Es ist eine Entscheidung, die weit über zwölf Stahlrümpfe hinausreicht. Als Kanadas Premierminister Mark Carney am 6. Juli 2026 in Halifax verkündete, dass die Kieler Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) den Zuschlag für die größte Rüstungsbeschaffung in der Geschichte des Landes erhält, war das mehr als ein Milliardengeschäft. Es war ein geopolitisches Signal – gerichtet an Washington, Moskau und Peking gleichermaßen.

Warum der Deal zustande kam

Kanadas U-Boot-Flotte ist ein sicherheitspolitisches Desaster. Von den vier 1998 gebraucht aus Großbritannien übernommenen Victoria-Klasse-Booten ist derzeit nur ein einziges einsatzbereit, während die Ausmusterung Mitte der 2030er-Jahre bevorsteht. Zugleich steht Ottawa unter doppeltem Druck: Carney hat die kanadischen Verteidigungsausgaben auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts angehoben und sich verpflichtet, bis 2035 die neue Nato-Zielmarke von fünf Prozent zu erreichen.

Hinzu kommt eine strategische Zäsur im Verhältnis zu Washington. Die Entscheidung reflektiert Carneys Bemühen, Kanadas militärische und wirtschaftliche Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten zu reduzieren, nachdem Präsident Trump begonnen hatte, Kanada als 51. US-Bundesstaat zu bezeichnen und Grönland zu beanspruchen. Nach Angaben Carneys entfallen rund 70 Prozent des kanadischen Rüstungsbudgets bislang auf US-Unternehmen.