Heidelberger Druckmaschinen, der größte Druckmaschinenhersteller der Welt, will sein Rüstungsgeschäft ausbauen und in weitere branchenfremde Felder expandieren. Im Kerngeschäft erwartet der Vorstand hingegen keine Impulse. Ziel sei dort, die Effizienz zu erhöhen, um fit zu sein für die Zukunft.Der Vorstand des angeschlagenen Anlagenbauers reagiert damit auf die nach wie vor schwache Nachfrage nach Druckmaschinen. Schon im abgelaufenen Geschäftsjahr habe der Konzern Fortschritte in strategischen Initiativen gemacht, auch wenn man das „noch nicht so direkt“ in den Zahlen sehe, sagte der Vorstandsvorsitzende Jürgen Otto bei Vorlage der Jahresbilanz. Tatsächlich ist der Konzern im Geschäftsjahr 2025/2026 kaum vorangekommen. Nachdem die Branchenmesse Drupa im Jahr davor noch für einen gewissen Aufschwung gesorgt hatte, zeigten sich kaum Wachstumsimpulse: Der Umsatz stagnierte bei 2,29 Milliarden Euro, die operative Marge ist gesunken, der Auftragseingang um acht Prozent gefallen, unterm Strich blieben gerade mal 15 Millionen Euro hängen.Neuer BilligstandortOtto zeigte sich dennoch zufrieden. Der Konzern habe eine solide Grundlage gelegt, sagte er. Er verwies konkret auf 550 weitere Abfindungsverträge, die Zahl der Mitarbeiter ist damit auf gut 9000 gefallen – davon 1000 in China. Zudem hat der Konzern nach Ottos Worten in Nordmazedonien einen zweiten Billigstandort eröffnet. Die Kosten dort seien mit denen in China vergleichbar, zugleich wolle man keine Abhängigkeit von China schaffen, hieß es zur Begründung. Im ersten Schritt sollen dort einfache Maschinen montiert werden, die in Deutschland gar nicht mehr wettbewerbsfähig hergestellt werden könnten. Ob es dabei bleibe, müsse die Marktentwicklung zeigen.Hoffnungen auf eine Trendwende im Maschinengeschäft verbreitet Otto nicht. Stattdessen will er den Aufbau neuer Geschäftsfelder vorantreiben, allen voran: Rüstung. Der Konzern könne schließlich die komplexesten Maschinen der Welt bauen. Während die Automobilhersteller im Zehntelmillimeter-Bereich genau arbeiten müssten, seien bei Druckmaschinen Tausendstelmillimeter gefragt. Das Unternehmen kenne sich aus mit Steuerungstechnik, Prozesselektronik bis hin zu Software. So steuere die Belegschaft schon lange 11.000 Druckmaschinen in aller Welt vom Stammwerk in Wiesloch bei Heidelberg aus. Mit diesen Fähigkeiten will der angeschlagene Traditionskonzern im wachsenden Rüstungsgeschäft Fuß fassen.Produktion in BrandenburgSchon im Vorjahr hat er eine Kooperation mit Vincorion geschlossen, der ehemaligen Rüstungssparte von Jenoptik. Die Heidelberger wollen Steuerschränke für Stromgeneratoren bauen, die unter anderem für den Einsatz von Patriot-Raketen gebraucht werden. Hinzugekommen ist jüngst eine Partnerschaft mit dem israelisch-amerikanischen Rüstungsunternehmen Ondas. Das neu gegründete Gemeinschaftsunternehmen Onberg will in Brandenburg Drohnen zur Drohnenabwehr bauen – konkreter wurde Otto mit Verweis auf sensible Rüstungsdaten nicht. Er sagte jedoch, dass Onberg Stück für Stück auch Drohnen mit eigener, deutscher, Technik anbieten wolle, bewusst ohne Zulieferungen aus China und den USA. Weitere Projekte mit „völlig anderen Anforderungen“ seien im Plan.Der Aufbau von neuen Geschäften ist allerdings kein Selbstläufer, auch das hat der Konzern schon erfahren. Den mit viel Hoffnung gestarteten Bau eigener Elektrolyseure hat Otto wieder gestoppt, es gebe dafür einfach keinen Markt mehr. Auch die vor einiger Zeit ins Leben gerufene Produktion eigener Wallboxen sei ein Auslaufmodell: Der Markt ist verteilt, chinesische Anbieter dominierten.Dieses Geschäft will der Vorstand allerdings nicht aufgeben, sondern umbauen: Statt Wallboxen für Privatleute will er sich auf Hochvolt-Ladestationen konzentrieren und dort vor allem Service für die Ladeinfrastruktur anbieten. Das Unternehmen beschäftige schon heute 2500 Menschen nur im Service, so ein Netz könnten wenige andere bieten. Die Dienstwagenflotten von SAP und Siemens Energy hat das Unternehmen als Kunden gewonnen, weitere Unternehmen, vor allem aber öffentliche Auftraggeber, sollen folgen. Nach Ottos Worten setzt der Konzern dabei weniger auf Hardware und Ladesäulen, vielmehr auf Abrechnung, Verfügbarkeit und Ersatzteile. Das Umsatzpotential der neuen Geschäfte bezifferte Otto vorsichtig auf 300 Millionen Euro in den nächsten Jahren, dabei sei die Kooperation mit Vincorion nicht berücksichtigt.Die Rückschläge beim Aufbau von neuen Geschäften haben den Vorstand vorsichtig werden lassen. Ziel sei, dass in neuen Geschäftsfeldern 80 Prozent der eingebrachten Technik oder Services schon vorhanden seien, sonst rechne sich der Einstieg nicht. „Irgendetwas auf der grünen Wiese anzufangen, ist völlig sinnlos, vor allem mit deutschen Kostenstrukturen.“ Das Druckmaschinengeschäft werde nach Ottos Worten Kern des Unternehmens bleiben. Wie lange? „Noch viele Jahre.“
Rüstung: Heidelberger Druckmaschinen will Drohnen bauen
Rüstung, Ladeinfrastruktur, Service: Der angeschlagene Traditionskonzern sucht sein Heil in neuen Geschäften. Schließlich könne die Firma die komplexesten Maschinen der Welt bauen. Doch nicht alles gelingt.










