Weniger als drei Monate nach der Eroberung der Stadt Kidal im Norden befinden sich Tuareg-Rebellen und Islamisten in Mali weiter auf dem Vormarsch. Heftige Kämpfe ereigneten sich Berichten zufolge am Wochenende in den fünf Städten Anéfis, Aguelhoc, Gao, Sévaré und Kéniéroba. Vor allem eine Übernahme der Stadt Anéfis, etwa 100 Kilometer von Kidal enfernt, wäre ein strategisch bedeutender Erfolg für die Tuareg-Rebellen, die seit vielen Jahren für einen unabhängigen Staat kämpfen und Kidal als ihre Hauptstadt betrachten.Wie mehrere Beobachter in den sozialen Medien berichten, haben die Aufständischen gezielt Stützpunkte des malischen Militärs und des russischen Afrikakorps, das dem Verteidigungsministerium in Moskau unterstellt ist, angegriffen. Nach der Eroberung von Kidal Ende April gab es Berichte, die russischen Söldner hätten den Ort kampflos den bewaffneten Gruppen überlassen. Diesmal scheint es anders zu sein. Wie der Fernsehsender Al Jazeera am Dienstag berichtete, liefert Russland derzeit Nachschub an Waffen nach Mali. Die Lage in Anéfis und den anderen Orten blieb unübersichtlich.Bei den Aufständischen handelt es sich um die islamistische Terrororganisation „Gruppe zur Unterstützung des Islams und der Muslime“ (JNIM), einen Ableger von al-Qaida, und die Rebellenorganisation „Azawad-Befreiungsfront“ (FLA). Beide haben sich in einer Art Zweckbündnis gegen die Militärregierung in Bamako verbündet, die 2020 und 2021 über Putsche an die Macht gelangte. Schon im vergangenen Jahr hatten sie auch den Druck auf die Hauptstadt Bamako im Süden erhöht, als sie mehrere Versorgungsrouten in die Millionenmetropole blockierten und Tanklastwagen in die Luft sprengten.Anschlagsserie im ganzen Land verteiltIhre Schlagkraft und Organisationsfähigkeit stellte das Bündnis schon bei der genau koordinierten Anschlagsserie an mehreren Orten im Land im April unter Beweis. In der Garnisonsstadt Kati in der Nähe von Bamako kam damals der malische Verteidigungsminister Sadio Camara, ein wichtiges Mitglied der Militärregierung, durch die Explosion einer Autobombe vor seinem Haus ums Leben.Kidal, die Hochburg der Tuareg-Rebellen, befand sich auch in der Vergangenheit immer wieder im Zentrum der Kämpfe zwischen Separatisten und der nationalen Regierung. 2012 war die Stadt kurzzeitig in den Griff islamistischer Gruppen geraten, bevor sie das französische Militär im Rahmen der „Operation Serval“ im Januar 2013 befreite. Danach blieb die Stadt faktisch unter der Kontrolle von Tuareg-Rebellen. 2023 wurde sie vom malischen Militär mit Unterstützung der russischen Söldner zurückerobert.Das Hauptziel der Angriffe am vergangenen Wochenende sei Anéfis wegen seiner strategisch wichtigen Nähe zu Kidal und Stützpunkten des Afrikakorps gewesen, sagte der Vorsitzende einer in Frankreich ansässigen Tuareg-Organisation dem französischen Auslandssender RFI. Viele Tuareg-Rebellen sähen sich als „Opfer einer russischen Aggression auf unserem eigenen Territorium, so ähnlich wie die Ukrainer“.Berichten in den sozialen Medien zufolge wurden einige malische Soldaten nach Zusammenstößen mit den FLA-Rebellen in Anéfis gefangen genommen. Militärhubschrauber hätten am Sonntag versucht, Unterstützung zu leisten und Verletzte aus der Stadt zu fliegen, sie seien jedoch beschossen worden und hätten nicht landen können.Die Afrikanische Union (AU) verurteilte die „koordinierten Terroranschläge“ aufs Schärfste. Die Anschläge erinnerten eindringlich daran, dass „Terrorismus und gewalttätiger Extremismus weiterhin eine ernste Bedrohung für Mali, den Sahel-Raum und den gesamten afrikanischen Kontinent“ darstellten, erklärte der Vorsitzende der AU-Kommission, Mahamoud Ali Youssouf.