PfadnavigationHomePolitikAuslandGipfel in Ankara„Ich mag den Mann einfach“ – Was sich Rutte vom Treffen mit Trump versprichtVon Paul McLearyStand: 14:41 UhrLesedauer: 5 MinutenNato-Generalsekretär Mark Rutte beim Gipfel in der türkischen Hauptstadt Ankara Quelle: Getty Images/Chris McGrathDie Regierungen mehrerer Nato-Mitglieder haben Donald Trump öffentlich wegen seiner Äußerungen kritisiert, darunter Deutschland. Der US-Präsident heizte den Konflikt weiter an. Aber Nato-Chef Rutte sieht die Allianz auf dem richtigen Weg.Nato-Generalsekretär Mark Rutte hat den Bündnispartnern in Sachen Donald Trump nur eines auszurichten: Der US-Präsident hatte recht. Er hatte recht, als er die Verbündeten zu höheren Verteidigungsausgaben drängte. Er hatte recht, als er sie zur Modernisierung ihrer Streitkräfte trieb. Und er hatte recht, als er den Krieg gegen den Iran begann. Das sagte Rutte im „Politico“-Podcast „The Conversation with Dasha Burns“, der am Rande des Bündnisgipfels in dieser Woche in der türkischen Hauptstadt Ankara aufgezeichnet wurde.„Ich mag den Mann einfach. Was er für die Nato tut, ist großartig“, sagte Rutte. Es war ein vorbehaltloses Bekenntnis zu einer Politik, die andere Bündnismitglieder ein ums andere Mal brüskiert hat. Viele von ihnen ziehen Trumps Loyalität zum Bündnis inzwischen offen in Zweifel – nach seinen Drohungen, Grönland zu annektieren, seinen Zweifeln an der Beistandsklausel des Artikels 5, seinen Attacken gegen andere Staats- und Regierungschefs, dem Teilabzug amerikanischer Truppen aus Deutschland und der laufenden, weitreichenden Überprüfung der US-Militärpräsenz in Europa durch das Pentagon.Lesen Sie auch„Präsident Trump erreicht im Grunde das, worum sich amerikanische Präsidenten seit Eisenhower bemüht haben: die Verteidigungsausgaben zwischen den USA und Europa anzugleichen“, fügte Rutte hinzu. Der Nato-Chef nannte den diesjährigen Gipfel „transformativ“ für das Bündnis – ein Treffen, das zusätzliche Milliarden in zentrale Rüstungsprogramme lenken werde.Die Zahlen sind schon jetzt gewaltig. In den vergangenen zwei Jahren haben die 31 Nato-Mitglieder ohne die USA neue Programme und Verteidigungsinvestitionen im Umfang von 250 Milliarden Dollar zugesagt. In den kommenden zwei Tagen wird eine ganze Reihe weiterer Vereinbarungen und Zusagen erwartet.Lesen Sie auchAll das geschieht vor dem Hintergrund, dass Trump von den Verbündeten mehr Geld und mehr Einsatz verlangt, während Washington seinen Fokus auf die innere Sicherheit und, in geringerem Maße, auf den pazifischen Raum verlagert.Lesen Sie auchRutte betonte, die europäischen Staaten täten sehr viel mehr, um ihre militärischen Fähigkeiten auszubauen und einen faireren Anteil der Lasten für die Verteidigung des Kontinents zu tragen. „Wir brauchen eine Nato, die tragfähig ist und deshalb nicht übermäßig von den USA abhängt – ein stärkeres Europa in einer stärkeren Nato, in der Europäer und Kanadier wirklich mehr Verantwortung übernehmen“, sagte der Generalsekretär.Der zweite Antrieb heißt PutinDoch nicht allein der Druck aus Washington treibt das Bündnis zu höheren Verteidigungsausgaben. Der zweite entscheidende Antrieb heißt Wladimir Putin. Die Alliierten sind entschlossen, die Ukraine weiter mit Geld und Waffen zu unterstützen – und zugleich ihre eigenen Streitkräfte so aufzurüsten, dass sie einen möglichen russischen Angriff abschrecken können.„Wir müssen das tun wegen der russischen Bedrohung, und wir sehen, was die Russen in der Ukraine anrichten“, sagte Rutte. Ziel sei es, die eine Milliarde Menschen in den Nato-Staaten „gegen die russische Bedrohung, den massiven militärischen Aufwuchs Chinas und die Tatsache zu verteidigen, dass Russland, China, Nordkorea und der Iran zusammenarbeiten“.Trump wiederum hat seinem Ärger darüber Luft gemacht, dass viele europäische Verbündete zögerten, ihm in dem von ihm begonnenen Krieg gegen den Iran beizustehen.„Man hat uns hängen lassen“, sagte Trump im vergangenen Monat, als Rutte ihn im Weißen Haus traf. „Wir haben dabei überhaupt keine Hilfe gebraucht. Wir haben [den Iran] buchstäblich in der ersten Woche dem Erdboden gleichgemacht, aber es wäre schön gewesen, wenn sie gesagt hätten: ‚Wir würden gern helfen.‘“Rutte hingegen unterstrich einmal mehr, dass die europäischen Staaten für die Bombenkampagne gegen den Iran unverzichtbar gewesen seien. „Die USA hätten Epic Fury wahrscheinlich nicht durchführen können, ohne Europa als eine einzige große Plattform der Machtprojektion zu nutzen“, sagte er. Rumänien habe seinen größten kommerziellen Flughafen geschlossen, damit amerikanische Maschinen starten und landen konnten. Von europäischen Flugplätzen seien im vergangenen Winter etwa 5000 Einsätze gestartet – Trumps beharrlicher Behauptung zum Trotz, die Verbündeten hätten nicht mitgeholfen.Lesen Sie auchEin hochrangiger Vertreter des Weißen Hauses sagte, Trump reise mit „einer Mischung aus Optimismus, aber auch einer gewissen Verstimmung wegen des Iran“ nach Ankara. „Es ist beides. Ich weiß, das mag ein Oxymoron sein, aber es besteht Hoffnung, dass es auch nach dem, was mit dem Iran passiert ist, vielleicht einen Weg nach vorn gibt.“Rutte beteuerte, das Bündnis – die USA eingeschlossen – stehe trotz aller Differenzen weiterhin geeint. „Ich glaube, der Präsident hat einen Punkt: In einzelnen Fällen ist er zu Recht enttäuscht. Aber wenn man das größere Bild dessen betrachtet, was die Europäer tun, dann ist das gewaltig“, sagte er.Und schob nach: „Das ist der Beleg dafür, dass die europäischen Staaten auf Grundlage all dieser bilateralen Vereinbarungen wirklich außerordentlich hilfreich waren, um Epic Fury überhaupt möglich zu machen.“Übersetzt und redaktionell bearbeitet von Jens Wiegmann.Das Axel Springer Global Reporters Network ist eine markenübergreifende Initiative, die Scoops, investigative Recherchen, Interviews, Meinungsstücke und Analysen globaler Relevanz veröffentlicht. 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