein seltenes High-End-Nischenprodukt wäre, kommt in Japan zunehmend in der Gesellschaft an.Wer derzeit hierzulande eine Klimaanlage installieren lassen möchte, kann allerdings kaum damit rechnen, dass mitten in den Hitzemonaten ein Handwerker Zeit hat. Im Sommer seien die Betriebe mit Wartung und Reparaturen bestehender Anlagen ausgelastet. Lucas van Stephoudt vom Fachverband Gebäude-Klima sagt dem Handelsblatt, Klimaanlagen sollten antizyklisch angeschafft werden – sprich dann, wenn die Temperaturen wieder sinken. Doch im Herbst sinke mit den Temperaturen auch die Nachfrage.Die Händler suchen NachschubNicht nur bei der Baumarktkette Hornbach ist man derweil damit beschäftigt, schnellstmöglich für Nachschub zu sorgen. „Das Angebot verändert sich“, sagt ein Hornbach‑Sprecher. Midea‑Klimageräte aus Asien müsse das Unternehmen üblicherweise bis zu ein Jahr im Voraus bestellen; ob jetzt noch Ware zu bekommen sei, könne er nicht sagen. Gegebenenfalls werde Hornbach im Sortiment auf Alternativen anderer Hersteller ausweichen. Verwandte Themen DeutschlandEuropaAsienPanasonicKleinanzeigenDabei habe die Baumarktkette ihre Bestellmenge für Klimageräte bereits von Jahr zu Jahr erhöht. Ob die Bestellungen für 2027 erneut massiv nach oben gehen sollen, lässt der Hornbach-Sprecher offen: „Auf der einen Seite will man Gas geben, auf der anderen Seite muss man auch wieder einbremsen.“ Zu unsicher seien Wetter und Kaufkraft im nächsten Jahr.Bei großen Baumarktketten bleiben die Preise für mobile Klimageräte derzeit recht konstant – sofern denn noch welche verfügbar sind. Auf Plattformen wie Kleinanzeigen schießen die Preise jedoch in die Höhe. Eine handelsübliche Midea Porta Split, die laut Hersteller 899 Euro kosten soll, stand dort schon für Preise in fünfstelliger Höhe zum Verkauf. Insgesamt sorgten viele solcher hohen Preise auf Plattformen dafür, dass sich der Durchschnittspreis auf Idealo mittlerweile auf knapp 3000 Euro mehr als verdreifacht hat. Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige remind.me Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige FREITAG® Immobilien FREITAG® Immobilien – Ihr Makler und Gutachter für München & Starnberg Anzeige Presseportal Direkt hier lesen! Anzeige STELLENMARKT Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden Anzeige Expertentesten.de Produktvergleich - schnell zum besten Produkt