Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat den italienischen Staat zu einer Entschädigungszahlung an ein Opfer häuslicher Gewalt verurteilt. Grund ist, dass die Vorwürfe der Frau, durch ihren Partner vergewaltigt worden zu sein, von der Staatsanwaltschaft als »normal« abgetan worden waren. Zuerst berichtete unter anderem der »Guardian« .

Der Fall geht auf den April 2021 zurück, als die französische Staatsbürgerin Audrey Ubeda bei der Polizei Anzeige gegen ihren italienischen Partner erstattete. Ubeda behauptete, ihr Partner habe sie und ihre beiden Kinder körperlich und seelisch misshandelt. Ubeda gab an, ihr Partner habe sie mehrmals vergewaltigt und ihr – vor den Augen zweier Verwandter – ein Messer an die Kehle gehalten.Verhalten sei »normal« für MännerSpäter im selben Jahr beantragte die für die Ermittlungen zuständige Staatsanwaltschaft – Medienberichten zufolge ermittelte eine Frau – die Einstellung des Verfahrens. Sie bezeichnete den Vorfall mit dem Messer als »schlechten Scherz« und erklärte, die den Kindern zugefügte körperliche Gewalt sei lediglich erzieherischer Natur gewesen und habe die elterliche Autorität nicht überschritten.

Die Staatsanwältin erklärte, es sei schwer festzustellen, ob eine Vergewaltigung stattgefunden habe, da sich der Mann möglicherweise nicht der fehlenden Einwilligung seiner Partnerin bewusst gewesen sei. Man müsse bedenken, dass es für Männer »normal« sei, »ein Mindestmaß an Widerstand zu überwinden, den jede Frau in der Regel zeigt, wenn sie vom Alltag erschöpft ist und ein Mann ihr sexuelle Avancen macht«.