Der Nürnberger Technologiekonzern Diehl bleibt dank des Rüstungsbooms und einer guten Entwicklung des Luftfahrtgeschäfts auf Wachstumskurs. Wie das von der Familie Diehl kontrollierte Unternehmen am Dienstag mitteilte, erhöhte sich im abgelaufenen Jahr gegenüber 2024 der Umsatz um rund 15 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro. In diesem Jahr ist der Vorstand zuversichtlich, dass der Umsatz auf sechs Milliarden Euro steigt. Das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg 2025 um mehr als die Hälfte auf 703 Millionen Euro. Für das laufende Jahr rechnet der Vorstand mit einem stabilen operativen Gewinn.Trotz geopolitischer Unsicherheiten, einer verhaltenen Weltkonjunktur und kriegerischer Konflikte in Osteuropa und im Nahen Osten ist der Vorstand weiterhin zuversichtlich, den Wachstumskurs fortsetzen zu können. Die Perspektiven im Rüstungsgeschäft, in der Luftfahrt und bei Messgeräten werden als sehr gut eingeschätzt. Mittelfristig dürfte nach Ansicht des Vorstands auch das Metallgeschäft wieder Fahrt aufnehmen können. Dagegen werden die Aussichten der Sparte für Steuerungsgeräte angesichts der Schwäche an den Märkten für Haushaltsgeräte verhaltener beurteilt. Sie dürfte erst wieder auf den Erfolgspfad zurückkehren, wenn die Maßnahmen des laufenden Effizienzprogramms und die Effekte des unumgänglichen Kapazitätsabbaus zu greifen beginnen.Neuer Vorstandssprecher wird zum 1. September Cornelius Weitzmann, der bis Ende 2025 viereinhalb Jahre lang das Transportgeschäft im Voith-Konzern geleitet hat. Er wird im Führungsgremium auch Strategie und Technologie verantworten. Der bald 50 Jahre alte Weitzmann soll das technologische Portfolio der Gruppe weiterentwickeln und mit nachhaltigen Wachstumsstrategien verknüpfen. Der seit Juli 2024 kommissarische Vorstandssprecher Jürgen Reimer wird künftig neben seiner Verantwortung für die Finanzen wieder die Rolle als stellvertretender Vorstandssprecher einnehmen.Rekordausgaben für Forschung und EntwicklungReimer verwies auf der Bilanzpressekonferenz in Nürnberg auf die Spitzenwerte, die im vergangenen Jahr bei Investitionen und den Ausgaben für Forschung und Entwicklung erreicht wurden. Die Investitionen stiegen im vergangenen Jahr um zwölf Prozent auf 375 Millionen Euro. In Forschung und Entwicklung wurde mit 502 Millionen Euro um 26 Prozent mehr investiert. Nach Aussage von Reimer wird die dezentrale Aufstellung der Diehl-Gruppe als maßgebliches Erfolgsrezept eine weitere Stärkung erfahren. Das gelte auch für den gruppenübergreifenden Blick auf Zukunftsthemen wie Digitalisierung, Künstliche Intelligenz sowie Personalentwicklung und Nachhaltigkeit.In der Rüstungssparte Diehl Defence, die im Vorstand Helmut Rauch verantwortet, legte der Umsatz um knapp 28 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro zu. Diehl profitiert hier von der hohen Nachfrage nach bodengebundenen Luftverteidigungssystemen wie zum Beispiel Iris-T-SLM, das von der Ukraine zur Abwehr russischer Raketen und Drohnen eingesetzt wird. Iris-T-SLM hat sich in dem Krieg mit einer Trefferquote von fast 100 Prozent als sehr wirkungsvoll erwiesen. Die hohe Trefferquote bestätigte Rauch auch auf der Pressekonferenz am Dienstag. Im vergangenen Jahr verzeichnete Diehl neue Vertragsabschlüsse vor allem im Rahmen der European Sky Shield Initiative (ESSI), mit der die europäische Luft- und Raketenabwehr verbessert werden soll.Deutlich mehr Personal im RüstungsbereichMit der Schweiz, Schweden und Dänemark entschieden sich drei weitere Länder für die Beschaffung des Iris-T-SLM-Systems. Inzwischen seien zehn Länder bei Iris-T-SLM unter Vertrag, darunter neben Deutschland auch die Ukraine, berichtete Rauch. Er beobachtet bei den Kunden zudem einen höheren Bedarf für Produkte der Drohnenabwehr. Zukunftsweisende Themen sind nach Angaben von Rauch Flugkörper zum Schutz von U-Booten sowie das Luftverteidigungssystem Iris-T-SLX, das eine größere Reichweite von 80 Kilometern aufweist. Spartenchef Rauch blickt sehr zuversichtlich in die Zukunft. Es werde derzeit an allen Standorten in Deutschland in den Ausbau der Kapazitäten investiert. Zwischen 2023 und 2029 beträgt das Investitionsvolumen nach Angaben von Rauch 1,5 Milliarden Euro.Insbesondere in Deutschland, aber auch in den anderen europäischen NATO-Ländern bestehe eine hohe Nachfrage nach Rüstungsgütern, für die kundenseitig hinreichende Mittel zur Beschaffung vorhanden seien. Die Rüstungssparte erhöhte im vergangenen Jahr die Zahl der Mitarbeitenden um 818 Personen. In der Luftfahrtsparte kamen 241 Mitarbeitende hinzu. Derzeit arbeiten nach Angaben von Rauch 6000 Personen in der Rüstungssparte. Mittelfristig erwartet er 7000 Mitarbeitende. Angesichts der schwächelnden Autoindustrie gingen viele Bewerbungen ein. Rauch sieht in der Akquise von neuem Personal deshalb gegenwärtig keine Engpässe.Der noch amtierende Vorstandssprecher Reimer räumte ein Ungleichgewicht im Konzern aufgrund des immer stärkeren Gewichts des Rüstungsgeschäfts ein. Das sei aber kurzfristig kein Problem. Mittelfristig versuche der Vorstand, die anderen Bereiche mitwachsen zu lassen. Zudem gebe es erste Überlegungen, in neue Geschäftsaktivitäten einzusteigen. Näheres wollte Reimer dazu nicht sagen.Insgesamt weitete der Diehl-Konzern die Belegschaft um vier Prozent auf 19.449 Mitarbeitende aus. Im Inland wurden 644 Menschen eingestellt, womit die Zahl der Beschäftigten auf 13.078 stieg. Auch hier waren das Rüstungs- und Luftfahrtgeschäft verantwortlich für den Anstieg. Die Luftfahrtsparte steigerte im Geschäftsjahr 2025 den Umsatz um zwölf Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Als einer der großen Luftfahrtzulieferer profitiert Diehl nach eigenen Angaben deutlich von der positiven Marktentwicklung der Luftfahrtindustrie. Die Sparte treibt ihre Internationalisierung weiter voran. Dabei galt der Schwerpunkt einer erweiterten Präsenz im Nahen Osten.
Diehl steigert Umsatz auf 5,4 Milliarden
Das Geschäft mit Luftverteidigungssystemen läuft für das Nürnberger Unternehmen auf Hochtouren. Der Vorstand ist zuversichtlich, in diesem Jahr den Umsatz auf sechs Milliarden Euro steigern zu können.








