Der Zusammenbruch eines Kutschpferdes auf einer Brücke über den Tiber hat in Italien die Debatte über ein Verbot des fragwürdigen Angebots für Touristen neu entfacht. Das Pferd war am späten Samstagmorgen auf der Ponte Cavour, die die Stadtteile Prati und Campo Marzio miteinander verbindet, auf dem Asphalt zusammengebrochen. Die Handyaufnahmen von dem reglos am Boden liegenden Pferd hatten sich über die sozialen Medien rasch verbreitet.Auch Roms Tierschutzbeauftragte Patrizia Prestipino von der sozialdemokratischen Partei PD verbreitete auf der Plattform X ein Video des Vorfalls und schrieb: „Diese Stadt ist für Kutschpferde nicht mehr geeignet.“ Angesichts des chaotischen Straßenverkehrs, dazu der glühenden Hitze und des aufgeheizten Asphalts im Sommer, sei die Tradition der Kutschfahrten in der Altstadt Roms schon seit Jahren nicht mehr zeitgemäß, so Prestipino weiter.Die Erklärung des Kutschfahrers, das Tier sei nicht aus Erschöpfung oder wegen der Hitze zusammengebrochen, sondern auf dem Asphalt weggeglitten, mache die Sache nicht besser, fuhr Prestipino fort: „Das ist eine weit schlechtere Ausrede, denn sie zeigt, wie ungeeignet Stadtstraßen für diese Tiere sind. Sollte das Pferd tatsächlich aus diesem Grund gestürzt sein, bestätigt das nur, dass Pferde auf diesen Straßen nichts zu suchen haben.“Tierschutzorganisationen bezeichneten den Vorfall als absehbar. Die Öffentlichkeit sei nun Zeuge geworden, dass Kutschfahrten für Touristen in Rom nicht länger toleriert werden könnten. Medienberichten zufolge gibt es in Rom derzeit noch 16 Kutschfahrer, die über eine Lizenz zum Betreiben der sogenannten Botticelle-Pferdekutschen für den Fremdenverkehr verfügen. Vor zehn Jahren hatte es noch 38 Kutschen gegeben.Kutschfahrer sollen auf Taxis umsteigenDie Hauptstadt versucht seit Jahren, die Kutschfahrer zur Rückgabe ihrer Lizenzen zu bewegen, und bietet ihnen im Gegenzug eine Lizenz zum Betreiben von (elektrischen) Taxis an. Die meisten verbliebenen Kutschfahrer wollen aber weiter das Touristengeschäft mit Pferdekutschen betreiben, weil es finanziell attraktiver ist als das hart umkämpfte Geschäft mit Taxifahrten.Nach Angaben der Tierschutzorganisation OIPA zahlen Touristen bis zu 300 Euro für eine Fahrt, in Einzelfällen werden noch höhere Preise verlangt. Außer in Rom werden nach Angaben von OIPA auch in Florenz und Pisa in der Toskana sowie in Messina und Palermo auf Sizilien Kutschfahrten für Touristen in den jeweiligen Altstädten angeboten.Auch die Bereitschaft von Sponsoren aus Tier- und Umweltschutzkreisen, sich an der Suche und der Finanzierung von E-Taxis als Ersatz für die Botticelle zu beteiligen, konnte Roms verbliebene Pferdekutscher bisher nicht zum Umstieg überzeugen. Während der Corona-Pandemie hatten die Kutscher große Verluste erlitten, die sie im wiedererstarkten Fremdenverkehrsgeschäft nun auszugleichen hoffen.Kutschfahrten in Rom sind bereits jetzt streng reglementiert, namentlich in den Sommermonaten. Bei Temperaturen von mehr als 30 Grad gilt in der Regel ein Fahrverbot für Kutschfahrten. Erlaubt sind Fahrten mit der Botticella in der heißen Jahreszeit nur in den frühen Morgenstunden und am Abend. Tierschutzorganisationen fordern vom Parlament in Rom, umgehend ein Gesetz zum landesweiten Verbot von Kutschfahrten zu Zwecken des Fremdenverkehrs in Innenstädten zu verabschieden.
Kutschfahrten in Rom: Sind die Botticelle noch zeitgemäß?
Im Rom ist am Wochenende ein Kutschpferd zusammengebrochen. Der Vorfall hat die Debatte über ein Verbot der sogenannten Botticelle abermals entfacht.










