Die Nassauische Heimstätte/Wohnstadt (NHW) fürchtet um Fördermittel des Bundes in Höhe von insgesamt rund 80 Millionen Euro bis 2030. Wie bedeutsam der Betrag für die hessische Unternehmensgruppe ist, zeigen die Zahlen, die am Dienstag bei der Bilanzpressekonferenz bekannt gegeben wurden.Danach lag der Konzernüberschuss 2025 mit 32,8 Millionen Euro unter dem im Jahr 2024 erwirtschafteten Plus von 34,7 Millionen Euro. Kaweh Mansoori (SPD), in seiner Eigenschaft als hessischer Wohnungsbauminister auch Aufsichtsratschef des Unternehmens, berichtete, dass man gegen Ende des vergangenen Jahres mit schlechten Nachrichten aus Berlin konfrontiert worden sei.Schlechte Nachrichten aus BerlinDie Bundesministerien für Wirtschaft und für Wohnungsbau hätten mitgeteilt, dass die NHW künftig von Förderprogrammen für energetische Modernisierungen und Neubauprojekte ausgeschlossen sei. Dies gelte für alle Unternehmen mit einer Beteiligung des Landes. Ausgenommen seien die Stadtstaaten, weil deren Wohnungsbauunternehmen in der Hand der Kommune seien.In Schreiben an beide Ministerien habe er darauf hingewiesen, dass auch die NHW ein kommunal geprägtes Unternehmen sei und die Mittel aus Berlin ohne Umweg über das Land direkt ihrem Zweck zuflössen, sagte Mansoori. Das Land hält 61 Prozent der Anteile an der NHW, die Stadt Frankfurt 27 Prozent. Wiesbaden ist mit sechs Prozent im Boot, die Deutsche Rentenversicherung mit knapp drei Prozent.Der Rest befindet sich in den Händen anderer hessischer Städte und Landkreise. Nach Mansooris Worten teilte Sören Bartol, Parlamentarischer Staatssekretär im Wohnungsbauministerium, mit, dass man die Förderung der Neubauprojekte angesichts der Argumente aus Wiesbaden nun doch fortsetzen werde.Hilfe des ParteifreundesBartol ist Landesvorsitzender der hessischen SPD. Das Wirtschaftsministerium halte bislang daran fest, die energetischen Modernisierungen nicht mehr zu unterstützen, so Mansoori. Hier leiste man weiterhin Überzeugungsarbeit.Die Wiederaufnahme der Neubauförderung sei ein wichtiges Signal, meinte der Geschäftsführer der NHW, Thomas Hain. Die Situation bei der Modernisierungsförderung bleibe unbefriedigend. „Wer Klimaschutz im Gebäudebestand realisieren will, muss für verlässliche und langfristig planbare Förderbedingungen für alle sorgen, damit geplante Investitionen auch getätigt werden.“Ein Euro aus Fördermitteln löst nach den Angaben des Unternehmens im Durchschnitt Investitionen in Höhe von sieben Euro aus. In Frankfurt sei man besonders aktiv, weil dort die finanzielle Unterstützung „auskömmlich“ sei.Hilfsprogramme für SchülerMit der durchschnittlichen Kaltmiete von 7,13 Euro pro Quadratmeter beweise das Unternehmen, dass bezahlbares Wohnen auch in den hessischen Metropolen möglich sei, meinte Mansoori. Mit einem Bestand von mehr als 61.500 Wohnungen sei die NHW in ihrer Branche „der zentrale Player in Hessen“. Das Unternehmen gibt an, dass es so viel baue wie seit 50 Jahren nicht mehr.Daneben unterstreicht es seine soziale Verantwortung, indem es etwa gemeinsam mit der Polytechnischen Gesellschaft Grundschulkindern von Mietern ein dreiwöchiges Förderprogramm anbietet. Durch die Verbindung von Deutschunterricht, Theaterpädagogik und gemeinschaftlichen Freizeitangeboten sollen Sprachkompetenz, Selbstvertrauen und Bildungschancen erhöht werden.Skepsis ließ Mansoori gegenüber der Forderung erkennen, dass die NHW ihre Mieten nur noch um höchstens fünf Prozent in fünf Jahren erhöhen dürfe. Dafür sind in Frankfurt rund 2000 Unterschriften gesammelt worden. Es gehe immer darum, Klimaschutz durch energetische Sanierungen, bezahlbare Mieten und Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten. Hier müsse man die richtige Balance finden.Wenn die Mieten zu niedrig seien, fehlten nicht nur die Mittel, um die nötige Transformation zu finanzieren. Man gerate auch in einen Konflikt mit dem Beihilferecht der Europäischen Union. Die Stadt Frankfurt suche gegenwärtig nach einer Lösung.
Wohnungsbauunternehmen fürchtet um 80 Millionen Euro aus Berlin
Der Nassauischen Heimstätte fehlen bis zum Jahr 2030 insgesamt rund 80 Millionen Euro – wenn das Bundeswirtschaftsministerium sich nicht überzeugen lässt.










